Thomas Müller Fohlen

Pferdesteuer – nein danke!

Es ist leicht als Reiter gegen die Pferdesteuer zu sein. Die sachlichen Argumente spielen da für viele keine Rolle – Hauptsache man wird nicht besteuert. Aber es lohnt sich mal die Hintergründe zu betrachten, wie es dazu kommt, dass Reiter überhaupt in das Blickfeld der Politiker geraten.

Weil nicht jeder Reiter diese Entwicklung bereits mitbekommen hat, hier zum Hintergrund eine kleine Info: Im Jahr 2012 hat die Stadt Bad Sooden Allendorf in Hessen als erste in Deutschland eine Pferdesteuer eingeführt. (siehe hier die Satzung zur Erhebung der Steuer)

Historische Hintergründe

Reiten als Sport und Pferdehaltung allgemein, das war lange Zeit dem Adel vorbehalten. Pferd waren zu jeder Zeit teuer im Unterhalt. In vielen Ländern der Welt ist Reiten immer noch den Reichen vorbehalten. Der Reitsport ist aber in Deutschland schon lange im Breitensport angekommen.

Reitsport ist aus meiner Perspektive ein Sport wie jeder andere auch. Und damit eigentlich ein geschütztes Gut, denn es bringt Positives für die Allgemeinheit.

Mit der Ausnahme, dass es bei diesem Sport um die Zusammenarbeit von zwei Lebewesen geht. Das ist einzigartig! Und bietet große Möglichkeiten in Sachen Charakterformung und Verantwortungsbewusstsein für Kinder wie Erwachsene gleichermaßen. Das geht soweit, dass Pferde im therapeutischen Reitern eingesetzt werden. Dabei werden Personen mit Entwicklungsstörungen oder Behinderungen durch die Bewegungen des Pferdes in ihrer Entwicklung stimuliert und können viel Freude daraus schöpfen.

Ein weiteres Argument, das öfter von Gegnern der Steuer angebracht wird, ist der Aspekt der Diskriminierung. Denn gefühlte 90% der Reiter sind Frauen. Dieses Argument geht aber nach meinem Empfinden zu weit, das klingt für mich eher nach einem rechtlichen Konstrukt.

Das Problem mit den Reichen

Es gibt natürlich auch verhältnismäßig viel Reichtum im Reitsport, insbesondere im Spitzensport. Das muss man unverhohlen zugeben. Es ist sicher erstrebenswert, dass Talent über den Erfolg im Sport entscheidet. Aber die Realität sieht oft anders aus. In jeder Sportart wohlgemerkt, das ist nicht dem Reitsport vorbehalten!

Die wenigsten Menschen haben die finanziellen Ressourcen, Pferde zu halten und Sport auf hohem Niveau auszuüben. Denn das kostet im Reitsport bekanntlich enorm viel Zeit und auch Geld. Man sollte sich vergegenwärtigen, dass der Großteil der Reiter im Leben auf kein Turnier fahren wird. Die Anzahl der Turnierreiter nimmt – trotz reichlich Bemühungen der FN um ein attraktiveres Programm für Amateure – kontinuierlich ab.

Ursachenforschung – Worum geht es bei der Pferdesteuer eigentlich?

Ich denke viele Pferdehalter sind aus den falschen Gründen gegen eine Pferdesteuer. Zum Beispiel, weil man den eigenen Geldbeutel schrumpfen sieht.

Denn natürlich muss man sich auch die Frage gefallen lassen, ob bei einem so teuren Hobby es überhaupt eine Rolle spielt, ob der Staat jetzt nochmal 200€ im Jahr kassieren möchte oder nicht. Wer mehrere Pferde hat, wird ins Grübeln kommen, aber die meisten Halter mit 1-2 Pferden, sind hierdurch nicht ernsthaft gefährdet. Das macht es natürlich nicht richtig sie schröpfen zu wollen, aber der Vollständigkeit halber sei dies dennoch erwähnt.

Geldnot der Kommunen

In Zeiten klammer Kassen müssen sich die Kommunen natürlich Gedanken darüber machen, wie an mehr Geld zu kommen ist. Da sollte aber doch lieber mal Ursachenforschung betrieben werden, wie es dazu kommen konnte, statt einfach mehr Geld einzutreiben.

Es wurden bei der Diskussion in Hessen die Vorwürfe laut, dass die Kosten und der Aufwand zur Eintreibung der neuen Steuer höher sein könnten, als die daraus generierten Einnahmen. Es gibt schließlich viel nicht regulierte Pferdehaltung auf dem Land. Wenn die Tiere – wie so oft – nicht mal bei der Tierseuchenkasse gemeldet sind, wie sollte wohl eine Gemeinde von den Pferden erfahren?

Warum in der Diskussion der Pferdesteuer bemerkenswert wenig Sachargumente vorgebracht werden, ist mir nicht nachvollziehbar. Sich eine zu besteuernde Gruppe herauszusuchen, die nicht durch starke Lobbyarbeit auffällt oder in der Öffentlichkeit als reich wahrgenommen wird, ist scheinbar der Weg des geringsten Widerstandes.

Es ist jedenfalls aus Reitersicht zu begrüßen, wenn ein Pferdeland wie Schleswig-Holstein den Anfang macht und eine Pferdesteuer generell verbieten möchte. Das ist für viele andere Bundesländer, die dem Reitsport verbunden sind, ein gutes Modell.

Die Rolle der FN

Hier muss man sich auch die Frage stellen, ob die Deutsche Reiterliche Vereinigung aktiv genug war in der Wahrung der Interessen der Reiter und Pferdehalter. Denn es ergibt sich daraus – nicht nur mit Blick auf die Pferdesteuer – Handlungsbedarf. Themen wie der Tierschutz sind stark im Kommen und werden hochemotional geführt, da gerät der Reitsport schnell unter die Räder. (siehe auch: Vereinbarkeit von Tierschutz und Leistungssport)

Da täte man gut daran, über entsprechende Kampagnen die Stars und Normalos des Reitsports als Tierfreunde in Szene zu setzen. Dazu gehört es glaubhaft nach außen zu vermitteln, dass Reiter sehr viel dafür tun, dass es ihrem Pferd an nichts mangelt. Denn das tun die allermeisten Reiter nach bestem Wissen und Gewissen!

Wer betreibt den Reitsport?

Der Wunsch Luxus zu besteuern, mag in manchen Bevölkerungsteilen gut ankommen. Da mag auch Neid in der Debatte mitschwingen.

Das hat aber mit der Realität der Pferdehalter, die ich in der Breite antreffe, wenig zu tun. Schließlich gibt es viele Reiter, die sich ihr Hobby vom Munde absparen. Der Verzicht auf Fernurlaub, teure Autos und dergleichen sind durchaus verbreitet. Da ist es nicht fair, hier von Luxus zu sprechen.

Zumal man in vielen anderen Sportarten ebenfalls hohe Summen investieren muss, um ernsthaft im Sport betreiben zu können. Man denke nur mal an Segeln oder Golf. Und wenn man sich schon dem Pferdesport zuwendet, warum dann nicht gezielt an Polo oder Rennsport herantreten, statt an den wirklichen Breitensport in der Fläche?

Die Ursachen für diese starke Wahrnehmung von Reichen im Reichtum nach außen ist natürlich zum Teil hausgemacht. Denn die gezielte Vermarktung von elitären Veranstaltung, um das „richtige Klientel“ anzuziehen, spiegelt sich hier wieder. Denn es muss schick sein, sich mit Pferden zu umgeben. Der Rennsport zeigt das sicher noch deutlicher als der Reitsport.

Image und Außendarstellung

Die Eigendarstellung mit hochpreisigen Pferdekäufen und Auktionsergebnissen wird seitens der Sport- und Zuchtverbände aus Eigeninteresse gepflegt.

Natürlich möchte man attraktiv auf potentielle Kundschaft wirken! Denn nur das bringt Medieninteresse. Der Reitsport schafft es aus eigener Kraft selten genug ins Fernsehen. Für Medienpräsenz ist man daher bereit viel zu opfern, wo sollen sonst die großen Sponsoren für den Reitsport noch herkommen?

Promis wie der Fußball Star Thomas Müller sind da gern gesehene Gäste! Denn wenn man ihn als Pferdezüchter inszenieren kann, und diesen und anderen großen Namen eine Plattform bieten kann, lenkt man den Blick vieler Menschen auf den Pferdesport.

Aber wo Licht ist, ist auch Schatten. Vielleicht freut sich das zahlungskräftige Publikum auf Auktionen anlässlich hochkarätiger Turniere aus dem VIP Zelt auf ein Fohlen aus renommierter Zucht zu bieten. Warum auch nicht?

Nebenbei bemerkt: Das Signal, das daraus an die kleinen Züchter und Reiter gesendet wird ist fatal: Da könnt ihr nicht mitspielen! Der Pferdehandel, wie auch der Pferdesport ist fest in der Hand von zahlungskräftiger Kundschaft. Es fehlt immer mehr an Fachwissen der Geldgeber, dafür gibt es Berater, die mit dubiosen Geschäften bevorzugt Neulinge in der Szene gewaltig über den Tisch ziehen. Der Fall des Trakehner Hengstes Insterburg zeigt, was da möglich ist. (siehe Bericht der Reiter Revue)

Aber die kleinen Züchter und Reiter sind es, die den Reitsport tragen. Diejenigen also, die ohne sich um Rentabilität Sorgen zu machen, vorbehaltlos in den Reitsport investieren. Das sind zwar keine gewaltigen Beträge, die investiert werden, die man weithin sichtbar vermarkten kann. Aber in der Summe kommt da viel zusammen.

Was spricht dagegen?

Man sollte den Gedanken der Pferdesteuer auch mal konsequent zu Ende denken. Denn es gibt ein paar negative Entwicklungen, die durch die Einführung einer Pferdesteuer beschleunigt werden.

Der Schaden für Pensionsbetriebe

Es sollen zwar alle von der Pferdesteuer verschont werden, die bereits ihren Lebensunterhalt damit verdienen. Was wiederum Geschäftsinteressen schützt, statt die breite Masse der Reiter. Aber das ist zu kurz gedacht.

Ich denke spätestens seit der Erhöhung der Mehrwertsteuer für Pensionsbetriebe auf satte 19% ist auch der letzte Betreiber bedient. Denn ihm ist spätestens jetzt bewusst geworden, dass eine solche Änderung in Zeiten von steigenden Preisen für Heu, Stroh und Futtermittel für Betriebe existenzbedrohend sein kann.

Denn was nutzt dem Pensionsstall, wenn er selber keine Pferdesteuer zahlen muss, solange seine Kundschaft dies sehr wohl tut? Diese Kundschaft wird im Falle einer regionalen Pferdesteuer entweder abwandern, zu einem Standort wo es keine gibt, oder aber zumindest in Teilen das Pferd langfristig abschaffen.

Auswirkungen auf den Tierschutz

In anderen Ländern (siehe USA oder Irland) ist das Aussetzen von Pferden bereits an der Tagesordnung. Wenn Pferde aufgrund der hohen Kosten nicht mehr durchfüttert werden können, so sorgt dies für erheblichen finanziellen Druck auf die Besitzer.

Aktuell ist die Verwahrlosung von Pferden in Deutschland sicher das größere Problem. Eine Pferdesteuer könnte aber dazu führen, dass insbesondere alte Pferde, die keinen Nutzen mehr bringen, als unrentabel erkannt und entsorgt werden. Ob durch Freilassung oder den Weg zum Schlachter sei mal dahingestellt. Dem Pferd wird damit jedenfalls ein Bärendienst erwiesen.

Fazit

In Sachen Pferdesteuer müssen sich die Verantwortlichen im Reitsport an die eigene Nase fassen. Die Außendarstellung mit dem Prestige Objekt Pferd und die Ignoranz gegenüber dem kritischen Tierschutz Gedanken in der Bevölkerung holt den Reitsport mit der Pferdesteuer wieder ein.

Pferdesport als Luxusgut ist für mich kein erstrebenswerter Zustand. Die Wahrung der Positionierung in der Mitte der Gesellschaft sollte erhalten bleiben.

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Veröffentlicht von

Iris Wenzel

Iris Wenzel züchtet Springpferde für die Sportpferdezucht auf Basis von viel Vollblut, ist Fachbuchautorin und betreibt den Hippothesen Blog aus Freude an Texten, Fotografie und der Liebe zu den Pferden. Ziel ist der Erfolg mit dem Pferd, ohne auf Kosten des Pferdes zu arbeiten.

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