Mutterstute mit Fohlen

Vom Fohlen zum Absetzer – Wie man Stress reduziert

Eine abrupte Trennung von der Mutterstute ist extrem stressig für ein junges Fohlen. Nachfolgend gibt es Hilfestellung und Tricks, um die Trennung von der Mutterstute zu erleichtern. So kann ihr Absetzer die Trennung meistern und den Beginn dieses Lebensabschnittes unbeschadet überstehen.

Wie man es nicht machen sollte

Bevor ich selbst gezüchtet habe, habe ich mehrfach die Fohlen anderer Züchter unmittelbar nach Hauruck-Absatzmethoden erleben müssen. Das Fohlen wurde verkauft oder in Aufzucht gegeben, ohne es vorher von der Mutter zu trennen.

Das war jedes Mal Stress pur mit schreienden Fohlen, viel Schweiß und kopflosen Panikreaktionen. Bei der anschließenden Fahrt im Transporter habe ich live per Videokamera das Ergebnis solcher züchterischen Fahrlässigkeit mit ansehen können. Eins der Fohlen hat so randaliert (panisches Hänger-Wände hochsteigen und beim herunterstürzen mehrfach überschlagen), dass wir erst weiterfahren konnten, als ein Tierarzt das Fohlen sediert hatte.

Das war für keinen der Beteiligten schön und ganz sicher ein traumatisches Erlebnis für das betreffende Fohlen.

Diese Fohlen waren bei der Ankunft in der neuen Heimat völlig fix und fertig. Die Eingliederung in die neue Gruppe war vorerst unmöglich, weil die Fohlen mental überfordert waren. Ob es zu irgendwelchen Spätfolgen kam, kann ich nicht beurteilen.

Aber eins war mir nach diesen Erlebnissen sehr klar: So werde ich das selbst niemals machen!

Mit ein bisschen gutem Willen zum friedlichen Absetzer

Dabei gibt es für jede Haltungsform und Herden-Konstellation mit ein bisschen Köpfchen ganz einfache Lösungen, um dem Fohlen das Absetzen weniger unangenehm zu gestalten. Es ist eigentlich nur eine Frage des Wollens.

Mit ein wenig gutem Willen lassen sich für jeden Stall Alternativen zum klassischen Absetzen finden, um es den Fohlen bei der Trennung leichter zu machen. Das Absetzen ist aufgrund der Unnatürlichkeit der frühen Trennung von der Mutter, der damit verbundenen Futterumstellung, etc. ohnehin eine stressige Phase für ein Fohlen. Da ist es nicht fair nach dem Motto „da muss er durch“ vorzugehen und Mutterstute und Fohlen von einem Tag auf den anderen zu trennen.

Solch ein Vorgehen mag Tradition haben, aber es gibt simple Methoden es allen Beteiligten deutlich leichter zu machen.

Wem die Psyche des Fohlens egal ist, dem kann ich trotzdem gute Argumente liefern: Niedrigere Stresspegel bedeuten weniger Substanzverlust, geringeres Risiko von Magengeschwüren und unerwünschten Spätfolgen wie Koppen, Weben, Boxenlaufen.

Da lohnt es sich Alternativen in Erwägung zu ziehen! Tatsächlich kann es problemlos gelingen Fohlen Schritt für Schritt von ihrer Mutter zu trennen, ohne dass bei der endgültigen Trennung auch nur ein Protest-Wiehern ertönt.

Der Idealfall

Optimal ist der Erhalt der gewohnten Herdenstruktur für das Fohlen durch die schrittweise Entfernung der einzelnen Mutterstuten. Dies erfolgt einzeln bzw. wenn die Herde größer ist auch zu zweit, sortiert nach denjenigen Stuten mit den ältesten Fohlen bei Fuß, die mindestens 6 Monate alt sein sollten.

Die Fohlen bleiben im gewohnten Umfeld und finden Sicherheit in der Herde, bis sie zuletzt gewissermaßen gemeinsam alleine sind. Im Idealfall verbleiben eine oder mehrere ältere Stuten als „Babysitter“ dabei, denn sie sorgen für eine gewohnte Herdenstruktur, bieten Schutz und Erziehung gleichermaßen.

Es gibt kein Pauschalurteil wie lange die Trennung erfolgen sollte, um nachhaltig zu sein. Manche Fohlen brauchen nur 1-3 Nächte getrennt von ihrer Mutter zu verbringen, um sich ganz entspannt von alleine abzusetzen und sichtbar mehr Selbstständigkeit zu entwickeln.

Manche bleiben nur dann ruhig, wenn sie noch in Sichtkontakt zu ihrer Mutter stehen, auch wenn sie z.B. aufgrund eines Zauns nicht in ihre unmittelbare Nähe kommen können, andere werden erst ruhig, wenn sie keine Antwort mehr von der eigenen Mutter erhalten. Mehr als eine Woche hat keins meiner Fohlen benötigt, um die Trennung von der Mutter zu akzeptieren.

Alles was Stress auslöst, gilt es in dieser Zeit zu vermeiden und nur ein Level an Trennung zu verlangen, womit das Fohlen ohne Anzeichen von Stress (pausenloses Gewieher, umherrennen, Schweißbildung) umgehen kann. Meist dauert es in meiner Erfahrung nur wenige Tage, bis das Fohlen sich in die neue Situation fügt. Manche Absetzer suchen bereits vom ersten Tag nicht mehr den Kontakt zur Mutterstute, andere wirken verunsichert und suchen den nahen Kontakt zu anderen Pferden.

Natürlich gibt es Fohlen, die könnte man aufgrund ihrer ausgeprägten Selbstständigkeit auch schon früher ohne Skrupel von der Mutter trennen, weil sie ohnehin kaum noch Kontakt zu ihr suchen. Andere brauchen länger, um sich von der Mutterstute abzunabeln. Jedes Fohlen sollte die Zeit bekommen, die es braucht.

Wie macht die Natur das mit dem Absetzen?

Das Konzept Absetzer in der durch Züchter üblicherweise praktizierten Form ist absolut unnatürlich und verfrüht. In freier Wildbahn wird die Mutterstute ihrem Fohlen erlauben wesentlich länger bei ihr zu bleiben.

Die höhere Selbstständigkeit des Fohlen ergibt sich meist von alleine im Alter von 8-10 Monaten. Die tragende Mutterstute wird das Fohlen erst abweisen, wenn sie hochtragend ist oder ein neues Fohlen führt. Je nach Charakter und Duldsamkeit der Mutterstute wird sie eventuell sogar in enger Bindung zu ihrem Fohlen verbleiben. Das ist deutlich später als ein Absetzer mit 6 Monaten, wie es in den meisten Züchterställen gehandhabt wird.

Notwendigkeit aufgrund des Stall-Managements

Die Notwendigkeit Hengstfohlen in Zuchtbetrieben von den Mutterstuten zu trennen, macht diesen Einschnitt in der modernen Sportpferdezucht notwendig.

Aber das sind menschliche Maßstäbe. Eigentlich ist es so vorgesehen, dass das Fohlen von alleine an Selbstständigkeit gewinnt und von alleine abwandert. Oder aber sich langsam aber sicher mit seiner Anhänglichkeit bei der Mutter unbeliebt macht. Da gibt es keine drastischen Einschnitte von einem Tag auf den anderen. Der Tod der Mutterstute kann zwar im Einzelfall für eine plötzliche Trennung sorgen, aber dies ist zumindest ein traumatisches Erlebnis und für ein junges Fohlen in freier Wildbahn ein Todesurteil.

Also wozu die Eile?

Gerade Stutfohlen dürfen gern länger als 6 Monate bei den Müttern bleiben, solange der Platz es zulässt und das Zusammenleben harmonisch verläuft. Diese weitere Bindung schadet auf keinen Fall.

Probleme bei der Durchführbarkeit

Viele Züchter klagen über einen Mangel an freien Boxen oder über andere Gründe, die eine schrittweise Trennung erschweren.

Es braucht aber nicht viel Platz, um ein Fohlen schrittweise auf die Entwöhnung von der Mutter vorzubereiten. Für den Anfang reicht zum Beispiel eine Nachbarbox, wo das Fohlen noch Sicht- und Körperkontakt hat. Hier kann es die ersten Nächte getrennt von der Mutter verbringen. Noch angenehmer ist es, wenn der Absetzer dort mit anderen Fohlen gemeinsam steht, damit er nicht alleine ist.

Wenn keine zusätzliche Box frei ist, habe ich schon Absetzer zu einer nicht fohlenführenden, vertrauten(!) Fohlentante in eine große(!) Box gestellt. Das war immer problemlos und für die Fohlen weniger traumatisch, als ganz alleine zu sein.

Eine andere Variante ist das Fohlen grundsätzlich unabhängiger von seiner Mutter zu machen. Dies kann durch stundenweise Trennung von der Mutterstute erfolgen (optimalerweise vorerst in Sichtweite). Das kann in den Tagesablauf integriert werden, wenn die Stute zum Reiten/ Putzen gebraucht wird, oder  bewusster geübt werden. Die Geborgenheit der vertrauten Herde bleibt, weswegen 2-3 Monate alte Fohlen sich nach anfänglichem Protest nicht übermäßig aufregen. Ein solcher Absetzer findet sich viel schneller allein zurecht.

Gut sozialisierte Stuten („Fohlentanten“) in der Herde übernehmen ganz selbstverständlich die Beaufsichtigung des Fohlens während der Abwesenheit der Mutterstute. Die Herde bleibt ruhig und das Fohlen lernt die Abwesenheit der Mutter für ein paar Stunden zu akzeptieren.

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