Dülmener Wildpferd

Kommunikation statt Dominanz – Natural Horsemanship in der Kritik

Die Erziehung des Pferdes funktioniert grundsätzlich über Druck aufbauen und wegnehmen. Der Grad der Härte ist dabei beliebig abstufbar und somit kann die Umsetzung unterschiedlich drastisch wirken. Die Prämisse für Viele: Nur wer Dominanz zeigt oder „Chef“ im Ring ist, kann im Umgang mit Pferden Erfolg haben. Das Durchsetzen eines Anliegens mit aggressiver Körpersprache soll diesen Erfolg bringen.

Lesen Sie weiter, um zu erfahren, was das für Risiken birgt und warum es auch anders geht.

Warum Methoden wie Natural Horsemanship?

Wie kommen die meisten Pferdebesitzer zu Natural Horsemanship oder anderen Gurus? Irgendetwas im Umgang mit dem Pferd klappt nicht so wie es soll. Man sucht nach einer Methode, die das Problem beseitigt. Und dies möglichst schnell, weil so ein Zustand für den Pferdehalter unangenehm ist.

Dominanz-Training oder Natural Horsemanship, es gibt viele Methoden, die mit vergleichbaren Techniken arbeiten. Die Aufforderung an das Pferd lautet: Der Druck wird solange erhöht, bis du weichst! Tu was man dir sagt und man lässt dich in Ruhe. Das Dominanz-Prinzip funktioniert, weil es für das Pferd logisch durchschaubar ist.

Der Charme der Methode ist, dass diese Art der Bodenarbeit Pferde brav und gehorsam macht. Das Pferd ist auch durch einen weniger versierten Pferdebesitzer leicht zu bedienen. Aber ich stelle immer wieder fest, dass selbst bedachte Reiter sich nicht die Frage stellen, warum das System funktioniert? Was macht Natural Horsemanship mit dem Pferd?

Warum funktioniert es?

Angeblich imitiert das Verhalten von Pat Parelli, Monty Roberts (und diverser anderer Gurus) das ranghohe Pferd, das Raum einnimmt und das Weichen von rangniederen Pferden einfordert. Weil sich die Methode am natürlichen Pferdeverhalten orientiert, ist es gewaltfrei und nachvollziehbar für das Pferd. So weit so gut.

Die Ausübung von Dominanz gegenüber dem Pferd steht an zentraler Stelle. Der Mensch nimmt dem Pferd konsequent als Mittel der Machtdemonstration seinen Raum und seine Entscheidungsfreiheit ab. Das ständige Dominanz-Gebahren gegenüber dem Pferd macht auch das wehrhafteste Pferd irgendwann mürbe, weil Gehorsam der einzige Weg ist, sich den menschlichen Forderungen zu entziehen. Auf das Pferd wirken wir dabei wie ein Kontroll-Freak, der ihm keinen Schritt alleine zutraut.

Die Kritik

Ständige Korrekturen des Pferdebesitzers (Beispiel Kopf absenken, Kontrolle über das Blickfeld erlangen) ist viel zerstörender für die Psyche des Pferdes, als sich die Anwender bewusst machen. Es ist streng genommen keine Freiwilligkeit seitens des Pferdes gegeben.

Das perfide dabei: Je mehr Wiederholungen und Konsequenz der Mensch in die immer gleichen Übungen investiert, desto besser klappt es. Denn das Pferd resigniert und befolgt die Übungen vermehrt auch auf feine Hilfen, um einer ansonsten androhenden groben Einwirkung zu entrinnen. Das wirkt kooperativ und durchlässig. Für das Pferd birgt dies ein hohes Maß an Frustration, denn Eigeninitiative ist nicht gefragt.

Auf einer Stufe mit erlernter Hilflosigkeit

Auf mich wirken extrem nach Parelli gearbeitete Pferde regelmäßig wie weggetreten und willenlos. Wie Roboter, die Befehle befolgen. Die Übungen sehen aus wie eine einstudierte Freiheitsdressur, wo das Pferd zum reinen Befehlsempfänger degradiert wird. Die Parallelen sind hoch: Das Mensch studiert ein Programm ein und das Pferd wirkt dabei präzise auf feine Hilfen reagierend, dabei spult es nur eine zuvor einstudierte Abfolge an Kommandos ab. Hier entsteht aber keine echte Verbindung zum Pferd.

Von der zugrunde liegenden Idee ist man nicht viel entfernt von den Prinzipien der Rollkur. Auch hier wird – notfalls mit gewaltsamen Durchgreifen – die absolute Unterordnung des Pferdes als Ziel angestrebt. Das Pferd resigniert und gehorcht als zuverlässigste Methode ständigem Stress durch Korrekturen seitens des Reiters zu entgehen. Monotone Wiederholungen verfestigen die Abfolge und machen dauerhaft willenlos. Das Pferd wehrt sich immer weniger, selbst wenn es massiv bedrängt wird und paradoxerweise sogar, wenn der Druck reduziert wird. Der Grund dafür nennt sich erlernte Hilflosigkeit. Das Pferd weiß, dass es kein Entrinnen gibt. Nicht unbedingt eine positive Grundstimmung.

Wo kommt der gute Ruf her?

Die Arbeit von Parelli und Co. erinnert mich regelmäßig an Unterordnungsübungen im Hundesport. Das hat nichts mehr mit wirklichem Miteinander zu tun, sondern das Pferd wird zum Befehlsempfänger degradiert. Das Ausführen von Übungen nach Schema F ersetzt keine vertrauensvolle Beziehung.

Ich habe den Eindruck diese Methode wird durch die breite Öffentlichkeit wesentlich positiver wahrgenommen, als sie es verdient. Ähnlich wie bei Monty Roberts Join Up Methode wird der publikumswirksam auf den ersten Blick gänzlich gewaltfreie Eindruck erst auf den zweiten Blick getrübt durch die zugrundeliegenden Machtdemonstrationen und den erheblichen psychischen Druck auf das Pferd. Für diesen Einblick braucht es aber relativ viel Hintergrundwissen. Die Anhänger der Methode haben noch nicht erkannt, dass es an dem Element Freiwilligkeit mangelt.

Ein Festhalten des Pferdes durch Halfter oder Zäune führt zu einer gewissen Perspektivlosigkeit, weil dem Pferd die Chance genommen wird, sich effektiv zu widersetzen oder zu entziehen. Das Pferd bekommt keine reale Chance den Forderungen des Menschen zu entgehen und fügt sich. Es wird ihm konsequent abtrainiert seinen Unmut zu äußern, wenn ihm mit zu viel Druck begegnet wird. Wir sehen einen Roboter, der Dienst nach Vorschrift erledigt, keine Freude an seinem Tun hat und sich baldmöglichst von seinem Reiter wieder distanziert.

Was passiert wirklich in der Pferdeherde?

An jeder Stelle, wo es um Ressourcen geht, kommt Rangordnung in der Herde zur Geltung: Wasser, Futter, Unterstand oder grundsätzlich Raum einzunehmen, stehen zuerst dem Ranghohen zu. Für Pferde ist es vollkommen natürlich zu weichen und sich unterzuordnen, sofern sie die Führungsqualitäten eines anderen Pferdes anerkennen. Das stimmt so weit. Das natürliche Herdenverhalten der Pferde ist aber auch sehr komplex. Es wäre oberflächlich, einzelne Elemente des Pferdeverhaltens abzukupfern und zu meinen, damit automatisch pferdegerecht vorzugehen.

Was macht Führungsqualität aus Pferdeperspektive aus? Erfahrung, Souveränität, mentale Stärke, körperliche Unversehrtheit und der Wille sich durchzusetzen entscheiden über eine Führungsposition. Pferde unterhalten untereinander eine Art Ehrenkodex, nach dessen Verhaltensgrundregeln agiert wird.

Die natürlich Herdenstruktur ist vielschichtig

Rangniedrige Pferde haben in der Herde immer die Option, sich der direkten Konfrontation durch ein ranghöheres Pferd durch Distanz zu entziehen. Ist der Druck eines anderen Pferdes zu hoch, weicht das rangniedrige Pferd aus. Ein Entziehen ist für das Pferd durch Flucht immer möglich. Ganz anders ist es, wenn man nach Dominanz-Prinzipen auf sein Pferd einwirkt.

Es gibt in gewachsenen Herdenstrukturen auch keine so klare Hierarchie, die niemals untergraben wird, wie uns diese simplen Methoden glauben machen wollen. Pferde setzen sich mal mehr und weniger stark durch, je nachdem wie wichtig ihnen das Ergebnis in diesem Moment ist. Sie pflegen Freundschaften außerhalb einer klaren Hierarchie und lassen Ausnahmeregelungen untereinander durchaus zu. Damit sind Pferde sozialer, als wir Reiter es ihnen zutrauen. (Das hat z.B. Wildpferde-Filmer Marc Lubetzki in seinem Artikel über Rangordnung schön erklärt.) Nachfolgend ein paar Beispiele von Sportpferden.

Reale Praxis-Beispiele

Wenn Pferd A, B, C und D eine Rangfolge bilden und Pferd A und D gut befreundet sind, kann es durchaus vorkommen, dass Pferd seinen Kumpel Pferd A vom Wasser wegdrängt und dieses Pferd es gewähren lässt, obwohl das selbe Pferd D gegenüber B und C niemals so rüpelig vorgehen dürfte. Pferd D steht auch oft im Beisein von Pferd A unter dessen besonderen Schutz, selbst wenn es in der Herde wieder durchgereicht wird, sobald Pferd A nicht anwesend ist.

Eine rangniedrige Stute mit einem jungen Fohlen bei Fuß wird vehement den Raum um ihr schlafendes Fohlen gegenüber anderen Pferden verteidigen. Die ranghöheren Herdemitglieder werden sie gewähren lassen, weil es ihr gutes Recht ist, ihren Nachwuchs schützen zu wollen.

„Dominante“ Pferde, die andere Pferde in der Gruppe ohne Unterlass schikanieren, sind nicht ranghoch, sondern gestört. Solche Tyrannen werden von den anderen Pferden gemieden und nicht respektiert. Nicht jede Pferdeherde hat ein ranghohes Pferd mit echten Führungsqualitäten an der Spitze, nur weil dies am durchsetzungsfreudigsten ist. Auch in der Pferdeherde gibt es ungeeignete Führungspersönlichkeiten.

Wie sieht Kommunikation beim Pferd aus?

Das Pferd sendet in einer Herdenstruktur zuerst subtile Signale, die wahrzunehmen sich der Mensch abgewöhnt hat. Über Körperspannung, Augenausdruck, Nüstern kräuseln, leichtes Zucken in Ohren oder Schweif, hat das Pferd viele Möglichkeiten, sich verständlich zu machen, bevor es sich überhaupt in Bewegung setzt. Eine handfeste Drohung mit angelegten Ohren ist bereits eine höhere Eskalationsstufe.

Das Problem ist, der Dialog zwischen Pferden findet wesentlich feinsinniger statt, als der durchschnittliche Pferdehalter in der Lage ist wahrzunehmen. Wirklich souveräne Herdenchefs haben es nicht nötig, mehr als minimale Gesten zu zeigen und werden nur im Extremfall echte Attacken starten. Daher verpassen viele Menschen die feinen Gesten unserer Pferde und neigen dazu, das Verhalten falsch zu interpretieren.

So entsteht eine fehlerhafte Wahrnehmung von sozialer Kompetenz. Kommt ein neues Pferd in eine bestehende Herde, so werden Pferde, die eine große Show veranstalten und deutliche Drohgebärden zeigen, oft als ranghoch erlebt. Das ist falsch, dieses Pferd hat durch Neuankömmlinge am meisten zu verlieren und verliert die Nerven. Es handelt sich – entgegen landläufiger Meinung – um rangniedrige, unsichere Pferde!

Kann ein Mensch Signale eines Pferdes kopieren?

Ein Mensch kann rein durch die unterschiedlichen körperlichen Voraussetzungen schlecht eins zu eins dieselben Signale senden wie ein Pferd. Dem Pferd liegen intuitiv bestimmte Signale näher. Aber ein Pferd kann unterscheiden zwischen Mensch und Pferd. Auch wenn ihm das equine Verhaltensrepertoire erstmal näher liegt, ist ein Pferd durchaus in der Lage, die menschliche Körpersprache zu lesen und darauf passende Reaktionen zu entwickeln. Ein Mensch braucht nicht so tun, als ob er ein Pferd wäre.

Als soziales Herdentier macht es für das Pferd intuitiv Sinn, sich dem mental Überlegenen anzuschließen. Ein Pferd fühlt sich in dieser untergeordneten Position sicher und zufrieden. Ein Pferd hat daher das grundlegende Bedürfnis dem Menschen zu folgen, sofern es dessen Führungsqualitäten anerkennt. Das äußert sich darin, dass es seinem Menschen frei folgt und versuchen wird alles in seiner Gegenwart richtig zu machen.

Pferde sind von Natur aus als Herdentiere unglaublich kooperativ. Dies auch (oder gerade) wenn man nicht ständig Dominanz-Übungen mit ihnen macht.

Souveränität strahlt ein Pferdebesitzer dann aus, wenn er sich selbst sicher ist, dass er das Geforderte umsetzen kann. Daher gibt es genug Pferdemenschen, die nie von den 7 Spielen gehört haben und sich aus ihrer intuitiven Selbstsicherheit heraus dennoch für das Pferd als Führungsperson anbieten. Das ständige Demonstrieren von Dominanz und Unterdrückung kratzt an der Würde des Pferdes und hat keinen Platz in einer gesunden Mensch-Pferd Beziehung.

Kommunikation statt Dominanz

Dies ist ein Plädoyer für mehr Achtsamkeit im Umgang mit dem Pferd statt steten Gehorsam zu fordern.

Wichtig ist nicht so sehr, dass man viel Zeit mit Training verbringt oder was man genau mit dem Pferd macht. Viel wichtiger ist, dass eine echte Beziehung daraus entsteht und der Charakter des Pferdes erkannt wird.

Es gibt viele Menschen, die ihr ganzes Leben mit Pferden verbringen und trotzdem keinen Zugang zu ihnen finden. Dies zumeist nicht aus Böswilligkeit, sondern schlicht Ignoranz. Keine menschliche Anleitung wird das Gefühl für ein Pferd je ersetzen können.

Als augenscheinlich intelligentes Wesen ist es uns als Mensch durchaus möglich, das Pferd entscheiden zu lassen, ob es in einen Dialog mit uns treten möchte. Dazu gehört auch ein „nein“ zu akzeptieren, beziehungsweise darüber nachdenken, warum es zu einer Verweigerungshaltung seitens des Pferdes kommt.

Meine persönliche Meinung

Ich glaube, Dominanz ist das am meisten bemühte Schlagwort, wenn es zu Konflikten zwischen Mensch und Pferd kommt. Gänzlich zu Unrecht, wie ich meine. Die wenigsten Pferde sind charakterlich wirklich so aufmüpfig, wie man ihnen unterstellt. Im Gegenteil, sie würden sich jederzeit und gerne fügen, wenn sie den Eindruck hätten, Jemand anderes hätte die Situation im Griff.

Beim PC sagt man gern, das Problem sitzt meist vor dem Computer. Das Problem, beziehungsweise das schwächste Glied in einem Mensch-Pferd Konflikt, ist gleichermaßen im Regelfall der Mensch.

Ein Pferd ist nicht schwierig, weil Menschen Probleme mit seinem Verhalten haben. Hier wird in meinen Augen viel zu oft das Pferd aus Unwissenheit zum Problempferd erklärt, statt sich mit den Ursachen für sein „Fehlverhalten“ zu beschäftigen. Ein Pferd reagiert auf und spiegelt das Verhalten des Menschen, der mit ihm arbeitet. Der Pferdebesitzer ist somit im Regelfall Teil des Problems und muss zur Lösung beitragen. Nicht indem er penetrant Macht demonstriert, sondern indem er sich überlegen verhält.

Ich gebe zu, ich habe ein Faible für schwierige Pferde. Die lassen sich solch eine Behandlung schlicht nicht gefallen. Aber heißt das wirklich im Umgang angenehmere Pferde müssten weniger respektvoll behandelt werden?

87 Gedanken zu „Kommunikation statt Dominanz – Natural Horsemanship in der Kritik“

  1. Unglaublich! Du spricht mir so aus der Seele.
    Unabhängig von diesem Text, habe ich fast die gleichen Worte benutzt, bei einem Gespräch mit einer Pferde Freundin.
    Danke für diese tollen Zeilen.

      1. Das ist ein sehr guter Artikel. Ich sehe das genauso wie du, verstehen aber viele noch nicht, weil diverse Trainingsmethoden Gang und Gebe sind. Deshalb ist es an der Zeit die Menschen charismatisch eine anderen Weg zu zeigen und zum Glück, gibt es schon viele andersdenkende Trainer und Pferdebesitzer.

      2. Sehr schön geschrieben, liebe Iris Wenzel.
        Du sprichst mir als Ausbilderin in der Reitkunst (Légèreté nach Baucher/Racinet) voll aus der Seele.
        Ich selbst arbeite frei nach Pignon und Luego.
        Ein Honza Blaha Kurs, bei dem ich anwesend war, schockte mich zu tiefst.
        Kopf und Hals mußten dort z.B. als angeblich entspannendes merkmal am Pferd herunter, in die Tiefe.
        Die Pferde taten dies keineswegs freiwillig, sofern es ihnen nicht bereits mit Nachdruck (ich schreibe mal vorsichtig nur Nachdruck und nicht das, was er tat, um es bei sich widersetzenden Tieren praktizierte). Es war fürchterlich mit anzusehen und die Leute klatschten.
        Nimmt ein Pferd den Kopf freiwillig bei uns herunter, (unten sieht es nicht den vollen Radius, der oben für alles im Blich haben dient, also keine Position für das Tier, um sofort Gefahr wittern zu können und loszulaufen), so zeugt es von Vertrauen uns gegenüber. Schlage ich (z.B. mit der Gerte auf den Kopf des Pferdes oder drangsaliere es in diese angeblich entspannende tiefe Position), so hat dies nichts mit Entspannung, gar Vertrauen dem Führenden gegenüber zu tun, sondern lediglich mit Unterjochung und Zwang.
        Es gibt leider immer und immer wieder Beispiele dazu, die zeigen, daß der Mensch das Wesen Pferd nicht verstanden hat zu lesen, bzw. schlicht mit Gewalt versucht, sein eigenes nicht Können, (seine eigenen Fehler), zu vertuschen. Fehler, machen wir alle mal, das ist verständlich und menschlich.
        Sie jedoch nicht einzugestehen bzw. sie für schnellen Erfolg und Geld weiter zu praktizieren, das ist etwas anderes und fällt keineswegs unter die Rubrik harmonisch mit Pferden zu arbeiten, sie gar meinen zu verstehen.
        Pferde zu lesen, mit ihnen zu kommunizieren, sei es frei oder mit feinen Hilfen unter dem Sattel, erfordert Lernen ein Leben lang, und das Erkennen lernen von Zwangsmethoden am Tier.
        Liebe Grüße.
        Ein sehr schöner Artikel. 🙂

        1. Herzlichen Dank für diese Einblicke in den Trainingsalltag und die Offenheit diese Probleme anzusprechen. Man muss schon sagen dürfen, dass der Kaiser nackt ist, auch wenn jeder Mensch Momente der Schwäche hat. Ehrlich gesagt glaube ich auch, dass Gewalt immer da beginnt, wo dem Menschen die Argumente ausgehen. In der Reiterei heißt es mitunter kreativ zu werden und sich selbst zu hinterfragen. Wenn das Pferd sich widersetzt, fühlen sich viele Menschen in ihrem Ego verletzt und müssen dann – in scheinbarer Ermangelung von Alternativen – gegenhalten. Ich staune auch immer wieder was für Dingen Menschen bereit sind ihren Applaus zu schenken.

    1. Toller Artikel keine frage!! aber ich denke wir sollten froh sein das sich diese Methoden durchgesetzt haben und unsere Pferde nicht mehr durch die Alte Harte Schule gehen müssen!

      1. Danke für deinen Kommentar. Ehrlich gesagt bin ich mir nicht sicher was besser ist. Denn wenn ich mir z.B. bei Youtube Menschen ansehe, die mit großer Freude bei Horsemanship Workshops mit Stricken auf Pferde eindreschen und sich freuen, dass es so gut klappt mit dem Weichen ihres Pferdes bin ich nicht sicher, ob da mehr Empathie vorherrscht als bei der Alten Schule.

  2. Danke…… Das zeigt mir das ich nicht „verkehrt“mit den Pferden umgehe…… Mein erstes Pferd war von Angst verfolgt……. Ein ganzes Jahr hat es gebraucht bis sie wieder vertrauen hatte, zum Schluss waren wir echte Freunde….. Nun hab ich nach Jahren wieder ein Pferd, vom Fohlen bis zum Jungferd……. Auch dabei wieder die“ Kumpelstrategie“…….klappt super…… Genau wie bei meinen anderen Tieren……. Ein bißchen eigener Charakter zeigt einem auch wie es ihnen geht…….Nichts ist schlimmer als in leere, traurige Augen zu schauen…….. Vor allem wenn man daneben stehen muss und sich die schlauen Sprüche und Kommentare dazu anhören muss wie toll diese Menschen sich dabei fühlen…… „gib dummen Menschen fünf Minuten Macht,in fünf Minuten haben sie alles zerstört“…….Unsicherheit hat mich hier sehr verfolgt, vor allem bei einem so jungen Tier etwas falsch zu machen…….zum Glück hab ich jemanden an meine Seite gefunden die mir sehr dabei geholfen hat mein Pferd nicht zu verkennen…….“viele Köche verderben den Brei“…… Ich habe mein Pferd „erkannt“……..Sie hat ihren Charakter und ist meine Freundin…….

  3. Ich finde Deine Pauschalisierung falsch. Ich kenne viele, die durch Horsemanship ihre Beziehung und ihr Verständnis zum Pferd erlangt haben. Es gibt immer Ausnahmen, die es übertreiben und das Programm abspulen – aber vielen hilft es einfach, um einen gute Partnerschaft zu erreichen, denn darum geht es in diesem „Programm“!!! Meine Pferde arbeite ich nach Parelli, jedes ist anders und nicht alles von Parelli klappt mit jedem gleich – aber keines ist ein Roboter!!! Alle lassen sich fein reiten und zwar ohne Gebiss und SPERRIEMEN sowie ich es auf Deinen Fotos sehen konnte…! Also, bevor Du hier solche Thesen und Behauptungen aufstellst, solltest Du Dich mal mit der Wirkung und der Geschichte dieses „Hilfsmittels“ auseinandersetzen…

    1. Danke auch dir für deine kritischen Worte. In Teilen gebe ich dir recht. Im Prinzip ist es egal, welchen Weg man wählt, um Zugang zu seinem Pferd zu finden. Das kann auch dieser Weg sein, wenn man eine sanfte Variante findet. Das spricht aber für so viel Fingerspitzengefühl gegenüber dem Pferd, das es diese Anleitung vermutlich gar nicht mehr gebraucht hätte zu einer guten Beziehung. Leider erlebe ich in der Praxis viele Menschen, die genau das praktizieren, was ich beschreibe. Das „Programm“ ist genau das Problem. Es muss massentauglich sein und damit notgedrungen vereinfachen, um für viele Menschen anwendbar zu sein.
      Ich glaube nicht, dass die Nutzung von Gebiss und/ oder Sperrriehmen dafür entscheidend ist, wie fein man reitet. So einfach ist es dann doch nicht. Zumal bei mir – anders als weithin anzutreffen – auch immer deutlich zwei Finger Platz bleiben. In Spanien bin ich sogar mal darauf angesprochen worden, ob ich denn nicht gelernt hätte einen Sperrriemen richtig (= zur Verhinderung des Sperrens eines Pferdes) zu nutzen. Das Korrekturpferd, auf dem ich saß, hat seinen „Zungenfehler“ nach wenigen Tagen aufgegeben, gerade weil ich ihm den Raum ließ, seinen Unmut kundzutun. Es ist mir wichtig, dieses Feedback von meinem Pferd zu erhalten. Also auch hier vorsicht vor Pauschalisierungen 🙂

    2. ©ulrike
      Es geht darum, wie man Partnerschaft definiert. Etwas salop formuliert: Willst du einen Untergebenen oder einen Mitarbeiter. Parelli ist für mich über weite Strecken Kadavergehorsam – es mag Menschen geben, die das angemessen einsetzen – aber es gibt zu viele die ihm unreflektiert nacheifern. Ich kann so ganz feine Äusserungen meines Pferdes nicht immer deuten – aber einen guten Vorschlag zu einer Problemlösung von seiner Seite nehme ich gerne an.
      Pferde lassen sich auf verschiedene Art fein reiten – und alle Methoden können auch brutal angewendet werden. Gebisslos ist kein Garant für pferdegerechtes Reiten…
      Liebe Grüsse
      Anja

    3. Ich kann dir da nur beipflichten. Ich habe erst durch Parelli Arbeit verstanden das nur eine Partnerschaft mit dem Pferd eine sinnvolle Arbeit zulässt. Nicht pure Dominanz. Das es immer Leute gibt die etwas übertreiben ist ja auch in jeder Ausbildungsform klar. Und wenn Pferde anfangen etwas unbeteiligt abzuspulen ist der Punkt überall überschritten. Ob Zirkuslektion, Dressur oder nhs.

      1. Ich stimme zu, dass jede Methode falsch angewandt werden kann, egal um welchen Lehrmeister es sich handelt. Dennoch gibt dies auch zuverlässig Auskunft darüber, wo die Schwächen dieser Methode sind.

  4. Ich finde es halt komisch, dass in der „Arbeit“ mit Pferden immer so viele Vorurteile bestehen. Für mich hat das Parelli System viel gebracht, ich hatte ein sehr schwieriges Pferd und habe viel ausprobiert und für uns hat die Parelli Arbeit funktioniert. Mein Jungpferd wurde mit Parelli gestartet und ich sehe den Erfolg täglich – wenn ich nur in Richtung des Round Pens gehe, ist sie schon an meiner Seite und wenn sie sich das Knotenhalfter selber knoten könnte, würde sie das tun. Ich bin kein Verfechter dieses Systems, und ich habe auch schon viel gesehen, was mir nicht gefällt! Aber das liegt halt am Menschen, ob er Pferdeverstand hat oder nicht! Viele sollten sich lieber einen Hamster zulegen, sowohl unter denParelli Leuten als auch sonst! Denn noch schlimmere Dinge sehe ich außerhalb des Parelli Systems, darum finde ich das „Parelli-Bashing“ doof.
    Und noch eine Frage zum Sperriemen – wenn Du ihn also nicht „korrekt“ verschnürrst…wieso lässt Du ihn dann nicht einfach weg? 🙂
    Also, in diesem Sinne…keep it natural!

    1. Meine eigenen Pferde reite ich im Regelfall tatsächlich ohne Sperrriemen, weil der obsolet ist. Mein klassisches Zaumzeug behalte ich bei, weil sich noch kein Pferd darüber beschwert hat. Im Regelfall wird man selbst von den Remonten mit Trense in der Hand nach kürzester Zeit mit offenem Maul empfangen. Das reicht mir als Feedback. Ehrlich gesagt empfinde ich verschiedene gebisslose Varianten als zu schwammig in der Einwirkung, als dass feines Reiten damit möglich wird. Ab Seitengänge aufwärts ist dann Schluss. Die Kandare ist auch ursprünglich mal zur Verfeinerung der Hilfengebung erdacht worden, dem werden nur die meisten Reiter nicht gerecht.

  5. endlich! es sah danach aus, daß das nie begriffen würde. immer nur „reitweise“ und noch eine und noch eine ….

    der subtile Terror der Roberts‘ u.dgl. mag weniger auffällig sein, doch wenn man sich der – zugegeben eher zermürbenden – mühe unterzieht, die Schriften der betr „Gurus“ einmal wirklich zu lesen, wird deren versagen recht schnell offenbar. absurd zum teil, was da als „Erkenntnis“ verbreitet wird. – „wenn dein pferd ’nein‘ sagt, dann hast du die falsche frage gestellt oder die frage falsch gestellt“ – stilblüten dieser art.
    „dominanz“, wenn sie denn wirklich einmal ein pferd auf die probe stellt, wer wollte allen ernstes dem standhalten? solche pferde dann als „schwierig“ abqualifizieren? die simple lösung im hundefutter! so (und zu) viele solcher prachtvollen pferde gehen auf dieses konto.

    „Partner Pferd“ war einmal leitspruch, als Veranstaltungen unter dem motto „Das Pferd muß bleiben“ gegen den untergang der pferde kämpften. erfolgreich.

    und ganz offensichtlich suchen die pferde ihn, aber wo ist er, der „Partner“ ?? wer sich drauf einläßt, mag unvergleichliches erleben …

  6. Liebe Iris, ich gebe dir vollkommen Recht. Bei der Diskussion fehlt mir allerdings der Kontroll-Aspekt. Bei aller Freundschaft zum Pferd muss es in der Erziehung auch darum gehen, dass aus dem 500kg-Freund kein vermenschlichter Pöbel-Teenie wird, der so zur Gefahrenquelle für sich und andere wird. Ist das der Fall, wird das Wort Dominanz gern zum Schutzschild für diejenigen, die eigentlich Angst vor dem Muskelberg Pferd haben und nach einer Bedienungsanleitung für ihre eigene Angst suchen und sie doch nur auf das Pferd projezieren. Auch ich arbeite als Trainer mit verschiedenen Elementen (auch von Parelli) und achte immer auf die Reaktion meines vierbeinigen Schülers. Aber dazu gehört auch eine gesunde Affinität zum Gegenüber Tier und ein Respekt des Seelen- und Gefühlslebens des Pferdes, das manche Menschen einfach nicht mitbringen (auch nicht wollen). Von daher ist Pferdearbeit IMMER auch Menschenarbeit. Manchmal frustrierend aber immer spannend. Und wir reden hier von einem Arbeits- und Ausbildungsniveau, das die Fähigkeiten mancher Reiter (leider) einfach übersteigt. Du plädierst eigentlich dafür, dass die Reiter sich öffnen und zulassen, dass sie von Ihren Pferden gespiegelt werden. Aber viele suchen tatsächlich nur eine Bedienungsanleitung fürs Tier. Von daher glaube ich, dass weniger die Methode falsch ist als die Einstellung des Menschen. Glücklich der Reiter, der bereit ist, mehr an sich und weniger am Pferd zu arbeiten, der findet wirklich das Glück der Erde auf dem Pferderücken!

    1. Danke für diesen Kommentar. Eine zutreffende Beobachtung, die von einer wunderbaren Reflektionsfähigkeit zeugt! Ich persönlich empfinde es als große Bereicherung, den Pferden Raum zu geben sich auszudrücken. Vielleicht ist es zu viel erwartet, dass alle Reiter dieses Ideal verfolgen. Aber zumindest möchte ich zum nachdenken anregen und anmerken, dass es auch anders geht.

      1. Sorry, du hast da etwas falsch verstanden. Gerade NHS ist eben nicht auf „Dominanz“, sondern auf „Partnerschaft“ ausgelegt. Parelli ist ein „Urvater“ von NHS und hat sich, in meinen Augen, mittlerweile selbst überholt. Honza Blaha (der bei ihm gelernt und sich danach selbstständig weiterentwickelt hat) formulierte es mal so: Das ist „horsemanshit“. Über Parelli und Roberts mag man denken, was man will. Aber horsemanship steht für partnerschaftlichen Umgang mit dem Pferd. Wobei der voraussetzt, dass die Rangordnung geklärt ist. Vertrauen setzt voraus, dass das Pferd sich (freiwillig – aus Überzeugung) unterordnet. Das Pferd ist so konzipiert. Es denkt und funktioniert als Herdentier hierarchisch.

        1. Ich verstehe sehr gut was ich beobachte. Leider scheinen wir ein unterschiedliches Konzept der Partnerschaft mit dem Pferd anzustreben. Dennoch danke, dass du dir die Zeit für diesen Kommentar genommen hast.

  7. Lustig finde ich, dass die Pat Parelli die Computer Metapher auch benutzt. Trotzdem finde ich die Kritik nicht ganz standhaft. Es wäre wie wenn man die „modernen englischen Reiter“ mit der klassischen Reitkunst vergleicht. Leider eine schwaches Imitat. So gibt es leider viele die Methoden und Hilfsmittel ausnutzen oder schlecht kopieren. Und das Thema der freien Entscheidung ist doch auch immer wirklich kompliziert: Kein Zaun, kein Halfter, kein Seil und eine Herde als Freunde…wo gibt es das? Vielleicht bei den Mustangs. Sonst gibt es doch immer ein Abhängigkeitsverhältnis auch wenn mit unterschiedlichen Graden…

    1. Das mit dem Zitat ist ja interessant, war mir nicht bewusst! Der moderne englische Reiter entfernt sich auch weit davon, was die FN für moderne Turnierreiter vorsieht. Es menschelt eben sehr. Der Blick über den Tellerrand in die (Wild-) Pferdeherde ist schon sehr lehrreich für einen „Reality-Check“, für das was ein Pferd normal findet. Aber ich stimme zu, dass wir bei den meisten Haltungsbedingungen in einer Übungskünstlichkeit stecken. Danke für deinen Kommentar!

  8. Deine Beschreibung der Parelli Methoe entspricht genau der falschen Anendung des Prinzips. Aus den 7 Spielen resultieren die 7 Torturen, weil der Druck ins unendliche aufgebaut wird, statt den Druck wegzunehmen und neu zu beginnen (wenn ein Pferd nicht antwortet, hast du die Frage falsch gestellt!). Die ständie Wiederholung führt zu Frustration seitens des Pferdes und zu mehr Druck von Seiten des Menschen. Das liegt aber nicht an der Methode, sondern am Anwender! Es ist das gleiche Problem wie mit der Zäumung und der Hundeleine: Das Problem liegt immer und alleine in der Hand und in der Einstellung des Menschen. Und für jede Art des Handlings gilt: Nur perfekte Anwendung führt zum richtigen Ziel. Wenn man falsch rechnet, nützt auch die ganze Überei nichts…das Ergebnis bleibt falsch. Was immer wir tun, wir sollten es mit Gefühl, Verstand , Respekt und vor allem mit Liebe und Verständnis für das Pferd tun. Dann ist die Methode unwichtig und der Weg ist das Ziel.

    1. Bei der Hundeleine bin ich ganz bei dir! Ich sage es aber gern noch einmal: Keine Methode kann Gefühl ersetzen. Und es wird auch immer Individuen geben, die ziemlich viel falsch machen und trotzdem mit dem Ergebnis zufrieden sind. Perfektion führt in meinen Augen eher dazu, dass man sich auf das „richtige“ Ergebnis versteift und allzu ehrgeizig Ziele verfolgt, statt zu gucken, zu reagieren und zu fühlen. Offen für Variationen zu sein und Eigeninitiative zu ermutigen finde ich wesentlich wichtiger als Perfektion. Die stellt sich dann schon ein, wenn die Basis stimmt. Mit deinem letzten Satz bin ich aber wieder 100% einverstanden!

  9. Gut und böse, richtig und falsch – das ewige Methoden-Thema. Zum Glück sind unsere Pferde Individuen, und was für das eine Pferd wunderbar funktioniert, kann beim nächsten schon in die Hose gehen. Pferde sind da doch manchmal wie kleine Kinder: Sie möchten ihren Rahmen kennen, in dem sie sich sicher und entspannt bewegen können. Und dieser Rahmen muss eben bei einem Pferd deutlicher und konsequenter (aber gewaltfrei!), beim anderen sanfter und weniger nachdrücklich gesteckt werden. Ziel ist doch, dass das individuelle Pferd seine Komfortzone in der Menschenwelt, und vor allem an der Seite seines Menschen, findet, wo es sich wohlfühlt. Leider fehlt vielen in der Reiterwelt leider das nötige Feingefühl und Einfühlungsvermögen (und auch Verständnis?) dazu, dies zu erkennen und vor allem auch umzusetzen. Aber mir ist immer noch ein Reiter lieber, der nicht 100% pferfekt (cooler Schreibfehler!) nach Parelli arbeitet (aber dass er überhaupt danach arbeitet, zeigt schon ein erstes Verständnis dafür, wie man besser mit Pferden umgehen kann/soll), als die leider immer noch so weit verbreiteten Reitschulen mit ausgebundenen Schulpferden usw.

    1. Mit dem ersten Teil deiner Antwort kann ich mitgehen, leider verlieren wir uns dann im letzten Satz. Sorry, aber ich möchte nicht zwischen Pest und Cholera wählen, das kann nicht der Anspruch sein. Ich glaube wirklich nicht, dass dies eine gute Art ist mit Pferden umzugehen. Niemand muss perfekt sein. Man kann auch ganz unperfekt und unmethodisch gut zu seinem Pferd sein. Konsequenz im Umgang ist wichtig, aber der schmale Grat zwischen Kulanz und Durchsetzungsvermögen wird nur selten beschritten. Danke für deinen Kommentar.

  10. Respekt gegenüber Pferd und jeglichen Tieren sind Voraussetzung zu gutem Gelingen. Wenn Mensch sich auch noch bemüht die Einzigartigkeit seines Gegenübers zu erkennen und seine Sprache zu verstehen gibt es eine Freundschaft die auch Fehler verzeiht und beiden ein Leben mit viel Freude schenkt !

  11. Pferde sind nicht dazu geboren worden,dass sie in irgendeiner Form geritten werden! Anatomisch gesehen ist das Pferd nicht als Tragtier geeignet,dh .ab auf die Wiese und nur ansehen!
    Nein…jede Art sein Pferd zu bewegen hat sein für und wieder.es gibt im Leben nicht nur schwarz und weiß! Und jetzt eine Diskussion anzuzetteln,was besser ist, sein Pferd jedes we aufs Turnier zu zerren,eine kandare anzulegen oder sein Pferd durch den Parcours zu lenken oder a la horsemanship zu arbeiten…steht niemandem zu,zu urteilen. Ich denke,ein gesundes Bauchgefühl und eine Mischung aus allem und eine Offenheit für Alles ist ein guter Weg…pro Pferd zu arbeiten.

  12. Durch Dein Werten gehe ich davon aus, dass Du Hintergrundwissen hast und auch recherchiert hast, so wie seriöser (Blog) Journalismus es vorsieht.
    Leider beschreibst Du ausschließlich persönliche Wahrnehmungen. Wäre das entsprechende Hintergrundwissen vorhanden, würde es nicht zu dieser verzerrten Darstellung von Parelli Natural Horsemanship kommen.
    Ich kann Dir nur empfehlen, Dir bei einer lizenzierten oder lizenziertem Parelli Instruktor das entsprechende Wissen zu holen, um zu verstehen, dass es um ein partnerschaftliches Miteinander geht in allen Facetten und Bereichen. Es ist keine Trainingsmethode und keine Reitweise, sondern ein Lernprogramm für uns Menschen!
    Wie auch schon der Blogartikel zeigt, kann es passieren, dass die Wahrnehmung eine andere wird. Das ist leider nicht so unüblich, sobald der Mensch involviert ist.
    Als lizenzierte Parelli Instruktorin sehe ich mich als „Paartherapeut“ für die Pferd/ Mensch Beziehung in der es vor allem darum geht, dass wir Menschen an uns arbeiten und nicht am Pferd.
    Ich bin froh, dass ein Teil der Kommentare hier zeigen, dass es durchaus Praxiserfahrung mit Hintergrundwissen gibt und keine Veruteilungen basiert auf Halbwissen.
    Ein kritische Auseinandersetzung ist immer korrekt, dazu gehören aber auch eigene Erfahrungsberichte.
    Da Du in Potsdam bist und somit nicht so weit weg von unserer Anlage wo ich Parelli Natural Horsemanship unterrichte, empfehle ich Dir, meine persönlichen Pferde anzuschauen oder an einem der Kurse teilzunehmen um das entsprechende Hintergrundwissen zu erlangen, bevor Du wertest. Alles Gute und viele Grüße!

    1. Du kannst davon ausgehen, dass ich mich umfassend informiere, bevor ich eine solche Position vertrete. Es liegt mir fern pauschal zu verurteilen und ich versuche aus jeder Sparte der Reiterei das Beste für meinen persönlichen Umgang mit dem Pferd zu finden. Ich fürchte wir haben aber sehr unterschiedliche Vorstellungen davon, was Partnerschaft mit dem Pferd bedeutet. Ich danke dir dennoch für dein Angebot und freue mich, dass du dir die Zeit genommen hast, deinen Standpunkt zu teilen.

    2. Ich lese bis hierhin mit und wollte an sich nichts dazu sagen- aber ich habe das Hintergrundwissen- und in unserem Betrieb ist das „Arbeiten“ nach Parelli streng untersagt und kein Instruktor wird jemals wieder vor unseren Augen ein Pferd mit Seil und Knotenhalfter malträtieren! Das Video, in dem Frau Parelli ein halbblindes Pferd „arbeitet“, hat meine Einschätzung nur noch bestätigt. Ich mache als Reiter bis Grand Prix nicht alles richtig- und bedauere viele Dinge, die ich gemacht habe, weil es reitweisenübergreifend als ok gilt/galt. Fakt ist, dass alles gelingt, wenn man sich Zeit nimmt und sich von positiven Menschen unterstützen lässt. Irgendwelche Kurse mit Levels dienen nur dem Geldbeutel des Ausbilders und der Eitelkeit des Menschen.

  13. Danke für diesen Kommentar, er drückt aus was auch ich mir beim lesen dachte! Liebe Iris, ich finde deine Einstellung toll, und bin auch der Meinung, dass Mensch ins Pferd „hineinhören“ muss um von ihm als ernsthafter Partner anerkannt zu werden.
    Schwierig finde ich deine gleichsetzung von NHT mit Dominanz (Es gibt so viele Richtungen, Facetten die sich unter dem Begriff Natural Hosemanship treffen), und den im Artikel entstehenden Eindruck, dass erlernte Hilflosigkeit quasi an Arbeit nach NHT-Prinzipien gekoppelt ist. Aus meiner Sicht ist es nicht minder eine Form erlernter Hilflosigkeit, wenn jemand Ausbinder nutzt (Pferd lernt die gewünschte Kopf-Hals-Position durch Wiederholung und Verhindern des Entziehens -> Lernt, dass es keinen Ausweg gibt), einen Sattel auflegt (Begeistert ist davon anfangs auch kein Pferd, es lernt aber, je nach Pferd unproblematischer oder widerwilliger, dass es sich dem nicht entziehen kann, da der Sattel festgegurtet ist), eine Art von Zäumung verwendet wird (Pferd lernt ebenfalls dass das Ding da nun halt drauf ist, dass Mensch damit bestimmte Einwirkung X je nach Zäumung hat und diese mit Hilfen Y so lange nutzt, bis Pferd nachgibt) – Kurz um, bei jeder Art von Arbeit mit dem Pferd ist das Ziel, das Pferd Untertan zu machen. Je nach Mensch der dahinter steht wird das Pferd dann halt gewaltsam (psychisch oder physisch) zu bestimmten Dingen gezwungen, bis es sie akzeptiert/resigniert, oder der Mensch setzt seine Hilfsmittel mit Bedacht und Achtung vor dem Pferd als eigenständigem Lebewesen ein, wobei selbst dann ein Machtgefälle nicht ausbleibt. Und das Potential, ein Pferd zum gebrochenen Befehlsempfänger zu machen, steckt in JEDER Reitweise und JEDEM Hilfsmittel. Das hat m.M.n. auch nichts damit zu tun, dass sich Pferde bei entsprechender Führung gerne unterordnen, das mag vielleicht bei reiner Freiarbeit vom Boden relevant sein, aber jede weitere Arbeit hat für das Pferd nichts mit einem herdenähnlichen Sozialgefüge zu tun und besteht somit aus positiv oder negativ bestärkten, erlernten „Kunststücken“.

    Nun im Speziellen zum NHT, natürlich gibt es viel zu viele, die weder den Hintergedanken noch das Konzept an sich, geschweige denn ihre Pferde wirklich verstanden haben. Von totgehorsemanshipten Pferden auf die Methode zu schließen ist aber genauso falsch, wie von gerollkurten Pseudo-Turnier-Freizeithoppas auf die klassische Reitlehre.
    Ich habe auch meine Kritikpunkte am NHT, habe eine Zeit danach gearbeitet und bin inzwischen ganz wo anders angekommen, aber der Grundgedanke hinter dem Konzept (Lerne DEINEN Körper zu beherrschen, bevor du etwas vom Pferd verlangst; Wenn etwas nicht funktioniert, achte auch DICH und deine Signale, vielleicht gibst du sie falsch; Wenn du möchtest dass Pferd in diese Richtung läuft, gebe ein Signal erst durch den Körper -> überprüfe, falls nicht die gewünschte Reaktion kommt, ob DU es dem Pferd unmöglich machst, und denke erst dann an den Stick; und vor allem: dein Pferd WILL tun was du verlangst, DU bist der limitierende Faktor) ist für mich nach wie vor recht zentral.
    Natürlich sehen uns Pferde nicht als Pferde sondern als Menschen, aber es gibt gewisse Artübergreifende Kommunikationsmittel der Körpersprache, die 90% der Menschen erst wieder lernen müssen, da sie in unserer Gesellschaft schon in der frühen Kindheit selten gesehen werden, relevant ist das wsa jemand sagt, nicht was sein Körper sagt.
    Und das den Menschen wieder näher zu bringen, ist ein Ansatz, wie ich ihn in der Praxis selten wie beim NHT erlebt habe. In einer Longenstunde wird man, ist das Pferd zu etwas zäh und kommt nach innen, nur von ausgewählten Trainern zu hören bekommen „Du blockierst ihn mit deiner Schulter, mach ihm den Weg frei, heb dein Brustbein und dein Kinn und fokussiere auf das jeweilige Körperteil, das du gerne weiter außen hättest“ – Viel häufiger wird sein „Der ist grad faul, touchier ihm mal mit der Gerte die Schulter dass sie rausgeht und gib ihm dann von hinten etwas Tempo“ während der Reitschüler in der Mitte steht wie ein nasser Sack.
    Natürlich gibt es auch einen Haufen NHT-Trainer, die nicht mit ersterem reagieren, aber im Durchschnitt ist der Fokus auf sich selbst und den eigen Körper stärker als auf die Hilfsmittel oder aufs Ergebnis, was ich so in anderen Sparten selten erlebe.

    Langer Rede kurzer Sinn, es ist doch wie mit allem, je nach Ausführung ist es gut oder schlecht, jede Sparte hat ihre Stärken und Schwächen, wenn man sich natürlich nur die Schwächen herauspickt, ist jede Art der Reiterei oder Arbeit mit Pferden Tierquälerei. Mein Stütchen ist sicher nicht tot oder unterbuttert, zeigt sehr deutlich was ihr nicht passt und hat trotzdem kein Problem damit, auf Kommando den Kopf zu senken – Im Gegenteil, in einer stressigen Situation ist sie froh über eine Übung die ihr Halt gibt und sie führt sie, sollte es wenn wir unterwegs sind mal irgendwo laut sein weil z.B. ein Zug vorbei fährt, auch von ganz allein aus; Dafür gibts aber auch immer ein Leckerli 😉

    Liebe Grüße

    1. Danke für deinen Hinweis zur Gleichsetzung von Dominanz und NHT, denn so möchte ich es nicht verstanden wissen. Andersherum ist es gedacht; alle Formen der Dominanz ungeachtet des Titels sind fehl am Platze.
      Dein Beispiel mit dem Ausbinder ist absolut richtig, aber „bei jeder Art von Arbeit mit dem Pferd ist das Ziel, das Pferd Untertan zu machen“ diesem Satz muss ich leider entschieden widersprechen: Das Pferd lernt Vertrauen zu fassen und Freude an der Kommunikation mit dem Reiter aufzubauen. Der Sattel, das Zaumzeug sind Utensilien, die es vertrauensvoll duldet. Ich staune immer wieder, wie Remonten es annehmen, was wir mit ihnen vorhaben und auch Korrekturpferde mit böser Vergangenheit sich die Bereitschaft erhalten zu reagieren, wenn man ihnen nur das leiseste Signal sendet das aussagt: Ich bin bei dir, ich achte auf dich, ich interagiere mit dir, ich lasse dich Pferd sein. Und dann darf man auch fordern; weil Pferde gerne über sich selbst hinauswachsen und Freude an körperlicher Arbeit haben. Das klappt vom Boden genau so gut wie im Sattel.
      Nur über konstruktive Kritik, Herausforderung und Auseinandersetzung mit seinen Ideen findet man gänzlich zu seiner Position. Ich danke dir daher für deinen ausführlichen Kommentar!

      1. Liebe Iris, danke dir für deine Stellungnahme, in diesem Falle habe ich dich falsch verstanden und kann dir so nur zustimmen.
        Ich gebe zu, sich Untertan machen klingt sehr hart, es war von mir eher in dem Sinne gemeint, dass unser Ziel immer irgendwo ist, das Pferd zu manipulieren und zu beherrschen.
        Ich bin gänzlich bei dir, ein Pferd kann viel Freude an der Arbeit haben, daran zu lernen, und dies aus freien Stücken zu tun. Mein Pferd ist ein Workaholic und hätte am liebsten Dauerbespaßung, doch gibt es wirklich ein Pferd, das in seinem gesamten Leben nie psychisch oder physisch zu etwas gezwungen wurde? Und wenn es nur festhalten ist, wenn es sich erschreckt? Ich wollte damit nur zum Ausdruck bringen, dass meiner Ansicht nach in allen Hilfsmitteln „zwangspotential“ steckt, in manchen mehr, in manchen weniger, aber am Ende des Tages wird sich selten ein Pferd selbst zum ersten Mal ein Halfter anziehen, und wir Menschen wollen und brauchen immer Kontrolle. Ich sehe es auch nicht als schlimm an, dass wir zu Gunsten dessen, was wir erreichen wollen, Hilfsmittel verwenden und einsetzen, da man eben Pferden damit auch Freude an der Arbeit und Vertrauen geben kann, so lange wir sie so gefühlvoll und dosiert wie möglich einsetzen. Aber auch wenn er viel Spaß daran hat, führst du deinen Partner an einer Leine (Trense), besteht trotzdem ein Machtgefälle.
        Selbst wenn ich mit B+ arbeite ist mein Ziel immer noch, den Charakter eines Pferdes für mich positiv zu verändern. Und je nach Pferd kann ich das mit NHT genauso sanft mit motivierem Pferd wie mit jeder anderen Methode, oder ich kanns halt nicht, aber dann mit keiner.

        Leider schonwieder ein Roman, aber an deinen vorletzten Satz anknüpfend finde ich diese Diskussion sehr spannend, vielen Dank fürs teilen deiner Gedanken!

  14. Miriam Köhl sagt:
    12. September 2017 um 17:26

    Liebe Iris,
    das ist ein heikles Thema, das Du da ansprichst, aber ich finde, dass Du gut herausgearbeitet hast wo der Knackpunkt liegt. Ich suche seit einiger Zeit auch nach den passenden Worten, den Unterschied zwischen Natural Horsemanship und der echten Freiwilligkeit zwischen Mensch und Pferd herauszuarbeiten. Beides sieht für einen Außenstehenden gleichermaßen „toll“ aus.
    Aber es ist definitiv nicht das selbe.
    Leider arten solche Diskussionen oft in Grundsatzdiskussionen aus, die mir dann vorkommen, als hätte man sich einer Religion widersetzt. Daher halte ich mich bei diesem Thema üblicherweise zurück.
    Mir geht es grundlegend um die Frage, ob neue Konditionierungen „installiert“ werden (s. auch Klickertraining, etc.) und ob dadurch überhaupt eine unbelastete, freiwillige Beziehung zwischen Pferd und Mensch entstehen kann. Das sollte grundlegend überdacht werden.
    Angestoßen durch einen Post in facebook bin ich auf Deinen Blog aufmerksam geworden und habe mir Deinen kompletten Artikel aufmerksam durchgelesen.
    Natural Horsemanship hat geschichtlich gesehen seine Daseinsberechtigung , aber wie ich immer sage: es kommt darauf an für welchen Zweck es eingesetzt wird.
    Dass es in der Menschheitsgeschichte notwendig war, dass ein Pferd auch in heiklen Situationen „benutzbar“ blieb (Viehtreiben, etc.), kann ich nachvollziehen. Durch Aneignung der Pferdesprache wurde das ganze wesentlich pferdegerechter.
    Wenn wir Menschen allerdings eine tiefe, ehrliche und vertraute Verbindung mit einem Pferd wachsen lassen möchten, geht das nur über konsequente Achtsamkeit dem Pferd gegenüber und ohne jeglichen Druck. Pferde wollen von Natur aus alles richtig machen, das ist Potenzial genug.
    Hat jemand, der die Technik gut beherrscht tatsächlich Führungsqualitäten?
    Zumal dem Pferd ständig vorgetäuscht wird, man wäre auf einer Kommunikationsebene mit ihm, aber die Kommunikation läuft nur in eine Richtung: vom Mensch zum Pferd. Das Pferd wird häufig nicht (an)gehört.
    Gerade diesen Abschnitt Deines Beitrages kann ich voll und ganz unterschreiben, da ich es bereits mehrfach so erlebt habe:
    „Die Arbeit von Parelli und Co. erinnert mich regelmäßig an Unterordnungsübungen im Hundesport. Das hat nichts mehr mit wirklichem Miteinander zu tun, sondern das Pferd wird zum Befehlsempfänger degradiert. Das Ausführen von Übungen nach Schema F ersetzt keine vertrauensvolle Beziehung.
    Ich habe den Eindruck diese Methode wird durch die breite Öffentlichkeit wesentlich positiver wahrgenommen, als sie es verdient. Ähnlich wie bei Monty Roberts Join Up Methode wird der publikumswirksam auf den ersten Blick gänzlich gewaltfreie Eindruck erst auf den zweiten Blick getrübt durch die zugrundeliegenden Machtdemonstrationen und den erheblichen psychischen Druck auf das Pferd. Für diesen Einblick braucht es aber relativ viel Hintergrundwissen. Die Anhänger der Methode haben noch nicht erkannt, dass es an dem Element Freiwilligkeit mangelt.“
    Nachfolgend möchte ich noch betonen, dass ich keine persönliche Abneigung gegen Pat Parelli als auch Monty Roberts hege. Sie haben maßgeblich dazu beigetragen, dass man sich überhaupt mit der Pferdesprache auseinandersetzt.

    Eine funktionierende Technik, wie Natural Horsemanship vielerseits angewandt wird, passt perfekt in unsere Gesellschaft, wo es immer mehr darum geht zu funktionieren. Wer am besten funktioniert kommt am weitesten. Aber tut unserem Innersten das gut? Ist in so einer Maschinerie freie Entwicklung möglich? Und lässt sich diese Konstellation nicht 1:1 auf das Pferd übertragen?
    Es gibt so viele Lehrmeister, die zu allen möglichen Themen etwas entwickelt haben. Prüfen wir alles achtsam im Bewusstsein unserer Verantwortung.
    Auch auf klare Regeln im Umgang mit Pferden kann nicht verzichtet werden.
    Wer den Unterschied erlebt hat, wie es sich anfühlt, wenn ein Pferd durch „Knöpfchen drücken“ genau das macht, was man selber will oder aber wer erlebt hat, dass das Pferd sich einem freiwillig anschließt und einem schenkt, was man sich von ihm wünscht*, einfach weil es gerne bei einem ist, weiß wovon ich rede.
    Liebe Grüße 🙂

    (*dabei findet eine sehr feine mentale Kommunikation statt)

    1. Sehr wichtig und richtig finde ich deinen Hinweis auf die historische Berechtigung des NHT, diesen Gedanken teile ich. Ebenso finde ich es beachtlich, dass mit diesen Gurus grundsätzliche Fragen zum Umgang mit dem Pferd in eine breite Öffentlichkeit gefunden haben. Das zeigt auch auf, dass andere Systeme Lücken aufweisen, die durch solch eine Entwicklungen gefüllt werden. Der Bedarf ist einfach da. Aber manche Ideen sollte man mehr als Anstoß nehmen für weitere Überlegungen, als sich sklavisch an die Vorgaben des großen Meisters zu halten. Vielen Dank für diesen sehr durchdachten Beitrag, der in vielen Punkten eine wertvolle Ergänzung ist und reichlich Stoff zum nachdenken liefert.

  15. Der Artikel bezieht sich auf „extrem“ nach NH ausgebildete Pferde. Hier gibt es natürlich die unterschiedlichsten Schulen.
    Ich selbst lerne nach der proride-Methode.
    Sehr bedenkenswert finde ich die Überlegung, wie groß der psychische Druck für das Pferd möglicherweise ist. Den Kopf abzusenken schränkt ohne Zweifel das Gesichtsfeld ein, bietet aber auch die Chance der Entspannung beim Pferd. Bei mir hat diese Übung manch schwierige Situation mit meinem Pferd im Gelände entschärft.
    Was ich bei uns im Training nach NH sehe: dem Pferd wird alles erklärt. Es werden immer wieder sofort Belohnungspausen gegeben. Es wird konsequent (nur) das bestätigt, was gewünscht ist, und das andere nicht. Bei vielen Pferden, die gearbeitet werden, habe ich das Gefühl, dass ihnen die Arbeit Freude macht. Sie bleiben noch an der Seite der Trainerin, wenn der Roundpen längst verlassen ist. Und Raum einnehmen bzw. abfragen machen Pferde ununterbrochen untereinander, das kann ich jeden Tag beobachten. Es geht also um eine Kommunikationsform, die ihnen völlig vertraut ist.
    Wer bewegt wen? ist sicherlich die entscheidende Frage im Umgang mit dem Pferd. Beim Reiten wollen wir doch auch Gangart, Richtung und Tempo bestimmen. Wieso nicht vom Boden aus? Für mich sind jedenfalls Siegerinnen bei der WM der Islandpferde, die beim anschließenden Interview ihr hampelndes Pferd kaum bändigen können, nicht überzeugend.
    Auch Reiten funktioniert über Druck und Druckwegnahme. Auch hier zwingen wir die Pferde, sie würden lieber auf die Weide gehen. Beim NH fehlen die Zwangsmittel Sattel, Gebiss, Zügel, die beim Reiten selbstverständlich sind. Man sieht dadurch den Druck vielleicht mehr.
    „Freiwilligkeit“ ist eben im Kontext des Umgangs von Menschen mit Pferden sehr relativ.
    Ich glaube, es kommt immer darauf an, das Pferd nicht zu brechen, seine Arbeitsfreude zu erhalten. Bei beidem – beim Reiten wie beim NH.
    Und sicherlich ist hier die innere Haltung des Menschen entscheidend, seine Bereitschaft, sich selbst immer wieder in Frage zu stellen und an sich zu arbeiten.

    1. Danke für diesen Kommentar, eine sehr treffende Beobachtung! Zum Thema Kopf absenken: Ich habe absolut nichts gegen eine leichte Berührung, die als Signal an das Pferd dient, um ihm zu sagen „du kannst beruhigt sein“ oder „denk darüber nach“. Das Pferd wird auch freiwillig den Kopf senken, wenn es eine solche Pause vom Reiter eingeräumt bekommt. Es wird eine einstudierte Geste jeder Art entsprechend deuten können. Aber muss es der Griff ins Genick sein, mit der implizierten Forderung sich zu unterwerfen? Finde ich nicht ideal und ein Freigeist könnte unnötig contra geben.

  16. Dass Parelli Dominanztraining ist, halte ich aber für ein Gerücht. Es ist genauso wie Du es in Deinem neuesten Artikel beschreibst. Es kann passieren, dass man einmal kurz hart einwirken muss, was bei Parelli Phase 4 genannt wird. Aber in der Regel reicht dieses eine Mal fürs ganze Leben. Ansonsten ist Parelli genau das, was Du machst mit Grundsätzen wie „Kommunikation ist gegenseitig“ oder diese Freiheit auf Ehrenwort-Geschichte. Es gibt bei Parelli ja auch die vier Horsenalitys, wo z.B. beim Left-Brain-Extrovert die Hauptstrategie ist, dass man mal ein bißchen die Kontrolle verlieren muss. Beim gegenteiligen Pferd dem Right-Brain-Introvert soll man ganz viel Zeit geben. So toll ich den neuesten Beitrag fand, aber bei dem hier hast du echt schlecht recherchiert und Dich von Annahmen leiten lassen.

  17. Ist es denn „Freiwilligkeit“, wenn ich mit meinen Ponys in Anlehnung an Parelli spiele, und sie jederzeit einfach auf die Wiese oder sonst wohin gehen könnten, es aber nicht tun? Oder sie sind weggaloppiert und kommen zurück?
    Iris, du kommunizierst doch bestimmt auch immer gleich (also in deiner eigenen Art) mit deinen Pferden. Ist das nicht auch irgendwie „methodisch“? Funktioniert Sprache nicht so? Vokabeln sind nun mal Vokabeln….

    1. Es ist schwierig pauschal aus der Ferne zu beurteilen bis wohin etwas methodisches Vorgehen ist und wo die Abgrenzung zur intuitiven Reaktion beginnt. Da können wir mit Worten viel Einigkeit erziehlen und meinen dennoch etwas ganz anderes, wenn man sieht was damit gemeint ist. Dennoch ein interessanter Denkansatz. Natürlich beruht Körpersprache in Teilen auf „Vokabeln“. Aber wie sagt man so schön; ein echter Pferdemensch sieht das Pferd nicht mit seinen Augen, sondern mit seinem Herzen. Das kann man nicht durch eine Methode lernen, wenn einem das Gefühl fehlt.

  18. Schade, dass du so wenig von Parelli weisst, wissen willst oder verstanden hast. Dominanz ist gar nicht im so genannten Programm thematisiert. Partnerschaft und Kommunikation, verstehen der Persönlichkeit des jeweiligen Pferdes und immer, zu jedem Zeitpunkt , der emotionale und mentale Zustand des Pferdes. Wenn ich lerne das alles zu erkennen, dann resultiert daraus eine feine und gegenseitige respektvolle Verbindung zwischen Pferd und Mensch. Möglicherweise gibt es Pferdeleute, die dieses Feingefühl in die Wiege gelegt bekommen haben. Was spricht aber dagegen, den riesigen Erfahrungsschatz und die Möglichkeiten von Parelli (Und Anderen )zu lernen um eben diese Qualitäten zu erlangen. Intensives Studium und Fortbildungen sind allerdings seeehr hilfreich um tatsächlich immer besser zu werden. Ich mache es seit mehr als 20 Jahren so und bin glücklich damit. Meine Pferde sind weder abgestumpft noch resigniert, sondern ausgeglichen und facettenreich und jeder auf seine Art besonders.

    1. Selbstreflektion und Weiterbildung wünsche ich mir für alle Pferdeleute. Dabei sollte man aber den Weg als Ziel betrachten und vor allem offen bleiben für neues Input. Stillstand ist Rückschritt.
      Ich glaube der Mensch sollte weniger auf Methoden vertrauen statt auf sein Bauchgefühl, weil eine Methode immer einen hoch komplexen Sachverhalt pauschalisiert. Was du beschreibst, die mentale Verbindung und Beobachtung des Pferdes sehe ich bei Parelli Anhängern leider regelmäßig zu kurz kommen.

  19. Sie sprechen mir aus der Seele. So lang wie die Menschen ihre Ignoranz nicht ablegen wird es keine wahre Verbindung zu den Pferden geben. Erst wenn der Mensch wieder in seiner Herzverbindung mit seinem natürlichen Ursprung verbunden ist, wird eine tiefe Verbindung von Herz zu Herz, basierend auf Vertrauen und Respekt, möglich sein. Wer bereit dazu ist kann sich von seinen Pferden dahin führen lassen. ❤

    1. In einem Blog sagt ein Mensch seine Meinung. Es wäre erstaunlich, wenn alle Leser dieses Artikels gleicher Meinung wären. Schade, dass Sie sich nicht die Zeit nehmen, eine nachvollziehbare Argumentation zu formulieren, statt nur Ihren Unmut kundzutun.

  20. Toller Artikel, vielen Dank dafür!
    Ich sehe das genau wie du und bin immer wieder erschüttert wieviel psychische Gewalt die Besitzer ihren Pferden antun und dabei auch noch denken sie täten ihnen etwas Gutes… gebrochene oder rebellische Tiere sind die Folge, die mir in der Seele leid tun 🙁

    1. Danke für diesen netten Kommentar, das freut mich! Ich stimme dir zu, dass viele pferdebegeisterte Menschen Dinge tun, die für Andere nur schwer als Pferdeliebe zu identifizieren sind. Oft aus der Überzeugung heraus es gäbe keine andere Möglichkeit oder dies wäre der beste Weg.

  21. Liebe Iris! Das ist das erste Mal, dass ich auf einen Blogartikel antworte, normalerweise bin ich nur stiller Mitleser, weil ich keinem mein Gedanken aufdrängen möchte. Ich habe allerdings ein paar Fragen an dich: wo arbeitest du mit deinem Pferd? Im eingezäunten Bereich oder auf der Weide?
    Ich selbst habe ein wundervolles, lernbegeistertes Pferd, das für jeden Blödsinn zu haben ist und gerne Freiheiten einberaumt bekommt, die er braucht. Ich habe ihn, seit er 6 Monate alt ist und bilde mir ein, ihn wirklich gut zu kennen, wenngleich ich mich manchmal auch gern überraschen lasse 😉 ich bin allerdings der Meinung, dass es bei der Erziehung eines jungen Pferdes sehr wichtig ist, einen respektvollen Umgang miteinander zu pflegen. Wenn ein junges Pferd meinen Individualabstand nicht respektiert, muss ich ihm deutlich erklären, dass ich das nicht akzeptiere. Wenn nötig, indem ich ihn von meinem Platz/von meiner Linie (beim Führen) verdränge. Wie würdest du das nennen? Respekt einfordern? Ist das nicht auch eine Form von Dominanz? 🙂
    Liebe Grüße

    1. Vielen Dank für deinen Kommentar! Ich freue mich, wenn ich zum nachdenken anregen kann und zum diskutieren anrege. Ich sage gern: Erziehung ist wichtig, aber man darf darüber die Beziehung nicht vergessen. Diese findet in meinen Augen überall statt, egal ob auf der Weide oder im Round Pen. Natürlich muss ein Pferd Grenzen akzeptieren und sich nicht büffelig gegenüber dem Menschen verhalten. Da ich mich meist mit sehr sensiblen Pferden umgebe, habe ich selten das Problem Raum einfordern zu müssen. Sie merken schon mit subtilen Hinweisen, dass es mir unangenehm ist bedrängt zu werden. Ich kann mich auch nicht erinnern, wann mir das letzte Mal eins auf die Füße gestiegen ist – das letzte Mal wo es kurz davor stand, hat mein heftiges Ausatmen in Erwartung des Schmerzes dazu geführt, dass das Pferd den Huf wieder gehoben hat. So fein können Pferde reagieren. Was nicht heißt, das man nicht auch in Situationen kommen kann, wo es wichtig ist klare Fronten zu schaffen. Das möchte ich auch nicht verteufeln, aber der angestrebte Umgang sollte – nach meiner Wahrnehmung – ein anderer sein.

  22. Ich kann das mit der Hierarchie voll bestätigen. Meine (Leit)stut, mit der mein Isi aufgewachsen ist, war unglaublich souverän. Sie hat wirklich schwächere Tiere unter ihre Fittiche genommen.
    Sie hat diese Souveränit meinem Isi mitgegeben. Der regelt die Rangfolge fast unmerklich. Kurzer Schubser mit der Schulter und wenn der ander weicht ist alles geregelt. Oder wenn einer wirklich eine Show abzieht, stellt er sich hin als würde er dösen. Hellwach in den Sinnen, aber die Körperhaltung geballte Lässigkeit. Ich liebe es, Pferde zu beobachten…
    Ich finde aber, dass es nicht nur Parelli Horsemenship gibt. Und man nicht alle Trainer in einen Topf schmeissen darf.
    Ich habe ein durch schlechte Aufzucht komplett traumatisierte Pferd mit einer Trainerin korrigiert, die bei anderen Trainern als Parelli ihr Wissen erlernt hat.
    Man könnte zusehen, wie das Pferd sich körperlich und geistig immer mehr entspannen konnte, weil es in kleinen Schritten erklärt bekam, was man von ihm möchte. Er hst gelernt zuzuhören statt einfach wegzulaufen. Das war keine Arbeit, die auf reiner Dominanz basierte. Und als er nach der Winterpause das Erlernte wieder „abrufbar“ zeigte, war das ein Durchbruch. Dieses Pferd stand vorher so unter Stress, dass es nicht lernen konnte…
    Das war schon eine sehr gute Arbeit, die die Trainerin geleistet hat.

    1. Vielen Dank für diesen Beitrag und die Begeisterung für die feine Beobachtung des Pferdes. Die Lässigen sind die beeindruckendsten Führer in der Herde! Es freut mich zu hören, dass es solche Trainer gibt, die sich Zeit nehmen für das Individuum Pferd, unabhängig der Methode.

  23. Ich selbst arbeite nicht nach Parelli o.ä. aber auch wenn ich den Artikel super finde (weil er den ein oder anderen hoffentlich hinschauen lässt) muss ich gestehen, ich sehe es nur teilweise so wie du.

    Wie überall steht und fällt es mit dem Menschen, der mit dem Pferd arbeitet.

    Beim Natural Horsemenship kann man oberflächlich eine Technik anwenden. Und sie wird funktionieren. Allerdings sieht man dem Pferd auch deutlich an, dass es resigniert beinahe leblos und ohne jegliche Motivation Befehle ausführt.

    Man kann Parelli und Co auch als Möglichkeit nutzen, sein Tun zu hinterfragen. Seine Kommunikation zu verfeinern und schlussendlich eine tiefere Verbindung einzugehen.
    Und auch hier sieht man dem Pferd an, wie gearbeitet wurde.
    Auch hier folgt es der Aufforderung seines Menschen, aber hier hat das Ganze dann einen freudigen und spielerischen Charakter.

    Am Ende zählt, ob das Pferd auch Spaß an der Sache hat. Und das ist auch mit Parelli möglich, wenn der Mensch mit dem Herzen dabei ist.

    1. Vielen Dank für deine Sichtweise, die ich absolut nachvollziehen kann. Dennoch finde ich mit so viel Relativierung kann man im schlechtesten Fall so ziemlich jeden Umgang gutheißen. Jeder Mensch hat schließlich auch gute oder schlechte Tage, geht mal mehr oder weniger reflektiert vor. Im Kern ist es wichtig sein Tun zu beobachten und von den Pferden zu lernen, die sind in meinen Augen die besten Lehrmeister.

  24. Ich melde mich üblicherweise zu den Diskussionen nicht zu Wort. Aber in diesem Fall spricht der Artikel Gedanken aus die ich seit fast zwanzig Jahren im Kopf trage. Damals war Pat Parelli und Co sehr in und ich habe es selbst eine ganze Weile praktiziert und auch unterrichtet, bis meine Pferde und auch meine eigene Entwicklung mich genau auf die im Artikel angesprochenen Erkenntnisse gebracht haben.
    Später habe ich als Reittherapeutin im Umgang mit traumatisierten Kindern und auch bei meiner eigenen Traumatherapie sehr viel über das Thema „Ohnmacht “ erkannt und erfahren.
    Es stimmt das Pferde Klarheit im Umgang benötigen. Alles andere verunsichert sie ja auch. Genau wie bei Kindern.
    Aber um einem anderen Lebewesen Führung zu geben ist es vollkommen unnötig es seiner Selbstwirksamkeit zu berauben und die Kommunikation auf den Emfang von Ansagen zu reduzieren.
    Für mich ist ein schönes Bild des Führung gebens das „positive Mutterfeld“. Damit ist gemeint, dass Menschen – egal ob Babies, Kinder , oder erwachsene Klienten im Prozess des Nachreifens- sich dann entwickeln können, wenn es klare liebevolle Strukturen gibt, innerhalb derer sie explorieren und eigene Erfahrungen sammeln können gedeckt durch die liebevolle unterstützende und mitunter strenge mütterliche Präsenz.
    Nicht anders erlebe ich es bei der Ausbildung von Pferden.
    Sobald sich der Fokus ändert und es nicht mehr um die ängstliche Frage geht, ob ich das Pferd auch beherrschen kann, ob es gehorcht. Sobald die eigene Selbstsicherheit und Selbstgewissheit groß genug ist, um anderen Raum für Entwicklung zu geben, schließt sich jedes Pferd dankbar und freudig an.
    So funktioniert ja auch, wenn es gut gemacht wird, das Coaching mit Pferden für Führungskräfte.
    Ich denke nicht dass es an den einzelnen Übungen liegt, dass immer wieder Missbrauch damit getrieben wird. Es geht vielmehr, wie auch in einigen Kommentaren schon erwähnt um das „Wie“.
    Es ist die innere Haltung die Souveränität und vor allem die tiefe Empathiefähigkeit und hochsensible Wahrnehmung, die einen Menschen zu einem guten Begleiter und Pferdemenschen machen.

  25. Ich muss sagen,dass es eine Zeit gab,da habe ich genauso gedacht wie du.Dann bin ich zu meiner Reitbeteiligung (die nach Parelli gearbeitet wird) gekommen und habe mich eines Besseren belehren lassen.
    Du klingst für mich leider nicht nach jemandem,der jemals in einer Parelli-Übungseinheit mitgewirkt hat (und somit tatsächlich weiß,von was er spricht),sondern eher wie jemand,der einen Haufen Vorurteile hat, gepaart mit Beobachtungen,die leider immer viel Interpretationsspielraum zulassen.
    Warum sonst hast du das Angebot von der Dame weiter oben (mal an einer Übungsstunde bei ihr teilzunehmen und deren Pferde zu begutachten) denn nicht angenommen?!
    Ich jedenfalls spreche aus Erfahrung und bin heute froh,dass ich meine Vorurteile ablegen konnte.

    Ein gutes Argument besteht immer u.a. aus konkreten Beispielen,die eine Behauptung untermauern.Leider fehlt mir das hier ganz.So muss ich zwangsläufig zu der oben beschriebenen Meinung über diesen Artikel kommen.
    „Wer im Glashaus sitzt,sollte nicht mit Steinen werfen.“
    Alles Gute!

    1. Natürlich habe ich mir viele Trainer und ihre Arbeitsweise live, in Buchform und als Video ganz vorurteilsfrei angesehen. Bitte glaube mir, dass es nicht an mangelnder Praxis-Erfahrung liegt, dass ich mit diesen Techniken nicht arbeiten möchte. Schade, wenn ich dir nicht vermitteln konnte, dass Feingefühl und Empathie für mich die richtige Herangehensweise ist. Um diesen Eindruck zu bestätigen reicht vielfach schon ein Blick in die Video-Übungseinheiten der Trainer. Wo man für sich die jeweilige Grenze zieht ist eine höchst persönliche Angelegenheit und ich kann nicht erwarten, dass jeder Leser meine Meinung teilt.

  26. Ich finde diesen Artikel leider ziemlich schlecht. Natürlich gibt es immer jede Menge Leute die eine Methode anwenden wie ein Holzhacker. Keine Frage. Parelli muss man auch nicht mögen (ist für mich auch schon etwas ‚weg‘ von dem was ich heute tue).
    Aber wenn man die Methode kritisiert, dann sollte man sie auch richtig gut kennen.
    Und das scheint mir hier kaum der Fall zu sein.
    Weiß die Verfasserin dass Horse – Man – Ship Pferd und Mensch in einem Boot heißt? Als ich Parelli 1999 kennengelernt habe war der Begriff Dominanz im Horsemanship absolut verpönt.
    Monty Roberts würde man niemals nicht in die Horsemanship Ecke eingliedern schon alleine weil die Ganzheitlichkeit fehlt.
    Und Kommunikation statt Dominanz? Das ist uralt, vielleicht bei Parelli abgeschrieben??

    Die Frage ist nicht ob ich mein Pferd irgendwohin bewegen kann, und wie ich das tue. Sondern WARUM ich das tue (oder nicht tue). DAS sollten sich mal mehr Leute überlegen. Dann kämen sie der Sache mit der Freundschaft mit Pferden schon viel näher.

    Und übrigens: ‚Bodylanguage is universal. ‚ (Zitat Parelli) – natürlich können wir die Sprache der Pferde sprechen und zwar auf dem selben subtilen Niveai wie sie.

    Und die Alternative? Achtsamkeit? Nie schlecht. Sehr modern.
    In meinem Unterricht sind 8 von 10 Schülern extrem gern achtsam sobald sie wissen worauf sie achten sollen.
    Oft sind es genau die selben Leute die lernen müssen Grenzen zu setzen, selbst wenn es für sie und das Pferd gefährlich wird.
    Dieser Artikel kommt 20 Jahre zu spät. Die heutigen Freizeitreiter haben überhaupt kein Achtsamkeitsproblem (wenn auch einen Bedarf). Dafür sehe ICH eine Menge an Leuten die sich hinter diesem Thema verstecken. Da wird dem Pferd jeder Wunsch von den Nüstern abgelesen, aber es wird in Watte gepackt und darf nur noch auf dem Paddock und vielleicht etwas Koppel stehen. Spazierengehen traut man sich schon nicht mehr. Und die Pferde: mögen ihre Menschen. Und ihre Karotten. Das ist schön. Und sind zu Tode gelangweilt. Das ist weniger schön.

    Fazit: Pferde lieben Feinheit, Freundlichkeit, Kommunikation durch Körpersprache und Achtsamkeit. Sie lieben aber auch ‚was erleben‘, Entwicklung und Herausforderung.

    Wenn man es schafft das in Einklang zu bringen, dann macht man Horsemanship in seiner reinsten Form.

    1. Vielen Dank für die Schilderung dieser leider etwas unversönlichen Position. Unser Umfeld prägt unsere Wahrnehmung. In meinem Reitsport-Alltag sehe ich wenig Menschen, die zu viel Achtsamkeit im Umgang mit ihrem Pferd walten lassen. Und ich meine damit bewusst nicht ein Pferd zu vermenschlichen. Was Sie da schildern klingt gut, aber ist leider nicht das, was mir in der Realität begegnet. Niemand fragt sich warum er sein Pferd bewegt, solange ihm dies gelingt. Kontrolle ist DAS zentrale Element und Gedankenmodell. In jedem Fall kann ich beruhigend darauf hinweisen, dass diese veralteten Ideen gänzlich die meinigen sind und für viele auch jetzt noch zu früh kommen und alternativ klingen. Nichts für ungut.

      1. Vielleicht das eigene Gedankenmodell ändern? Vielleicht treten dann andere Leute in Ihr Leben? Vielleicht tanzen genau diese Leute (die es zweifellos auch gibt) absichtlich vor Ihrer Nase herum weil Ihr Gedankenmodell sie besonders anlockt? Oder vielleicht könnten Sie auch durch eine Veränderung einen anderen Blick auf das Verhalten der Leute bekommen? Auch nichts für ungut ;-).
        Kontrolle an sich ist ja erstmal nichts schlechtes, es sichert das Überleben von Pferd, Mensch und Dritten. Ich habe lange ein Pferd besessen das sich von nichts und niemandem einschüchtern ließ. Dafür hat sie gelegentlich andere eingeschüchtert ;-). Kontrolle zu bewahren war trotzdem ein zentrales Element. Kontrolle über mich, über die äußere Situation, aber natürlich auch über den emotionalen Zustand des Pferdes in bestimmten Situationen. Kontrolle hat nichts mit Einschüchterung zu tun. Kontrolle bedeutet zB. in der Praxis: stehenbleiben und warten bis sich das Pferd entspannen kann bevor wir die Demo beginnen etc.

  27. Wer Monty Roberts mit Parelli vergleicht , kann Parelli nicht verstanden haben. Bei Parelli geht es nicht um Dominanz, sondern um Vertrauen und Partnerschaft. Bei Parelli wird mit den Pferden gespielt , Abwechslung wird groß geschrieben, da bleibt das Pferd immer noch Pferd . Keep it Natural heißt sein Spruch , es gibt keine sinnlosen Wiederholungen, Spaß wird groß geschrieben

    1. Danke für diesen Hinweis auch wenn ich darauf bestehen muss Parallelen zwischen Robert und Parelli zu ziehen, vor allem auch weil sie ein Produkt ihrer Zeit waren. Man kann diese schöne Utopie noch so oft wiederholen, davon wird es nicht zu dem, was meine Wahrnehmung der Handhabung in der Praxis ist. Aber es darf sich gern jeder selbst ein Bild davon machen, ob Parelli hier Spaß und Abwechslung groß geschrieben hat: https://www.youtube.com/watch?v=ZhYoDzIJCxA Das ist wohlgemerkt ein Video, das er selbst hochgeladen hat!

      1. Es gibt keine Parallelen zwischen den beiden . Welche sollen das sein ? Monty Roberts bricht Pferde nach alter Cowboy Manie, das ist etwas wir auf keinen Fall sehen wollen. Das Video ist doch ein schönes Beispiel dafür, wie man ein Pferd dazu bringt nicht die Richtung oder die Gangart zu ändern ohne es zu treffen. Der Sinn ist Sobald es das macht was man möchte, ist man entspannt. Dies soll verdeutlichen ,das nicht ständig Druck ausgeübt werden muss.

        1. Zu den Parallelen zwischen Monty Roberts und Pat Parelli zähle ich eine publikumswirksame Cowboy-Manier mit markigen Sprüchen, die Massen in einer hochgradig inszenierten Show abholt, mittels Vereinfachung von angeblich pferdegerechten Methoden die von Jederman umsetzbar sein sollen. (Gegen üppige Bezahlung versteht sich.) Weiterhin die unnötige Grobheit und massiver Druck in der Durchsetzung der eigenen Ziele, ohne dem Pferd vorweg eine Chance zu geben, den richtigen Weg einzuschlagen. Dies bei vorselektierten hochgradig unsicheren Pferden, damit der schnelle Erfolg sich in wenigen Minuten einstellen kann, echte Härtefälle werden gemieden.
          Ich erläutere gerne meine Wahrnehmung des Videos: Herr Parelli verhält sich absolut respektlos gegenüber einem Pferd, das keinerlei Anlass dazu gibt und deutlich seine Überforderung signalisiert. Er geht das Pferd so lange aggressiv an, bis es tut was man von ihm verlangt. Kommunikation geht nur vom Sender aus. Die Hilflosigkeit des Pferdes wird ausgekostet und belächelt. Das kann man beschönigen und sagen, „hey, funktioniert doch!“ aber es geht eben auch anders.
          Es geht mir nicht darum nahmhaften Pferdeausbildern auf die Füße zu treten, sondern auf Feinheiten im Umgang mit dem Pferd hinzuweisen und diese für die eigene Beziehung zum Pferd zu reflektieren.

  28. Du sprichst genau das an was ich seit längerem spüre. Ich machte parelli aber nie 100% so wie es sein sollte. Ich habe schon von zu Beginn meiner Ausbildung mit meinem Pferd und meiner Ausbildung mir mehrer Methoden angeschaut. Da ich selbst unerfahren damals mit jungem pferd war suchte ich nach etwas zu Beginn das mir hilft einen Plan zu haben. Ich hatte das Glück aber von einer Freundin Unterricht zu bekommen zu Beginn die nicht danach arbeitet. Zwischen drin kam ich zur parelli Methode und auch zur akademischen Reitkunst. Ich spüre aber zur Zeit in manchen Situationen das mein Pferd einfach nur was ab spult z.b wenn ich sie auf den Zirkel schicke und sie traben soll denkt sie nur an traben. Ich möchte ihr aber bei bringen auf meine Ausatmung im Schritt zu gehen und zu reagieren aber sie trabt und trabt weiter und ich sehe ihr an das sie nur daran denkt. Sie spult etws ab und nimmt feineres im Moment gar nicht war. Ich muss aber auch sagen das es Trainer gibt die echt gut sind und mehr das Gefühl vermitteln und was das Pferd uns eigentlich sagen möchte. Ich bin seit paar Wochen dabei mir mehr über die Charaktere meiner zwei Pferde an zu eignen und suche noch einen Weg mehr darüber zu erfahren. Wer ein gutes hilfreiches Buch kennt darf es gerne empfehlen. Dein Text regt noch mehr an pauschalisierte Methoden zu hinterfragen das finde ich gut. Ich finde aber das es für viele unerfahrene/ Unsichere erst mal ein Plan beinhaltet. Viele Pferde werden ja grade so sauer und auf müpfig weil sie merken das sie nicht verstanden werden und aber auch keinen Rahmen bekommen was sie dürfen und was nicht und einfach Raum des menschen einfach einnehmen.
    Ich finde man könnte auch mal ein Text über spring Sport usw. verfassen den das Finde ich genauso bedenklich und nicht pferdegerecht.

    1. Vielen Dank für deine Sichtweise, die ich gut nachvollziehen kann. Ich finde es toll, dass du trotz aller wegweisenden Methodik offen bleibst für deine eigene Wahrnehmung. Deine Pferde sind die besten Lehrmeister! Wenn du dafür offen bleibst, was sie dir sagen wollen, dann wirst du ganz sicher deinen Weg und mehr Selbstbewusstsein darin finden.
      Deine Anregung zum Thema Springsport nehme ich mir zu Herzen und überlege mir noch einen neuen Text, auch wenn ich hier meine Position schon mal skizziert habe: http://blog.hippothesen.de/kein-pferd-springt-freiwillig/

  29. Hallo.

    Wenn ich Ihren Text richtig verstanden habe, sind Sie grundsätzlich gegen Druck im Pferdetraining?!? (auch wenn er so sanft, wie es nur geht, beginnt, dann langsam gesteigert wird um dem Pferd zu vermitteln, was man gerade von ihm möchte und sobald eine Reaktion des Pferdes kommt SOFORT nachgelassen wird, wie es ja beim NHS praktiziert wird)

    Ich würde Ihre Sichtweise sehr sehr gerne verstehen, dazu habe ich aber noch folgende Fragen:
    Sie verwenden Sporen im Pferdetraining, wie setzen Sie diese denn genau ein?

    Und wenn Ihr Pferd beispielsweise im Parcours ein Hindernis verweigert, wie gehen sie dann freundschaftlich damit um bzw. wie vermitteln Sie Ihrem Pferd, dass Sie gerne ÜBER das Hindernis möchten und nicht nur davor stehen bleiben wollen? Das würde mir sehr helfen Ihre Sichtweise zu verstehen.

    Alles Liebe und einen schönen Abend

    1. Vielen Dank für diese netten Zeilen und vor allem, dass Sie sich die Mühe machen, über diese konträren Ansichten Erkenntnisse einzuholen. Das gefällt mir. Das Thema Sporen greife ich vielleicht noch gesondert in einem Blogpost auf und danke erstmal für die Anregung.
      Gerne möchte ich meine Ideen zum Thema Springsport hier näher erläutern. Beim Springen muss man viel früher anfangen als bei der Verweigerung vor dem ersten Hindernis. 1. Das Pferd muss lernen, dass die Zusammenarbeit mit mir fair abläuft und Spaß macht. 2. Das Pferd soll ermuntert werden, sein Bestes zu geben und Herausforderugen anzunehmen, also mutig zu sein. 3. Es muss den Eindruck bekommen, dass alles was ich von ihm verlange machbar ist. Dann wird es gar nicht anfangen zu hinterfragen. Im Idealfall beginnt das noch vor dem Anreiten. Mein Pferd geht mit mir über Baumstämme im Wald und Stangen an der Longe und wird für seinen Mut und seine Kooperation ausgiebig gelobt. Als nächstes wird es anfangen, frei in der Halle stehende Cavalettis als Einladung zum Springen zu verstehen. Und warum auch nicht? Es kann das körperlich und merkt, dass es mir damit Freude bereitet. Wenn ich von ihm als nächstes verlange durch Wasser zu laufen oder hinter anderen Pferden her über Baumstämme zu springen, ist dies das natürlichste auf der Welt. Das einzige Geheimnis besteht darin sich der kleinen Schritte bewusst zu werden, die das Pferd zu der Erkenntnis verhelfen, dass Springen Spaß macht. Ich verlange nichts, was das Pferd überfordert, aber darauf bestehe ich dann (ob mit Führpferd voran oder in kleinen Schritten zum Ziel). Ein junges Pferd darf jeden Fehler machen und ich nehme es auf meine Kappe, ein älteres Pferd wird diesen „Fehler“ nicht begehen, weil es gelernt hat, dass wir das gemeinsam schaffen. Ich hatte noch nie ein Pferd, das verweigert hat und bin damit schon über 1,60m Maße im heimischen Parcours und durch ziemlich anspruchsvolles Jagd-Gelände gekommen. Die Tierquälerei fängt da an, wo ich mir nicht zu helfen weiß. Ich habe mit einem S-Springpferd, das ich zur Korrektur geritten habe wegen Verweigerungen 3 Monate nicht einen einzigen Sprung gemacht, weil es dafür zu früh war. Diese Geduld muss man dann auch mal aufbringen und das Ego hinten an stellen („Hast du Angst, dass es nicht klappt?“). Es hat geklappt! Im ersten Anlauf und immer wieder 🙂
      Einen ähnlichen Artikel habe ich hier bereits geschrieben: http://blog.hippothesen.de/kein-pferd-springt-freiwillig/

  30. Ich finde den Artikel und die Kommentare sehr spannend. Als Parelli mit seinem System auf den Markt kam, hat er damit aus meiner Sicht tatsächlich viel bewirkt. In der Summe erst mal Positives. Denn tatsächlich hat man zum ersten Mal verstehen können, wie Pferde untereinander kommunizieren und das Ziel, dem Pferd zu „erklären“, dass eine Berührung stets sanft bleibt, wenn das Pferd auf Phase 1 reagiert hilft sicher auch vielen Pferden, die sonst aus für sie unerklärlicher Sicht über Jahre getreten, im Maul gezerrt und mit der Gerte geklappst werden. Was es kompliziert macht ist eher die Frage: welche Intention hat der Mensch? Bei vielen geht es um Anerkennung, besser sein wollen, dies oder jenes zu erreichen,…da spielt es kaum eine Rolle, mit welchem System das Ziel verfolgt wird. Im Gegenteil, hier hat NHS sogar Vorteile, denn es ist fürs Pferd recht schnell berechenbar und es kann sich sicher häufig Schmerzen und unschöne Momente ersparen, die durch andere Trainingsformen angewendet werden würden.
    Auch muss ich sagen, dass es leicht ist davon zu sprechen, ohne Druck mit einem Pferd umzughen, wenn man es mit feinfühligen Rassen zu tun hat. Ich hatte über die Jahre mit verschiedenen Pferden zu tun und ohne das werten zu wollen, denn alle waren toll, reagieren Kaltblüter anders als Araber – einfach aufgrund einer zunächst anderen Empfindlichkeit. Was nicht heißt dass Sensibilisierung oder Desensibilisierung nicht möglich ist. Aber dazu ist wiederum eine Art System hilfreich, um es dem Pferd zu erklären.
    Und: manch einer hatte die Möglichkeit in seiner Kindheit freie Pferdeherden zu beobachten oder tolle Pferdemenschen bei der Arbeit zu sehen aber all die, die nur mit einmal die Woche Reitunterricht anfangen, sind sicher froh über ein Programm, in dem sie das alles komprimiert lernen können.
    Dies mal als Grundlage für meine folgende Frage:
    Du züchtest Springpferde. Wie bringt man denn ein Pferd dazu, zu springen? Es wird doch in den seltesten Fällen von sich aus, ganz ohne Druck springen. Zumindest den Weg zum Hindernis muss man ihm „weisen“. Was machst Du, wenn ein Pferd nicht springen möchte? Oder: wie bringe ich einem Pferd ein Kruppe herein bei, wenn nicht durch Antippen mit der Gerte bis es diese Tipperei so blöd findet, dass es eine Lösung sucht, dem zu entgehen? Das ist dann zwar noch keine Gewalt, aber freiwillig ist es ja auch nicht….
    Bitte nicht falsch verstehen, ich sehe die Kritik an vielen NHS-Anwendern als sehr berechtigt! Aber mich interessiert wirklich die Alternative. Denn ich fürchte, wenn es absolut partnerschaftlich zugehen würde, ganz ohne Druck, kommt man aus reitsportlicher Sicht nicht weit. Muss man aber ja auch nicht! 🙂

    1. Vielen Dank für diesen Kommentar! Ich hoffe ein paar der Fragen konnte ich in meiner Antwort auf Stefanie bereits beantworten. Ich versuche nerven bis zum Erfolg zu vermeiden und denke eher an „freies Formen“ oder kleine Schritte zum Erfolg. Man muss immer in der Planung einen Schritt vor der Widersetzlichkeit bleiben, dann lässt sich viel Gegenwehr umgehen. Ich stimme zu, dass ganz ohne Anstrengung (Druck ist so negativ belegt) kein Reitsport funktioniert. Ich finde es zwar nicht verwerflich, wenn Jemand keine reiterlichen Ambitionen hat, aber glaube fest daran, dass Pferde Spaß daran haben sich körperlich und mental weiter zu entwickeln und Leistung zu erbringen. Und ich gebe zu ich bevorzuge die Sorte Pferd, die eher mal übermotiviert ist, da hat man leicht reden 😉

  31. Danke! Das Video, das du weiter oben verlinkt hast ist wirklich unschön und so habe ich ihn früher auch nie gesehen. Warum auch immer er das so unnötig hart und respektlos tut, die Technik, die dahinter steht macht Sinn. Wenn man sich das einfach mal in 90% sanfter vorstellt, wäre es gut, oder? Man macht einen Vorschlag, das Pferd fragt nach, man erklärt erneut, mit langsam ansteigenden Phasen usw….man besteht drauf, freundlich, geduldig natürlich …ist ja auch machbar im Kreis zu Laufen. Also wieder kein Grund das System zu verteufeln, sondern den Anwender. Absurd natürlich, dass der in dem Fall der Erfinder des Systems ist.

    1. Danke für deinen Kommentar. Darum geht es im Kern immer, nicht den Menschen zu verteufeln, sondern die Dinge, die er tut.
      Mir geht es darum, dem Pferd eine Chance zu geben selbst zu erkennen was ich von ihm möchte und ihm das Gefühl vermiteln, dass es auf jedem Schritt dorthin großartig ist. Damit das Pferd über sich selbst hinauswachsen kann. Ihm die Aufgabe möglichst so zu stellen, dass es sich nur richtig entscheiden kann. Damit bekomme ich Begeisterung für eine Aufgabe statt nur Gehorsam. Wenn das Ausbleiben der Strafe das Lob ist, dann erziehe ich Pferde zu Untergebenen. Ich hoffe ich konnte den Unterschied damit deutlich genug machen.

    2. Was ist daran schön? und vor allem- warum soll ich mir etwas ANDERS vorstellen, als der Ausbilder es vormacht?? Im zwischenmenschlichen Bereich ist das als „Identifikation mit dem Täter“ bekannt- schwache Menschen wollen kein Opfer sein und entschuldigen daher Täterverhalten- und geben dem Opfer die Schuld am eigenen Leid. Dieses Pferd wird mit einem scharfen Halfter an der Flucht gehindert- wozu bitte soll diese Übung gut sein? Bevor Sie alle antworten- versetzen Sie sich kurz in die Lage des Pferdes- und urteilen Sie dann. Was Du nicht willst, dass man Dir tu`- das füg auch keinem anderen zu.

  32. Ich habe vor einigen Monaten einen NHS Kurs besucht. Die Lehrerin hat auf die Körpersprache des Lehrpferdes aufmerksam gemacht, auf die Kopfhaltung, die Stellung der Ohren usw. Hat das Pferd gestreichelt und uns Schüler gefragt, ob wir erkennen können, ob das Pferd es mag, an dieser bestimmten Stelle gekrault zu werden oder ob es ihm unangenehm ist. Dann sind wir spazieren gegangen und die Lehrerin hat uns, als Spaziergänger, Hunde, Kinderwagen in der Ferne auftauchten, daraufhin gewiesen, dass das Pferd total angespannt war, Adrenalin pur. Wir sind dann einfach in aller Ruhe stehen geblieben bis das Pferd wieder entspannt war. Ich hätte vor dem Kurs so ein Signal vom Pferd einfach nicht bemerkt, wäre weiter gelaufen, bis meine Stute „explodiert“ wäre. Ich habe in dem Kurs zum ersten Mal bewusst auf die feinen Signale des Pferdes geachtet. Beim normalen Reitunterricht wird so was ja auch komplett ignoriert. Ich habe mit NHS bisher nur gute Erfahrungen gemacht, wobei es ja leider überall schwarze Schafe gibt. LG Nicole

  33. Ich könnte vielem Zustimmen…
    ABER … allein schon Monty Roberts und Pat Parelli Natural Horsemanship in einen Topf zuwerfen – zeigt, dass sie sich weder über das Ausbildungssystem und der Philosophie des PNH wirklich informiert haben können – falls doch – dann haben sie ihre Informationen entweder nicht von der Quelle und / oder auf keinen Fall verstanden worum es geht…
    Sie scheren aber auch wirklich alles absolut unreflektiert über einen Kamm.
    Natural Horsemanship ist ein „ungeschützter Bergriffskübel“ in den jeder und alles reinkübelt – egal ob gut oder schlecht… und ganz nach Lust und Laune – wird fröhlich alles und nix damit assoziiert – wenn man das mal googelt wird einem so einiges klar… man findet von Bill Dorrance, Ray Hunt, über Lesley Desmond, Buck Branaman, J.C.D, Parelli bis hin und vor allem zu Heti und Pleti die grad mal ’n Strick halten können… als DIE „Weisen aus dem Morgenland“.
    Mit Parelli – hat das m.E. nichts zu tun. Der Artikel trifft auch auf PNH nicht zu. Bestenfalls insofern als dass die Verfasserin das Konzept „teaching people to understand horses“ oder „to empower humans to become a great horseman – to create a positive and successful partnership with your horse“ – weder gelesen – und wenn doch – wie so viele – oft auch von dessen Anhängern – nicht verstanden hat.
    Richtig ist, dass Pat Parelli in seinen Anfängen den Bergriff „Natural Horsemanship“ gebraucht und wohl hauptsächlich „bekannt“ gemacht hat. Als er feststellen musste was daraus „gemacht“ wurde und wird hat er den „personalisierten“ Begriff schützen lassen.

    Horsemanship ist zunächst mal ein ganz allgemeiner, neutraler Begriff.
    „… Pferde wie weggetreten und willenlos – wie Roboter…“ finden sich vor allem und überwiegend – also weit mehr in der von ihnen favorisierten FN- und EWU-Reiterei… – wie auch in allen anderen „Lagern“ – keine Frage – sicher auch bei Pferden von „Parelli-Anhängern“ – doch das ist weder ein Parelli – noch ein Natural Horsemanship-Phänomen sondern wohl eher der menschlichen Natur als Raubtier und Machtbesessenheit geschuldet.
    Daraus ergibt sich, das wirklich alles was mit der richtigen Einstellung gut, richtig und fördernd ist um ein Pferd zu physischer und emotionaler fitness und einem motivierten Partner auszubilden auch umgekehrt funktioniert.

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