BuCha Zuschauer

Warum bleiben die Zuschauer beim Bundeschampionat aus?

5 Gründe für die sinkende Attraktivität des Reitsportes für Zuschauer anhand des diesjährigen Bundeschampionates.

Auf dem Bundeschampionat 2017 wurde aufgrund der gesunkenen Publikums-zahlen durch die Größen des Sports durchaus wahrnehmbar die Frage gestellt:

Warum bleiben die Zuschauer aus?

Es gibt natürlich viele Gründe. Einer mag den Aspekt Tierwohl betreffen, aber das war wohl nie die typische Klientel für das Bundeschampionat.

Manch einer möchte die veränderten Rahmenbedingungen verantwortlich machen. Da fällt zunächst das Vorhandensein von einer Live-Übertragung von Clip my Horse ein. Das ist in meinen Augen aber wenig überzeugend, denn andere Länder schaffen es mit vergleichbaren Events trotz Live-Übertragung ihre Zuschauer anzuziehen.

Die Erklärung ist wohl so simpel wie ungemütlich; um heute Jemanden aus der Reserve zu locken muss man eben wirklich etwas bieten, was sich lohnt. Ein Problem, das viele Reitsport-Events heute teilen.

Der Veranstalter könnte nach meiner Beobachtung von fluchenden Handy-Nutzern auf dem Gelände des Bundeschampionates mit Kleinigkeiten wie Handy-Netz und WLAN richtig punkten. Denn darauf mag heutzutage keiner verzichten. Das ist einfach Standard.

Aber das sind doch für die meisten Zuschauer eher kleinere Ärgernisse. Also sehen wir uns doch mal die folgenden Gründe in etwas mehr Detail an:

1. Bestenauslese oder clevere Vermarkung?

Wer vor hat sein Pferd zu verkaufen, fährt nach Warendorf, wer vor hat sein Pferd zu behalten wird es dort nicht grundlos „verheizen“. Es hat sich unter Reitern wie Züchtern herumgesprochen, dass die Bundeschampionate eine perfekte Vermarktungs-Plattform sind (bzw. waren). Dem Vernehmen nach soll sich die Vermarktungs-Situation verschlechtert haben. Wenn natürlich die Besten der Besten aber daheim bleiben, sind die Käufer zwangsläufig beim Bundeschampionat zum Kaufen an der falschen Stelle. Auch das spricht sich irgendwann rum.

2. Abwesenheit vieler Deckhengste

Gerade die Abwesenheit vieler Deck-Hengste auf dem wichtigsten deutschen Jungpferde-Meeting gibt dem Züchter zu denken. Viele namhafte Hengststationen finden Gründe gegen eine Teilnahme. Das ist mal mehr oder weniger originell und überzeugend. Aber die Gründe sind auch nachvollziehbar. Zu groß ist heutzutage das Risiko, das ein Totalausfall des Youngsters live in die Welt getragen und auf Youtube für die Ewigkeit, das Ende dessen Deck-Karriere bedeuten könnte. Warum sich selbst diesem Druck aussetzen? Wer das Pferd langfristig aufbauen möchte, bleibt diesem Event lieber fern.

3. Amateure chancenlos

Problematisch finde ich, dass beim Bundeschampionat kaum mehr echte Amateure am Start sind. Während es für die Qualifikation oft noch reicht, hat sich mittlerweile rumgesprochen, dass die Chancen beim Championat vorne mitzuspielen doch recht gering sind. Ein gutes Pferd reicht nicht mehr. Die Anforderungen sind anspruchsvoll. Es handelt sich um junge Pferde, denen immer ein Fehler unterlaufen kann. Top Beritt ist zur Selbstverständlichkeit geworden, sonst kann man sich die Mühe der Anreise und Teilnahme auch sparen. Wer wirklich mit dem Motto „dabei sein ist alles“ anreist, der muss sich auch über eine gute 7er Bewertung wirklich freuen können. Und dafür ist es ein teurer Spaß!

4. Championat der Reiter

Mindestens ein großer Hengsthalter formulierte sehr treffend, dass das Bundeschampionat ein Championat der Reiter und nicht ein Championat der Pferde geworden ist. Die besten Reiter und das beste Management stehen vorne und nicht unbedingt die allerbesten Pferde. Diesen Vorwurf muss man sich gefallen lassen.

5. Chancen-Gleichheit für alle Teilnehmer?

Das ist es doch, was die Bundeschampionate ausmacht und die Zuschauer anzieht: Guter Sport und das Gefühl, das wirklich die Besten auf dem Treppchen stehen. Dass bei den Rangierungen immer ein bisschen Politik betrieben wird, das wird sich vermutlich auf keinem Turnier der Welt verhindern lassen. Außer es geht streng gegen die Uhr. Benotungen sind nun mal immer subjektive Bewertungen einer Leistung und da wird es immer unterschiedliche Meinungen geben. Aber wenn die Medaillen-Vergabe allzu vorhersehbar gestaltet wird, so kommt bei Zuschauern Missmut auf.

Mein Fazit

Ich habe den Verdacht, dass wenn dieser Zustand (wieder-)hergestellt würde, auch wieder mehr Publikum zu den Bundeschampionaten anwesend wäre.

Das Bundeschampionat wird in großen Teilen von Fachpublikum besucht. Die möchten nun gern ihr Fachwissen zu Themen wie der Skala der Ausbildung angewendet sehen. Gerade bei so jungen Pferden! Die möchten diejenigen geehrt sehen, die die beste Leistung abliefern und nicht diejenigen, die sich mit Sponsoring positiv hervortun oder sonstwie gute Kontakte haben. Kurzum; das Fachpublikum möchte sich in Reiterei und Notengebung wiederfinden.

Natürlich wäre es auch möglich, sich weniger fachkundiges Publikum zu formen. Mehr zu erklären, oder mehr Show als Reitsport bieten. Aber das ist auch ein gefährlicher Schritt, denn da sind die Ansprüche langfristig deutlich weniger vorhersehbar.

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