Zuchtphilosophie

Eine Zuchtphilosophie oder in drei Schritten zum Erfolg

Eine humorvolle Zuchtphilosophie, um die drei wichtigsten Zutaten des erfolgreichen züchtens vorzustellen: Geld, Geduld und Glück.

Ursprünglich stammt dieses Zitat von Helmuth von Moltke und lautet „4 G dürfen einem Feldherrn nicht fehlen: Geld, Geduld, Genie und Glück.“ Für den Züchter und seine Zuchtphilosophie gilt ähnliches.

Geld

Der ungestüme Enthusiasmus des Zuchteinsteigers sorgt nicht selten für Irrläufe. Langsam gewachsene Strukturen erweisen sich oft als nachhaltiger. Wer in großen Dimensionen wirken möchte, sollte jedenfalls über das nötige Kleingeld verfügen. (siehe auch: Die Züchter und das liebe Geld)

Geld schadet bei der Umsetzung von Visionen sicherlich nicht, aber volle Taschen alleine reichen nicht aus. Der Reitsport und die Sportpferdezucht haben schon viele Reiche emporsteigen und ebenso sang – und klanglos wieder von der Bildfläche verschwinden sehen.

Nachhaltigkeit wird mit Geld alleine selten geschaffen. Dazu braucht es in erster Linie das geschulte Auge und den richtigen Riecher, um auf die richtigen Pferde zu setzen. Alternativ hilft ein guter Berater im Vorfeld und die schonungslose Kritik des Marktes. Teure Pferde müssen nicht immer gut sein, aber gute Pferde sind meist teuer.

Geduld

Eine klare Zuchtzielsetzung und Strategie zu definieren, hilft dabei, die richtigen Entscheidungen zu treffen. Die Beschäftigung mit der Frage was die eigene Nachzucht aus der Masse heraushebt und begehrlich macht, gehört unbedingt dazu.

Es gibt keine Kochrezepte und keine Garantien. Es braucht Visionen und Begeisterung. Aber ebenso die Bereitschaft die eigenen Zuchtprodukte und Anpaarungsentscheidungen immer wieder kritisch zu hinterfragen.

Eigene Visionen umzusetzen, auch wenn sie nicht dem gängigen Marktideal entsprechen, schafft Vermarktungs-Nischen, aber auch neue Risiken. Denn Outcross-Abstammungen müssen durchweg überzeugen, bevor jemand sein Geld hier anlegt. (siehe auch: Pedigree als Label)

Eine erschreckende Vielzahl von Züchtern pilgert ohne große Überzeugung zum nächsten Modehengst. Damit werden Nachkommen produziert, die in direkter Konkurrenz zu einer großen Anzahl von Fohlen steht. Wer ein Fohlen dieses Hengstes sucht, hat schließlich die Qual der Wahl. Wo viele Züchter es sich einfach machen wollen, machen sie es sich gegenseitig schwer. Also lieber die eigene Zuchtphilosophie auch mit Leben füllen.

Das Beste ist gerade gut genug für die Zucht. Aber ein Spitzen-Pedigree allein macht keine hochkarätige Zuchtstute aus. Wenn es so einfach wäre, könnte man einfach nur noch 1,60m Grand Prix Pferde miteinander kreuzen und voila, fertig ist das nächste Spitzenpferd. Es gibt reichlich Züchter, die über Generationen Spitzenhengste aneinanderreihen und trotzdem damit nicht den gewünschten Erfolg haben. Das allein kann also nicht des Rätsels Lösung sein.

Grundsätzlich gilt: Je besser das Stutenmaterial, desto leichter ist es überdurchschnittliche Fohlen daraus zu ziehen. Die Fähigkeit in Generationen zu denken, verkommt heute zur Aneinanderreihung von Modehengsten. (siehe auch: Modetrends in der Pferdezucht)

Glück

Tatsächlich gehört zur Pferdezucht eine gehörige Portion Glück. Das soll aber nicht etwa heißen, dass eine gelungene Anpaarung vor allem Glückssache wäre. Für mich bedeutet es, dass die Gesundheit der Pferde und der reibungslose Trächtigkeitsverlauf eben nicht selbstverständlich sind. Dazu gehört schlicht auch Glück.

Das Zuchtniveau soll nicht nur gehalten, sondern im Idealfall verbessert werden. Erst wenn Nachhaltigkeit entsteht, weiß der fleißige Züchter, dass er auf dem richtigen Weg ist. Dazu braucht es viel Sachverstand und Augenmerk auf die richtigen Faktoren und auch das notwendige Quäntchen Glück, dass die Pferde gesund bleiben und sich wie gewünscht entwickeln.

Sorgfalt in der Aufzucht der Jungpferde und ein hoher Standard in der Zuchtstutenbetreuung sind gute Garanten für gesunde Pferde. Wobei eingeräumt werden muss, dass wer ständig „Pech“ hat, sich mit den zugrunde liegenden Ursachen auseinandersetzen sollte. Aber ein klein wenig Glück gehört eben auch dazu, denn manche Unfälle sind schlicht nicht zu verhindern.

Meine persönliche Meinung

Diese humoristische Zuchtphilosophie. Ein guter Züchter braucht meiner Meinung nach neben genannten Attributen eine gute Beobachtungsgabe, viel Vorstellungskraft, sowie natürlich umfassendes Fachwissen. Die akribische Betrachtung und Auseinandersetzung mit den Zuchttieren bestimmt für mich, ob ein Züchter ein „glückliches Händchen“ mit seinen Anpaarungen hat.

Hinter Glück steht im Regelfall in der Realität viel Recherche und Denkarbeit. Ein positives Bauchgefühl ist die Krone dieser Vorarbeit. Oder wie es Tiger Woods einmal so charmant ausdrückte, als er auf die glückliche Fügung angesprochen wurde, die ihm zum Sieg verhalf: „Je mehr man trainiert, desto öfter hat man Glück.“ (Original: The more you train, the luckier you get.)

Der Wille zur Weiterbildung und kontinuierlichen Verbesserung treibt den Züchter zum Besuch von Zuchtveranstaltungen und Turnieren, die fachlichen Austausch und Input von Mensch und Tier ermöglichen. Nur wenn über das Gesehene entsprechend reflektiert wird, kann die eigene Zuchtphilosophie klar definiert werden. Aus einem solchen Engagement ergeben sich Anpaarungen aus Überzeugung, die sich nicht so sehr von wirtschaftlichen Erwägungen leiten lassen, sondern Sportleistung zum Ziel haben. Aber nicht nur (siehe auch: Leistung um jeden Preis?).

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