Halbblutfohlen

Ein Soli für Vollblutanpaarungen – Ist das Aufgabe des Zuchtverbandes?

Ein Zuchtverband hat die Möglichkeit einem Rückgang an Bedeckungen mit Vollblütern entgegenzuwirken. Es werden immer wieder Stimmen von Fans laut der Verband müsse mehr dafür tun, damit Vollblutanpaarungen sich wieder lohnen. Argumente für und gegen die Idee.

Vollblutanpaarungen subventionieren?

Ein „Vollblut-Soli“ könnte einen finanziellen Anreiz für Vollblutanpaarungen schaffen. Die Decktaxe für Anpaarungen mit reinen Vollblütern auf Vater- oder Mutterseite könnten finanziell bezuschusst werden. Ebenso wie Anpaarungen von Vollblütern mit besonders bewährten Zucht- oder Sportstuten.

Weiterhin könnte man eine systematische Bevorzugung in der Benotung von hoch im Blut stehenden Pferden einführen. Dies könnte bei Veranstaltungen von der Fohlenschau über Stutenleistungsprüfungen bis hin zur Körung (und anderswo) durchgeführt werden.

Ein Solidaritätszuschlag für Vollblutanpaarungen in der 1. Generation klingt für Vollblut-Fans nach einer sinnvollen Maßnahme. Nur wenn der Nutzen nicht universell anerkannt ist (und das ist er nicht, der Marktwert eines Halbblüters ist unumstritten niedrig!) dann ist es unmöglich, die breite Masse an Züchtern von einem Mehrwert einer solchen Maßnahme zu überzeugen. Daher ist es komplett unwahrscheinlich, dass sich irgendein Zuchtverband solche Maßnahmen auf die Fahnen schreibt.

Ist der Solidaritätszuschlag für Vollblut wirklich eine gute Idee?

Aber man sollte sich unabhängig der Durchsetzbarkeit einer solchen Forderung einmal die Sinnfrage stellen. Ist es richtig, objektiv als schlechter bewertete Pferde, allein aufgrund ihres hohen Vollblutanteils dennoch den Vorzug zu geben?

Eine Vollblutquote in der Pferdewelt würde mehr Unmut schüren als Beitrag leisten (man vergleiche einmal mit einer Frauenquote im Unternehmen). Möchte ein Züchter von Blutpferden überhaupt nur aufgrund einer Quote vorne auf dem Treppchen stehen und sich in ungünstigsten Fall den Pfiffen aus dem Publikum stellen?

Man muss doch auch als Vollblutfan anerkennen, dass die Frage nach dem Blutanteil eines Pferdes Geschmackssache ist. Diesen Geschmack sollte man niemanden aufzwingen wollen, selbst wenn man von der Sinnhaftigkeit und Nachhaltigkeit seiner eigenen Zucht überzeugt ist.

Echte Anerkennung muss man sich verdienen

Ich denke volle Anerkennung von hoch im Blut stehenden Pferden ist nur durch Wettkampf und gleichberechtigte Konkurrenz zu erreichen. Nur wenn keine Leistungseinbußen in der sportlichen Darstellung anzutreffen sind, kann Akzeptanz und Anerkennung von Vollblutanpaarungen entstehen.

Wer sich mit Blutpferden nicht auf Augenhöhe dem Wettkampf stellt, bleibt hinter den Erwartungen zurück. Man vergleiche nur das Trakehner Bundesturnier und das Abschneiden selbiger Teilnehmer beim Bundeschampionat in Warendorf. Eigene Wettkämpfe machen nur dann Sinn, wenn das Niveau nicht deutlich hinter dem der Gleichaltrigen zurückbleibt.

Das Buschprogramm der Württemberger

Aber ein Zuchtverband kann natürlich aktiv darauf hinwirken, dass Anpaarungen mit der Zielrichtung ein Blutpferd zu züchten einen gewissen Stellenwert behält.

Der Württemberger Zuchtverband (in Zusammenarbeit mit dem Landgestüt Marbach und weiteren Hengsthaltern) bietet Stuten im sogenannten Buschprogramm vergünstigte Decktaxen.

Dies gilt nicht ausschließlich für direkte Vollblutanpaarungen, sondern auch für andere Hengste (insbesondere Trakehner). Die Fohlen werden auf der Homepage angekündigt und auf speziellen Fohlenringen der Öffentlichkeit vorgestellt und beurteilt. (Link zur Homepage)

Welchen Wert haben Buschringe auf Fohlenschauen?

Die Zuteilung durch einen hohen Vollblutanteil mag man stimmig finden oder nicht. Fakt ist, dass top Buschpferde regelmäßig einen hohen Blutanteil haben. Im Jungpferdealter gibt es außer anhand der Abstammung ohnehin wenig Rückschlüsse auf die spätere Eignung.

Warum also nicht einen Halbblüter automatisch zum Vielseitigkeitspferd deklarieren? (siehe auch: Warum keine Vielseitigkeitspferde züchten?)

Augenmerk auf Qualität

Besonderes Augenmerk sollte auf die Qualität der Fohlen gelegt werden. Dies birgt in meinen Augen das Risiko sich mit einem niedrigeren Standard zufrieden zu geben. Denn die Fohlen laufen nach Beobachtung der Zuschauer außerhalb der Konkurrenz.

Vor lauter Busch-Euphorie darf man nicht den Anschluss an das übrige Teilnehmerfeld verlieren. Ein blutgeprägtes Fohlen darf keine Ausrede für weniger Qualität sein! Sonst ist eine solche Veranstaltung kontraproduktiv.

Der Ring soll nicht zu einer Beweihräucherung von mäßigen Fohlen verkommen, die in einem offenen Ring keine Chance hätten. Im Idealfall geht es um Kriterien, wie Galopp, Abdruck und Sportlichkeit statt wie üblich Typ und spektakuläre Trab-Mechanik. Dazu muss man in der Lage sein, Qualität von persönlichem Geschmack zu trennen.

Sinnvoll ist diese Maßnahme dagegen immer dann, wenn sie der gezielten Vermarktung dient. Der Erfolg von deutschen Buschpferden (und ihren Reitern) weckt neuerdings internationale Begehrlichkeiten. Wer diesen Markt bedienen möchte, muss mit einem Label aufwarten, das Qualität erwarten lässt und die richtige Kundschaft anspricht. Vor diesem Hintergrund kann das „Busch“-Label dann wieder sinnvoll sein.

Meine persönliche Meinung

Ein Soli für Vollblutanpaarungen? Man muss ja träumen dürfen. Es wäre eine tolle Maßnahme, um Nachhaltigkeit in der Pferdezucht zu fördern! Und das käme mir mit meiner Zuchtphilosophie zugute.

Dennoch sehe ich die Idee kritisch.

Ein züchterischer Volltreffer braucht keine Unterstützung von Verbandsseite mehr, sondern wird sich der Konkurrenz stellen können und bestehen. Wenn die Nachzucht dagegen kein Volltreffer ist, dann wird der Verband die missglückte Anpaarung nicht retten oder gar vermarkten können. Die Graupen an den Mann zu bekommen ist auch gar nicht Aufgabe des Verbandes, dafür muss jeder Züchter selbst geradestehen.

Weiter mit einem ähnlichen Thema: Kommen die richtigen Vollbluthengste in die Warmblutzucht? oder 11 Ursachen für den Rückgang des Vollblüters in der Warmblutzucht

Veröffentlicht von

Iris Wenzel

Erfolg mit dem Pferd, ohne auf Kosten des Pferdes zu arbeiten - geht das? Natürlich. Wissen ebnet den Weg dorthin. Iris Wenzel züchtet Springpferde für die Sportpferdezucht auf Basis von viel Vollblut, ist Fachbuchautorin und betreibt den Hippothesen Blog aus Freude an Texten, Fotografie und der Liebe zu den Pferden.

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