Pferdehaltung Box

Zusammenhang zwischen Haltungsbedingungen und Krankheit

In der Pferdehaltung hat sich viel getan in den letzten Jahrzehnten. Man ist weggekommen von Ständerhaltung und Stacheldraht. In weiten Teilen zumindest, denn den ein oder anderen Unverbesserlichen gibt es auch hier.

Es hat sich rumgesprochen, dass Paddock-Box oder zumindest ein Außenfenster sinnvoll für die Pferdegesundheit und Seele sind. Selbst die nach Haltungsaspekten ewig gestrigen Landgestüte fangen an (unter dem Druck des Tierschutzes!) für stundenweisen Koppelgang ihrer Hengste zu sorgen. Das lässt für die Zukunft hoffen.

Problematisch ist, dass viele Pferdehalter bei schlechten Haltungsbedingungen oder Hygienemängeln Warnhinweise nicht als solche wahrnehmen. Stattdessen werden munter Symptome behandelt.

Der ganz normale Wahnsinn

Es ist mitunter erstaunlich, was Pferde so alles wegstecken, ohne Auffälligkeiten zu zeigen. Aber nachfolgende Zustände deuten auf größere Defizite hin:

Ein schlechter Allgemeinzustand (gekennzeichnet von Abmagerung, Fressunlust, stumpfen Fell, entzündlichen Prozessen) entsteht nicht, wie gemeinhin angenommen, durch eine Kleinigkeit, die im Argen liegt, sondern hat meist vielerlei Ursachen. Ein gesundes Pferd würde Kleinigkeiten nämlich wegstecken, ohne sich gravierende gesundheitliche Einbußen anmerken zu lassen. Das ist bei einem Fluchttier auch sinnvoll, um sich nicht gleich als Schwächling und potentielles Opfer zu outen.

Die bei Boxenhaltung anzutreffenden Probleme wie:

  • angelaufene Beine,
  • Husten,
  • Verhaltensauffälligkeiten (Treten gegen Boxenwände, Apathie, Koppen, Weben)

gehören in vielen Ställen zur Normalität. Die allwinterlichen Ausreden, warum Pferde nicht vor die Tür sollen (Regen, Kälte, Matsch, Platzmangel, Verletzungsgefahr), sind rein menschliche Blickwinkel. Denn man ändert nichts daran, dass Pferde gänzlich ungeachtet der Witterungslage Lauftiere bleiben.

Man muss es einmal so deutlich aussprechen:

Pferde, die in Boxen gehalten werden, nehmen daran Schaden, wenn sie nicht ein Mindestmaß an ausgleichender Bewegung erhalten.

Und nein, ein alibimäßiges Herausbringen für wenige Stunden am Tag oder die tägliche Reitstunde ändert nichts daran. Es verbringen immer noch viele Pferde den Großteil des Tages in ihrer Box.

Tritt dann doch ein gravierender Mangel auf, so werden therapeutische Maßnahmen getroffen, zumindest so lange wie unbedingt nötig. Im Falle von

  • Kolik,
  • Magengeschwüren,
  • Kotwasser,
  • Hautkrankheiten,
  • Parasitenbefall,
  • Warzen etc.

wird dies selbstredend tierärztlich betreut. Buscopan gegen das Bauchgrimmen, Gastroguard gegen die Magenprobleme und schon wird es wieder. Das Gewissen des Pferdebesitzers ist derweil im Reinen; man tut schließlich alles, was man kann. Der Tierarzt ist verständigt, man findet eine Lösung. Nur die Ursachen in der Pferdehaltung bleiben bestehen.

Um es zusammenzufassen: Reine Boxenhaltung verursacht Schäden an Bewegungsapparat, Verdauungsapparat, Atmungsapparat und Seele.

Wenn Pferde unter als „normal“ akzeptierten Haltungsbedingungen krank werden, dann können die Maßstäbe noch nicht hoch genug sein.

Was hält Pferde gesund?

Es fehlt vielerorts immer noch das Bewusstsein für den Zusammenhang zwischen Haltung und Krankheit. Denn dass die oben genannten Krankheiten nicht (oder nur im unwahrscheinlichsten Einzelfall) in einem gesunden Pferdebestand unter optimalen Haltungsbedingungen auftreten, sagt keiner dem Pferdehalter so deutlich.

Ich kenne mehrere Betriebe, die trotz einem Pferdebestand von deutlich über 100 Pferden über Jahrzehnte keine einzige Kolik verzeichnet haben. Andere deutlich kleinere Betriebe kämpfen damit Jahr für Jahr.

Ein Blick auf die Haltungsbedingungen zeigt die Lösung des Rätsels. Bei Haltung auf der Ganzjahresweide mit 24 Stunden Raufutterzugang muss es schon zu erheblichem Stress, Verwurmung oder genetischer Disposition kommen, damit überhaupt jemals eine Kolik im Bestand auftritt. Das ist sicher kein Zufall!

Es ist auch kein Zufall, dass man kranke Pferde ohne klare Diagnose gern mal für ein Jahr auf die Weide verabschiedet. Die einzige Zauberformel, die alle Pferde-Krankheiten gleichermaßen heilt lautet: Licht, Luft und Bewegung!

Was denkt sich der Mensch dabei?

Die aus mäßigen Haltungsbedingungen resultierenden körperlichen und seelischen Schäden bei Pferden sind nach meiner Beobachtung immens. Das geschieht jedoch in den seltensten Fällen aus böser Absicht, sondern zumeist aus Unwissenheit oder Egoismus. Leidensdruck für den Menschen ergibt sich schließlich nur aus der finanziellen und emotionalen Belastung durch die Krankheit seiner Pferde. Aber eben auch das Gefühl gebraucht zu werden.

Es mag auch zu diesem Problem beitragen, dass immer mehr Menschen Pferdehaltung und Pensionsställe betreiben, die hierfür nicht das notwendige Grundlagenwissen mitbringen. Mit der Übernahme der Verantwortung für ein Pferd ist der Pferdehalter aber in der Bringschuld.

Fazit

Aber das Wissen um den Schaden, den man an seinen Pferden durch schlechte Pferdehaltung anrichtet, fordert Konsequenzen. Das ist unbequem, denn wer es besser weiß, der muss sich über Ursachen Gedanken machen oder diese gar abstellen. Der Wunsch über Wunderheilmittel X oder Pülverchen Y alle Probleme zu beseitigen, ist weit verbreitet. Aber in den allermeisten Fällen hilft nur eine starke gesundheitliche Basis zu schaffen und dafür muss jeden Tag etwas beigetragen werden.

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Veröffentlicht von

Iris Wenzel

Erfolg mit dem Pferd, ohne auf Kosten des Pferdes zu arbeiten - geht das? Natürlich. Wissen ebnet den Weg dorthin. Iris Wenzel züchtet Springpferde für die Sportpferdezucht auf Basis von viel Vollblut, ist Fachbuchautorin und betreibt den Hippothesen Blog aus Freude an Texten, Fotografie und der Liebe zu den Pferden.

7 Gedanken zu „Zusammenhang zwischen Haltungsbedingungen und Krankheit“

  1. Sehr schöner Artikel. Spricht mir aus der Seele. Mein Pferd steht seit 8 Jahren im Offenstall. 24 Stunden am Tag so wie er es mag und war in der ganzen Zeit nie ernsthaft krank. Auch braucht er keine Decke. Steht im Wind und Regen draußen. Weil er es so will denn der Stall steht leer daneben. Da gehen sie nur zum Fressen rein.Allerdinge ist er oft sehr sehr schmutzig und das Putzen dauert dann schon mal ne Dreiviertelstunde.

  2. Meine Isländer kannten bis im Alter von vier Jahren gar keinen Stall oder eine Box – sie lebten frei im Herdenverband. Die Stute erträgt eine Box nur schwer, sie bekommt darin regelrecht Beklemmungen. Seitdem sehe ich „normalo“ Ställe mit Boxen mit ganz anderen Augen: das sind Pferdeknäste, Folter, nichts anderes! Die Tiere haben sich halt damit abgefunden, ihr Leiden ist leicht zu übersehen. Nie würde ich meinen geliebten Pferden sowas antun. Sie leben im Winter auf einem riesiegen Paddock mit ab und an Weide und im Sommer genauso mit mehr Weide. Wir hatten noch nie eine Kolik o.ä.

  3. Mein Pferd hat seit je Sommerekzem. Mit Ekzemer Decke wird es auf der Koppel schlimmer sogar es paddog muss ich zu machen .wie ist es mit einem Ekzemer ?

    1. Immunsystem behandeln….oft sind Schwermetallbelastungen mit in Spiel usw. Kann nur von sehr gute THP gemacht werden.
      Wann immunsystem OK vergeht auch Allergien, Disposition besteht immer noch…daher stets aufmersam sein und bei Bedarf reagieren

  4. Die Behörden bringen die Tiere mit der Gewerbeordnung um!

    Die gewerbliche Tierhaltung ist eine kriminelle Erfindung von Juristen, Behörden, Gerichtshöfen! JEDES Tier ist ein Leben lang ein Naturprodukt! Eine Haltung von Tieren in gewerblichen Betriebsanlagen ist abnormal! Auch die dafür notwenige Flächenwidmung ist abnormal. Die normal verrechnete 20% MWSt ist tierfeindlich.

    Das Wesen der Tierhaltung ist die Fütterung! Nur mit Hilfe der Naturkräfte kann das Tier gewonnen werden. Diese tierische Veredelung nennt man auch land- und forstwirtschaftliche Veredelung!

    Sorglose Behörden sind das Übel der Zeit und gemeingefährlich!

  5. Auf die Gefahr hin mich unbeliebt zu machen.

    Ich gehöre einer Generation an, in der Pferde wie selbstverständlichen in Ständern und/oder in keinen Boxen gehalten wurden.

    Diese Pferde standen die Woche über vielfach ohne Bewegung auf ihren Plätzen und von Freitag bis Sonntag hieß es arbeiten.

    Als Reitpferde im Verleihbetrieb und als Kutschenpferde hatten sie gerade vom Frühling bis Herbst viel zu tun.

    Diese Pferde hatten alle ein hohes Alter und verrichteten ihre Dienst dementsprechend lang. Auch wenn man es mir nicht glauben mag und es heutzutage – möglicherweise – als Rechtfertigung von damals dienst, diese Pferde waren so gut wie nie krank.

    Alles das, was heute als Problemchen deklariert wird, gab es damals so gut wie gar nicht.

    Sicher, es waren immer mal Tiere darunter, die mit den Bedingungen nicht klar kamen, aber ganz ehrlich und ich kann von mir sagen, dass ich hunderte dieser Tiere gesehen und erfahren haben, alle waren wohl genährt, ließen trugen Reitanfänger artig durch die Landschaft und alle waren zufrieden.

    Heutzutage wird alles das, was früher „normal“ war, als nicht pferdegerecht, tierquälerisch etc. verschrien. Sicherlich war es das Mancherorts auch, aber die Regel war es nicht.

    Damals hatten die Leute nicht so viel Geld um teures Drumherum für ihre Pferde zu besorgen. Die Tiere wurden gehegt und gepflegt, weil alles andere wäre viel zu teuer gewesen.

    Deshalb, ich gehe mit den Zuständen von damals sicherlich nicht so hart ins Gericht, wie es heute getan wird. Warum … weil ich es erlebt habe und von mir sagen kann, dass es nicht so schlimm war, wie es jetzt dargestellt wird.

    Alles hat seine Zeit und ein Pferd auf der Wiese ist sicherlich die schönste Lösung, dennoch nicht alles ist heute besser.

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