Futtermittelkunde Schwarzhafer

Futtermittelkunde: Hafer, Gerste & Mais

Dieser Einblick in die Futtermittelkunde soll Futtermittel vorstellen, die in der Pferdefütterung besonders verbreitet sind. Deren Vorzüge, aber auch weniger vorteilhafte Eigenschaften, sollen hier kompakt dargestellt werden.

Warum damit beschäftigen?

Eine Mischung aus Interesse an sinnvollen Zutaten, die Fähigkeit Beipackzettel zu lesen, gemischt mit viel Forschergeist und wohl auch ein klein wenig Geiz haben dazu geführt, dass ich mir mein Pferdefutter seit ein paar Jahren selber mische. Aus den Anforderungen der Praxis haben sich manche Komponenten bewährt. Mit meinem „back to basics“ Ansatz möchte ich den Futterwert der Einzelkomponenten in den Vordergrund rücken.

Ich beschränke mich hier auf die häufig anzutreffenden Komponenten: Hafer, Gerste und Mais.

Hafer: Der Klassiker aus gutem Grund

Wenn man die Pros und Contras von verschiedenen Getreidesorten aufgrund von Verdaulichkeit und Wertigkeit objektiv vergleicht, muss für die Pferdefütterung der Hafer die logische Schlussfolgerung sein.

Hafer ist schon von der Form und Beschaffenheit her ideal als Pferdefutter geeignet. Haferkörner können von einem gesunden Pferdegebiss zermahlen werden und durch den hohen Spelzenanteil beim Kauen besser eingespeichelt. Dafür muss Hafer (im Gegensatz zu Gerste oder Mais) nicht einmal gequetscht, gewalzt, gepoppt, geschrotet oder sonst wie aufbereitet werden. Auch unbehandelt wird über 80% der Stärke im Hafer bis zum Ende des Dünndarms verdaut. Gerade dies ist der Hauptgrund für die hohe Verdaulichkeit des Hafers im Vergleich zu anderen Getreidesorten.

Bei der Fütterung von Gerste oder Mais gelangt wesentlich mehr unverdaute Stärke in den Dickdarm. Dies hat eine Vermehrung von Mikroorganismen und die Übersäuerung des Dickdarms bei hoher Belastung für die Leber zur Folge. Diesem Effekt kann man mit viel Raufutter ein klein wenig entgegenwirken.

Hafer liefert hochverdauliche Energie, die schnell in den Stoffwechsel eintritt. Deswegen sind Pferde mit Haferfütterung spritzig und leistungsbereit. Muss ein Pferd krankheitsbedingt geschont werden, oder wird nur wenig geritten, sollte man statt viel Getreide ohnehin lieber große Mengen Raufutter anbieten.

Bemerkenswert beim Hafer ist der hohe Anteil an ungesättigten Fettsäuren. Hafer enthält fast doppelt so viele essentielle Aminosäuren wie Gerste und Mais. Die vielen ungesättigten Fettsäuren sorgen für ein glänzendes Fell. Die Schleimstoffe im Hafer haben eine positive Auswirkung auf den Stoffwechsel und die Verdauung. Weiterhin sind viel Magnesium, Eisen, sowie Vitamin K und Biotin enthalten.

Aber Hafer hat wie andere Getreidesorten auch Schwächen: Das enge Calcium-Phosphor-Verhältnis sorgt für einen Mangel an Kalzium und den fettlöslichen Vitaminen A und D. Eine reine Heu/ Hafer-Fütterung ohne Ausgleich durch ein geeignetes Mineralfutter ist daher nicht empfehlenswert.

In welcher Form gibt man Hafer?

Der Vorteil von gequetschtem Hafer gegenüber dem ganzen Korn wird oft überbewertet. Auch als ganzes Korn ist der Hafer eine hochwertige Energiequelle. Die Verdaulichkeit von ganzem Hafer liegt bei über 80% und nimmt durch Quetschung nur um etwa 2-5% zu. Ungequetschter Hafer muss vom Pferd gründlich gekaut werden und ist daher für ältere Pferde mit Zahnproblemen unabgebracht.

Die deutlich längere Haltbarkeit und die bessere Kautätigkeit sprechen für die Verwendung von ganzem Hafer. Gequetschter Hafer kann noch einfacher verdaut werden, ist aber sehr anfällig für Verderb und Pilzbefall. Daher sollte man Quetschhafer möglichst noch am selben Tag verfüttern und darf ihn nicht länger als 3 Tage lagern.

Bei der Qualitätsbeurteilung des Hafers gilt es genau hinzusehen. Es ist zweckmäßig mehrfach gereinigte Haferkörner zu wählen, deren Staubgehalt deutlich reduziert ist. Der häufigste Grund für „Haferunverträglichkeit“ liegt gar nicht am Hafer selbst, sondern dem Vorhandensein am Staubgehalt, Schimmel oder Futtermilben. Eine Qualitätsprüfung mit allen Sinnen ist daher unerlässlich beim Kauf von Hafer.

Wie viel Hafer ist gut?

Die Fütterung der Pferde sollte im Idealfall nicht nach Volumen, sondern Gewicht erfolgen, damit Qualitätsunterschiede des Korns ausgeglichen werden können.

Mash

Wegen der leichten Verdaulichkeit und den Schleimstoffen darf Hafer ebenso wie Leinsamen in keiner Mash-Zubereitung fehlen. Diese Zubereitung wird von vielen Pferdehaltern aufopferungsvoll im Winter den Pferden als warme Mahlzeit präsentiert. Notwendig ist dies bei einem gesunden Pferd nicht, wegen den gesunden Zutaten macht man damit aber auch nichts falsch. Absolut überzeugend ist Mash als schonende erste Mahlzeit, z.B. nach einer Kolik oder Fohlengeburt.

Rezept für Mash: 250g gequetschter Hafer, 200g Weizenkleie, 100g gelber Leinsamen und 1 TL Salz mit kochendem Wasser zur gewünschten Konsistenz vermengen.

Gerste: Universalfutter mit ruhiger Energie

Ein ganzes Gerstenkorn ist sehr hart und von Pferden nur schlecht zu verwerten. Die Verdaulichkeit des ganzen Korns liegt teilweise nur bei 20%. Das ist insbesondere für Jungpferde und ältere Pferde nicht empfehlenswert. Daher sollte Gerste für die Pferdefütterung nur in aufgeschlossener Form (also geflockt, gepoppt oder gequetscht) gekauft werden, was die Verdaulichkeit um etwa 15% verbessert. Anders als beim Hafer gibt es bei der Gerste im gequetschten Zustand weniger Probleme mit der Lagerfähigkeit.

Gerste ist bei gemischten Populationen in Pensions-Betrieben oft anzutreffen, denn sie wird von verschiedenen Pferdetypen gut vertragen. Allerdings scheinen gerade die sogenannten Südpferde (Englisches Vollblut, Araber, Berber, Warmblüter, Quarter, PRE) besonders von der Fütterung mit Gerste zu profitieren. Das erklärt wohl, warum sich Gerste im Orient als Pferdefutter erster Wahl durchsetzte.

Wie viel Gerste ist gut?

Gerste ist in aufgeschlossener Form sehr energiereich, allerdings fließt diese Energie langsamer in den Stoffwechsel des Pferdes ein als beim Hafer oder Mais. Gerste gilt daher als besonders gut verträglich für verschiedenste Pferde. Außerdem füttern 900 Gramm Gerste ein Pferd wie 1 kg Hafer, was dazu führt, dass mit der Gerstefütterung Kosten und Lagerraum einspart werden können.

Trotzdem ist Gerste als alleiniges Kraftfutter für Pferde nicht geeignet, weil der hohe Stärkeanteil und deren Unverdaulichkeit zu Fehlgärungen im Dickdarm führen kann. Der Zusammenhang zwischen Hufrehe und Gerstenfütterung wurde schon vor vielen Jahrhunderten hergestellt und ist heute wissenschaftlich nachweisbar. Der Gersteanteil an der Kraftration sollte 50% nicht übersteigen. Eiweißarme Sorten wie Brauereigerste sind in der Pferdefütterung vorzuziehen.

Gerste hat ein besseres Aminosäuremuster als Hafer, muss aber mit essentiellen Fettsäuren ergänzt werden. Eine Hafer-Gerste-Mischung bietet sich daher an.

Bei ganzer Gerste wird je nach Sorte eine Verdaulichkeit zwischen 20 und 80% angegeben.

Mais: Das Mastfutter zur Substanzerhaltung

Insbesondere in den USA hat Mais wegen dieses hohen Energiegehalts bei niedrigem Eiweißgehalt dieselbe Bedeutung wie bei uns in Europa der Hafer. Mais gilt als Mastfutter, das schnell zu Substanzgewinn führt und ist daher ideal für zu dünne Pferde, oder um bei hoher sportlicher Belastung einem Substanzverlust vorzubeugen. Gerade Hochleistungspferde und Zuchtstuten profitieren von der Maiszufütterung wegen diesem hohen Energiegehalt.

Mais hat einen hohen Anteil an Kohlenhydraten von 70% (im Vergleich zu 45% beim Hafer und 60% bei der Gerste). Außerdem liefert Mais einen hohen Gehalt an Beta-Carotin, und enthält weiterhin Kalzium, Phosphor, Magnesium, Eisen, Kalium, Vitamin E, Fluor, Natrium, Kieselsäure und Selen.

Es gibt bei der Fütterung von Mais reichlich Mankos. Mais ist deswegen mancherorts als Viehfutter verschrien, das in der Pferdefütterung nichts zu suchen hat. Wegen dem hohen Stärkeanteil ist Mais nicht besonders gut verdaulich, die Abbauvorgänge der Stärke im Dickdarm können für Übersäuerung sorgen. Weiterhin ist die Proteinqualität geringer als beim Hafer, der Anteil an essentiellen Aminosäuren und Fettsäuren ebenfalls gering. Insbesondere der minimale Kalziumgehalt von Mais (nur 1/3 des bereits zu niedrigen Kalziumanteils im Hafer) muss unbedingt ausgeglichen werden.

Wie viel Mais ist gut?

Mais ist als Grundfuttermittel für Pferde nur in geringen Mengen geeignet. Die harte Struktur des Korns sorgt dafür, dass die Verdaulichkeit etwa bei Bruchmais bei lediglich 30% liegt. Als ganzes Korn kann ein Pferd Mais überhaupt nicht verwerten.

Als Einzelfuttermittel für Pferde wird Mais als Bruchmais oder in Form von Flocken oder hydrothermisch aufbereitet angeboten. Die Fütterung von Maisschrot ist für Pferde bedenklich, weil Schrot enorme Mengen an Getreidestärke liefert, die im Dickdarm für Ärger sorgen.

Man sagt 800 Gramm Mais ersetzen 1 Kilo Hafer. Wegen dem hohen Stärkeanteil sollte bei der Maisfütterung ein Ausgleich durch viel Rohfaser erfolgen.

Robustrassen oder Pferde mit geringer Belastung sollten keinen Mais erhalten. Als Erhaltungsbedarf für normal arbeitende Warmblüter sollte Mais nur einen Anteil von etwa 10% der Ration ausmachen. Bei hoch im Blut stehenden Pferden ist ein Anteil von bis zu 25% der Ration bei leichter bis normaler Arbeit durchaus angebracht. Diesw insbesondere, wenn das Pferd im Winterhalbjahr oder aufgrund hoher Belastung zu Substanzverlust neigt. Hochleistungs-Sportler können dagegen Mais in Mengen bis 1/3 der Kraftfutterration vertragen.

Mein Fazit

Natürlich könnte diese Liste nach Belieben weiter ergänzt werden, denn auch diverse Keimlinge, Samen, Algen oder Kräuter haben ihre Berechtigung in der Pferdefütterung.

Wer mehr zu diesem wichtigen Thema wissen möchte, dem sei mein Ebook „Futtermittelkunde für Pferde – Krippenfutter“ empfohlen.

Weiter mit einem ähnlichen Thema: Den sticht der Hafer! Über Kraftfutter und Händelbarkeit

Veröffentlicht von

Iris Wenzel

Erfolg mit dem Pferd, ohne auf Kosten des Pferdes zu arbeiten - geht das? Natürlich. Wissen ebnet den Weg dorthin. Iris Wenzel züchtet Springpferde für die Sportpferdezucht auf Basis von viel Vollblut, ist Fachbuchautorin und betreibt den Hippothesen Blog aus Freude an Texten, Fotografie und der Liebe zu den Pferden.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.