Kleine Züchter

Rückgang und Entwicklung der Pferdezucht

Der reichlich überfüllte Pferdemarkt hat zu einem Einbruch in den Bedeckungszahlen gesorgt. Endlich, muss man wohl sagen. Jede Abnahme der Bedeckungszahlen ist für die Marktsituation als positiv zu werten. Aber ein Wehmutstropfen bleibt. Denn es bleibt abzuwarten, wie sich diese von Rationalität getriebenen Zuchtaufgaben auf die Gesamtqualität der Zucht und Population auswirken. Schließlich ist fraglich, ob wirklich die richtigen Züchter vernunftgetrieben die Zucht einstellen.

Veränderung der Strukturen

Die Anzahl der Züchter aus eingesessenen Züchterfamilien nimmt deutlich ab, zugunsten von Übersiedlern aus dem Reiterlager. Der blinde Wunsch mancher Reiter ein eigenes Fohlen zu ziehen, ist leider zumeist dem qualitativen Anspruch deutlich vorangestellt.

Diese Art Züchter lässt sich auch kaum durch monetäre oder sonstige rationale Argumente von ihrem Zuchtversuch abbringen. Auch die Aufzucht und Vermarktung der Fohlen ist durch spontane Auseinandersetzung mit sich entwickelnden Problematiken behaftet als echter Planung.

Es wird sich zeigen, was daraus auf lange Sicht hervorgeht.

Aber ist die Entscheidung für die Zucht denn hier immer eine Entscheidung wider die Vernunft?

Ein Zuchteinstieg muss schließlich immer in irgendeiner Form ihren Anfang nehmen. Welcher gestandene Züchter kann schon für sich behaupten, bereits bei der ersten Anpaarung das Wissen von heute gehabt zu haben?

Es heißt also geduldig zu sein mit den neuen Züchtern. Man muss sich vor Augen halten: Die Anzahl der Züchter mit 1-2 Zuchtstuten macht den größten Anteil der Züchter aus. Hier wird deutlich, dass der Großteil der Züchter hiermit vor allem eine Passion ausgelebt. Diese wird finanziell (zur Not auch irrational und unrentabel) gestützt.

Ist das denn schlimm?

Eine reine Marktorientierung ist für die Pferdezucht insgesamt meiner Meinung nach nicht immer förderlich. Denn heute geht es bei vielen nicht nur darum, was man verkaufen will, sondern was man verkaufen kann.

Das kann für eine sportorientierte Population nicht förderlich sein, weil nicht alle hochkarätigen Pferde sich im Fohlenalter zu erkennen geben. Auf was sollen sie auch selektiert werden?

Eine mit viel Passion und Überzeugung betriebene kleine Zucht kann ein sinnvoller Gegenpol zur Entwicklung hin zur Marktkonformität sein. Eine Armada aus „schicken Schwatten“ Pferden, beziehungsweise der Einheitsbrei für den sie stehen, kann doch kein Mensch wollen.

Ich denke es ist gut, dass die Passion für so viele Züchter im Vordergrund steht und nicht der finanzielle Aspekt. Auf das Durchhaltevermögen der kleinen Züchter kommt es also an. Und den hoffentlich längeren Atem als bei denjenigen, wo es vor allem auf schwarze Zahlen unterm Strich ankommt. Die Zucht wird sich im besten Fall dadurch gesundschrumpfen.

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Veröffentlicht von

Iris Wenzel

Iris Wenzel züchtet Springpferde für die Sportpferdezucht auf Basis von viel Vollblut, ist Fachbuchautorin und betreibt den Hippothesen Blog aus Freude an Texten, Fotografie und der Liebe zu den Pferden. Ziel ist der Erfolg mit dem Pferd, ohne auf Kosten des Pferdes zu arbeiten.

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