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Leistung ohne Verschleiß am Pferd

Irgendwie scheint es unter manchen Reitern eine These zu geben, die sportliche Leistung eines Pferdes mit Missbrauch gleichsetzt. Also sobald sportliche Leistung abverlangt wird, geht das quasi automatisch zu Lasten des Pferdes.

Mangel an Freiwilligkeit

Ich meine ich verstehe das Argument zu sagen, ein Pferd sucht sich den Sport niemals selbst aus, sondern wird immer von seinem Reiter dazu verwendet.

Dass ein Tierschutz-Fanatiker einfach mal Reitsport mit Tierquälerei gleichsetzt, ist das eine. Aber oft sind es selbst Reiter, die der Meinung sind, sportliche Höchstleistung ließen sich nur über einen Missbrauch am Pferd erreichen.

Ich persönlich finde es schade, dass die Phantasie anscheinend nicht so weit reicht, sich vorzustellen, dass ein Pferd Freude am Sport haben könnte. (siehe auch: Kein Pferd springt freiwillig)

Aber für mich sind das meist Thesen, die es an inhaltlicher Substanz vermissen lassen. Das ist eher ein Mindset-Thema bei den Kritikern als reale Vorkommnisse.

Gedankliche Zusammenhänge herstellen

Aber woher kommt überhaupt dieser Zusammenhang in den Köpfen?

Ich persönlich bekomme eine Krise, wenn es so pauschal heißt: Leistung bedeutet Verschleiß. Welche Belastung macht was genau? Und bei welcher Nutzung überhaupt? Und nach welchem Training? Unter welchem Management? Da gehören schließlich eine Menge Aspekte zu.

Denn die Frage ist doch immer zuerst einmal, für welche Art von sportlicher Leistung das Pferd von seinem Reiter genutzt wird. Erst dann kann man reell ein Votum darüber abgeben, ob der Körper des Pferdes diesem Anspruch auch gewachsen ist.

Aber es kann doch nicht ernsthaft davon ausgegangen werden, dass sportliche Leistung zum Schaden des Pferdes ist. Wann soll der einsetzen? Ab X Kilometer Laufleistung, wie bei einem Auto?

Nichts hilft Verschleiß zu vermeiden, wie ein funktionales Exterieur. Gemacht für die Leistung, die das Pferd erbringen soll. Und damit meine ich jetzt nicht die zu kurz gedachten höher, schneller, weiter Bestrebungen in der Pferdezucht. Sondern das, was der Sport hervorbringt. Spitzenpferde sind der Maßstab für ein Höchstmaß an Leistung, ohne gesundheitliche Einbußen.

Das klappt nicht immer

Wenn Sieger zu züchten der Maßstab für die Zucht wäre, so hätten wir sicher gesündere Pferde, aber natürlich wird es immer Pferde geben, die nicht den Ansprüchen standhalten. Sei es allein aus Unwissen oder Risikofreudigkeit des Reiters, Verletzungspech, genetischer Varianz oder was auch immer der Hintergrund.

Es ist vermessen zu glauben, dass jedes Pferd nur aufgrund seiner Abstammung ein Spitzenpferd werden wird. Vererbung ist immer ein bisschen wie ein Glücksspiel. Wer das bestreitet, verkennt Grundprinzipien der Biologie. Man sehe sich nur mal den Vollbruder zu Gotha an, oder von anderen Spitzenpferden, die den Ansprüchen nicht gerecht werden.

Was Verschleiß wirklich auslöst

Ich denke, was wirklich Verschleiß bei einem Sportpferd fördert sind drei Dinge:

  1. Physiologisch falsches Training (ständige Wiederholungen sind dann besonders schädlich).
  2. Zu hohe sportliche Belastung für das individuelle Pferd, gemessen an seiner körperlichen Leistungsfähigkeit.
  3. Mangel an Bewegung.

Die beiden ersten Punkte erfordern ein Höchstmaß an Pferdekenntnis, um früh genug zu sehen, wenn zu viel verlangt wird. Oder am besten gleich ein Pferd zu kaufen, das den eigenen sportlichen Ansprüchen auch gerecht werden kann.

Was sich aber viele Reiter nicht bewusst machen: Auch ein Mangel an Bewegung löst eine hohe Belastung für das Bewegungstier Pferd aus.

Viele Reiter halten es für schonend, wenn sie ihr Pferd nicht viel anfassen, es ohne jeden Spannungsbogen oder in unphysiologischer Haltung langsam laufen lassen. Wenn das Pferd auf der Vorhand hängt und sich nicht setzt, ist das aber dauerhaft auch verschleißintensiv. Wesentlich mehr jedenfalls, als es aufzurichten und mit Arbeit zu fördern.

Denn das ganze Pferd ist auf Bewegung ausgelegt: Es gibt mehrere Stoßdämpferfunktionen in allen Bereichen des Pferdekörpers, die komplette Vorhand ist ein einziger Stoßdämpfer in der Fortbewegung. Das Netz aus Faszien zeigt uns, was positive Spannung alles zum Positiven bewirken kann.

In der Bewegung kann das Pferd beginnen zu strahlen, wenn man es denn zulässt. Dass das vielerorts aus Unkenntnis nicht geschieht, ändert daran nichts.

Fazit

Ich glaube, es hilft, sich von dem gedanklichen Muster Bewegung sei gleichzusetzen mit Verschleiß zu trennen. Denn es gibt viele alte Pferde mit beeindruckender Lebensleistung bei robuster Gesundheit. Ebenso sollte man sich vorhalten, dass nichts ein Pferd so sehr schützt, wie ein sinnvoll aufgebautes Training.

Es gibt also viele Dinge, die man als Pferdebesitzer zum Wohle des Pferdes tun kann, um ihm ein freudiges Sportpferdeleben zu bescheren. Nämlich genau hinsehen und das Training auf die Möglichkeiten des Pferdes ausrichten.

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