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Haltbarkeit – Die Warnsignale des Pferdes für Überlastung im Sport

Für das Management des Sportpferdes stellt sich eine wichtige Frage: Ist mein Pferd hoher sportlicher Belastung gewachsen? Im englischen würde man sagen: Up to the job? Woran man das als Besitzer erkennt und was klassische Warnsignale für ein körperlich überfordertes Pferd sind, darum geht es in diesem Beitrag.

Sportleistung – was ist realistisch?

Die sportlichen Ambitionen von Reiter und Pferd gehen schon mal auseinander. Da heißt es oft lapidar „hat nicht gehalten“ oder „ist nichts draus geworden“. Denn es reicht ja nicht, wenn das Pferd ein Kracher ist, es muss auch lange genug halten, um sein Talent ausspielen zu können.

Und zuletzt immer die Frage: Passen die Ambitionen des Reiters zu dem Pferd, oder wird das in Überforderung enden? Ansonsten trennen sich die Wege besser früher als später. So eine Ausbildung ist schließlich langwierig und teuer. Da setzt man besser auf ein erfolgsversprechendes Pferd.

Was ich stattdessen oft beobachte, ist Unschlüssigkeit.

Denn oft sind Reiter gefangen in dem unguten Gefühl, dass ihr Pferd irgendwie ständig krank wird. Es fängt an damit, dass es nicht einmal gesund durch eine Turniersaison kommt. Das fordert viele Zweifel heraus und bringt ständige Trainingsrückschritte mit sich. Und immer wieder die bange Frage: Ist das nur ein einmaliger Ausfall oder gibt das niemals etwas? Setze ich falsche Hoffnungen in dieses Pferd?

Eine Glaskugel, zum in die Zukunft sehen, hat natürlich niemand. Aber es hilft schon mal, wenn man lernt, Probleme frühzeitig erkennen. Denn es gibt durchaus Signale, die gewissermaßen eine rote Flagge darstellen. In meinen Augen gibt es viele Warnsignale, die Reiter oft übergehen. Nicht so sehr aus bösem Willen heraus, wie ich meine, sondern oft der Unwissenheit geschuldet. Deswegen habe ich nachfolgend die häufigsten Warnsignale zusammengetragen.

Die 3 wichtigsten Warnsignale

1. Leistungseinbußen bemerken

Studien zufolge sind vor dem Auftreten eines veterinärmedizinischen Problems, das die Karriere eines Sportpferdes unterbricht oder beendet, häufig bereits über Monate für dessen Reiter Leistungseinbußen zu bemerken. Im Durchschnitt wurden bei Studien eine abnehmende Leistungsfähigkeit des Pferdes über einen Zeitraum von rund 12 Monaten beklagt, was keiner klaren Ursache zugeordnet werden konnte.

Das heißt im Umkehrschluss, Reiter trainieren ihr Pferd ein Jahr lang weiter, bevor sie es zu einem umfassenden Check zu einem Profi bringen. Das ist viel Zeit, die -ungenutzt verstrichen- selbst bei einem kleineren Problem zu einem oft so schwerwiegenden Schadensausmaß führt, dass es jetzt tatsächlich nicht mehr behoben werden kann.

2. Früherkennung einer Lahmheit

Der Früherkennung von Taktunreinheiten und Lahmheiten wird auch in Profikreisen oft nicht genug Aufmerksamkeit geschenkt. Mein subjektiver Eindruck von den ländlichen und internationalen Turnieren dieser Welt bestätigt dies.

Das äußere ich aber nicht lediglich als eine vage Vermutung oder Beobachtung. Denn in einer Studie wurden Reitpferde, die von ihren Reitern als „gesund“ eingestuft wurden, unter turnierähnlichen Bedingungen vorgemustert. Anschließend wurden die Pferde von einem Team aus Tierärzten, Osteopath, Sattler und Hufschmied gründlich untersucht. Dabei wurde bei der überwiegenden Mehrheit der Pferde geringgradige Lahmheiten festgestellt. Das zeigt, dass Lahmheiten äußerst weit verbreitet sind und Reiter nicht immer in der Lage, diese festzustellen.

3. Schmerzgesicht beobachten

Ich sehe viele Pferde, die ihrem Besitzer und Umfeld als unauffällig gelten und mich tot anstarren. Solche Bilder werden mit einer Häufigkeit von den Besitzern stolz auf Social Media Kanälen gepostet, dass es mir ganz mulmig wird. Aber es ist doch nur ein schlechtes Gefühl meinerseits… Denn „tote Augen“ sind schwer zu definieren und sicher Interpretationssache.

Denkste! Forscher haben sich der Sache angenommen. Zu meinen Erstaunen musste ich feststellen, dass viele Merkmale, die gemeinhin als „Unrittigkeit“ abgestempelt werden, in der Gesamtheit betrachtet, erste Hinweise auf Lahmheiten sind. Sie sind dabei sogar sicherer in der Diagnostik als die klassische Lahmheitsuntersuchung. Seitdem achte ich auf den Gesichtsausdruck des Pferdes noch mehr als vorher. Ein Schmerzgesicht ist ein erster Hinweis auf Probleme und der starre Gesichtsausdruck zählt dazu.

Was ist Lahmheit?

Lahmheit ist für das Pferd eine Form der Kompensation. Eine Abweichung von der Norm ist also erst einmal ein „normales“ Ausgleichen von unangenehmen Bewegungsmustern. Denn diese müssen nicht aus einer Krankheit stammen, sondern können auch konstruktionsbedingt vorliegen.

Eine Lahmheit ist demnach eine Erscheinung auf einem Kontinuum, die nicht „plötzlich“ zu einem medizinischen Problem wird, sondern eher ab einem bestimmten Zeitpunkt von Menschen war genommen wird. Alles was davor passiert, gilt als gesund.

Das konnte anhand von Videosequenzen und Bewegungsanalysen auf Druckmessplatten herausgefunden werden. Es ist also mitnichten so, dass eine Lahmheit eine abschließende Liste von Ursachen hat, die nur gefunden werden muss. Sondern eher eine schwammige Definition hat, weil es eine hochkomplexe Reaktion des individuellen Körpers auf sein Problem darstellt. Deswegen ist Lahmheitsdiagnostik auch so schwer umzusetzen und auch von Experten nicht immer zielsicher zu lokalisieren.

Wo führt uns das hin?

„Ein Pferd kann ja mal krank sein oder sich verletzen!“ heißt es von Reitern gerne. Aber für mich gilt es Gesamtzusammenhänge zu erkennen. Denn manche Pferd tun das oft und andere nie. Ich persönlich habe mehr Freude an harten Pferden und als Züchter sehe ich auch die Verantwortung, nach Wegen zu suchen, Ausfälle zu minimieren. Alle diese Themen sind letztlich direkt mit der Haltbarkeit des Sportpferdes verbunden.

Wir können nur sinnvoll darauf reagieren, mit der Auswahl von Pferden, die qualitativ unsere sportlichen Ambitionen erfüllen und körperlich in der Lage sind, diesem Job -zum Beispiel im Springsport- langfristig auszuhalten. So ein Pferd darf per Definition schon nicht bei jeder Gelegenheit einen „gelben Schein“ einreichen.

Ich persönlich möchte sogar noch einen Schritt weiter gehen und weg kommen von unnötigem Verschleiß im Sport, hin zu einer Beurteilung der Leistungsfähigkeit vor der Ausbildung. So dass nur solche Pferde ein langjährige Ausbildung bei einem Profi erfahren, die höchsten sportlichen Ansprüchen später auch genügen.

Was tun gegen die Unsicherheit?

Die Früherkennung eines Problems muss jeder Pferdebesitzer für sich verbessern lernen. Denn hierzu kann und sollte man sich die Unterstützung von Trainern und Tierärzten holen. Aber auch von denen werden subtile Anzeichen oft ignoriert.

Vielfach kennen die Besitzer ihre Pferd selber am besten. Wenn sich etwas nicht normal anfühlt, ist das immer ein Warnsignal. Dieses ungute Gefühl wahrzunehmen und nicht mit einem „der läuft sich schon warm“ oder „der ist halt so steif“ abzutun, ist der erste Schritt. Nur so kann eine Änderung des Trainingsplans oder Anpassung des Trainingsziels erfolgen.

Fazit

Wenn das Pferd krank ist, leidet der Besitzer oft mit. Ich erlebe diese Momente voller Schuldgefühle und Selbstzweifel zu oft, geschuldet der Absicht, alles Mögliche zu tun, damit das Pferd wieder gesund wird.

Als Züchter sehe ich es als meine Pflicht an, nur gesunde Pferde in der Zucht einzusetzen und trenne mich zeitlebens konsequent von Pferden, deren laufende Tierarztkosten mir suspekt sind. Das ist ein erster Schritt, zu dem ich jedem nur raten kann.

Aber es geht für den Sportreiter um mehr; denn Selektion kann nur dann erfolgen, wenn man weiß, was Aspekte sind, die sportliche Haltbarkeit begünstigen. Da sehe ich Schwächen in den vorhandenen Systemen und vor allem viel Potential zur Verbesserung der Herangehensweise.

Wie wäre es, wenn man stattdessen den Fokus ändert? Statt Löcher zu stopfen, gleich Pferde selektiert, die den Belastungen gewachsen sind? Denn das ist im Sinne des Tierschutzes und erspart allen Beteiligten viel Zeit, Geld und Nerven.

Worauf man hierzu achten muss und was wirklich wichtig ist für eine Einschätzung von Leistungsfähigkeit eines Sportpferdes, darum geht es in meinem neuen Onlinekurs. Wenn Du Unterstützung brauchst, melde Dich bei mir.

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