pferdehaltung

Was macht ein Pferd den ganzen Tag?

Wie verbringen Pferde eigentlich ihren Tag? Mittels wissenschaftlicher Studien und Beobachtung lässt sich gut herausfinden, was Wildpferde in freier Natur so treiben. Das gibt interessante Rückschlüsse darauf, wie sich Pferde ihren optimalen Tag gestalten. Damit ultimativ auch Auskunft darüber, was eine optimale Haltungsform für Pferde ist. Weiterhin gibt es Studien darüber, wie sich Pferde in unterschiedliche Haltungssystemen verhalten und wie sich dies auf ihre Gesundheit auswirkt. Ich möchte ein paar Essenzen daraus hier präsentieren.

So sieht der Pferdealltag aus

Bei der Untersuchung von Tagesabläufen von wild lebenden Pferdeherden kommt in etwa folgende Zusammenstellung heraus:

So sieht der Pferdealltag aus

50% Futteraufnahme

Ein Pferd ist ein Dauerfresser, daher ist es auch nicht verwunderlich, wenn es den Großteil seines Tages mit der Aufnahme von Futter verbringt. Es ist auf rohfaserreiche und wenig gehaltvolle Nahrung eingestellt. Die ständige Futteraufnahme ist für das Pferd wichtig, sowohl für das Körperliche Wohlbefinden (Magensäure wird ständig produziert und muss durch Speichel gepuffert werden), aber auch für das seelische Wohlbefinden (es bleibt sehr viel Tageszeit übrig, wenn Futteraufnahme innerhalb von Minuten mit hochkonzentrierter Nahrung erledigt ist).

35% Ruhepausen/ Stehen

In der Gegend stehen, sein Umfeld beobachten, in der Gruppe ruhen, das sind ebenfalls wichtige Bestandteile des Pferdelebens. Am sichersten fühlt es sich hierbei, wenn es dabei nicht alleine ist. Denn die Herde bietet Schutz und lässt es seine Systeme runterfahren und erholen. Eine aktive Pause dient dem Pferd für sein seelisches Gleichgewicht.

10% Bewegung

Bewegung ist zwar kein großer Anteil des Pferdelebens, dafür sind die dabei zurückgelegten Distanzen durchaus beachtlich. 30 Kilometer pro Tag und mehr sind keine Seltenheit. Dabei bewegen Pferde sich überwiegend bummelig im Schritt und wechseln typischerweise nur bei Gefahr oder im Spiel zu höheren Gangarten.

Der ständige Bewegungsanreiz fehlt den allermeisten Pferden in Reitbetrieben. Das ist schlecht für den Bewegungsapparat und die Hufe. Denn Hufwachstum wird unter anderem durch Bewegung stimuliert. Wer steht, dem fehlt dieser Anreiz und verkümmert. (siehe auch: Können Sportpferde barfuß gehen?)

4% Schlaf

Schlaf scheinen Pferde nur wenig zu benötigen, zumindest wenn man sie mit dem Menschen vergleicht. Ein erwachsenes Pferd verbringt nur etwa 1-2 Stunden täglich im Tiefschlaf. Fohlen schlafen deutlich mehr. Am liebsten schlafen Pferde zwischen 24:00 und 04:00 Uhr, wohingegen ihre aktivste Zeit zwischen 08:00 und 20:00 Uhr liegt.

1% Körperpflege

Eigene und gegenseitige Körperpflege nehmen zwar nur etwa 1-2% des Tages ein, dafür spricht diese Zeit sehr stark das Zentrum des Wohlbefindens des Pferdes an.

Was uns die Wildpferde nicht sagen können

Berücksichtigt werden muss hierbei, dass Wildpferde oft Zwängen unterliegen. Sie bewegen sich also nicht automatisch gerne 30 Kilometer pro Tag, nur weil sie es tun. Sondern dies kann eine Notwendigkeit aus ihrem Umfeld heraus sein, weil Weidegründe und Wasserfläche um diese Distanz auseinander liegen. Somit würden sie sich nicht freiwillig um diese Strecke bewegen, weil sie natürlich aus dem Überlebensinstinkt heraus immer versuchen werden, Ressourcen schonend mit ihren Kräften umzugehen.

Dennoch sind ihre Körper auf diese Art von Belastung ausgerichtet und über Jahrhunderte selektiert. Somit geben diese Daten schon die Möglichkeit, Rückschlüsse für eine Beurteilung der Verhaltensweisen von domestizierten Pferden zu ziehen.

Nur in einem reiterlichen Umfeld stehen alle wichtigen Fixpunkte im Tagesablauf eines Pferdes (Futter, Wasser, Mineralleckstein etc.) in unmittelbarer Nähe zueinander.

Einblicke in das verborgene Leben der Pferde

Meinem Treiben als Züchter ist es zu verdanken, dass es für mich durchaus üblich ist, meine Stuten (zumindest für einige Wochen vor der Geburt) per Kamera zu überwachen. Dies dient vor allem pragmatischen Gesichtspunkten, um sich nicht die Nächte im Stall um die Ohren zu schlagen. Moderne Technik macht es möglich, zu relativ geringen Preisen, die Pferde Tag und Nacht mit Infrarotkamera beobachten zu können.

So erfährt man viel über das nächtliche Treiben der Pferde, was den meisten Reitern, selbst wenn sie die Pferde am Haus stehen haben, verborgen bleibt.

  • Wie viel schläft das Pferd?
  • Wer kommt mit wem an seiner Seite zur Ruhe?
  • Welche Schlafplätze sind bei unterschiedlichen Witterungsbedingungen besonders beliebt?
  • Bleiben die Pferde bei Regen draußen?
  • Wie viel Zeit verbringen sie mit Futteraufnahme/ Bewegung/ Kontakt mit anderen Pferden?

Wer kommt mit wem an seiner Seite zur Ruhe? Welche Schlafplätze sind bei unterschiedlichen Witterungsbedingungen besonders beliebt? Bleiben die Pferde bei Regen draußen? Wie viel Zeit verbringen sie mit Futteraufnahme/ Bewegung/ Kontakt mit anderen Pferden?

Bedürfnisse sind unterschiedlich

Natürlich hat jedes Pferd seine ganz eigenen Bedürfnisse. Diese kann ein Pferd abhängig von den Möglichkeiten, die sein Stall ihm bietet, unterschiedlich ausleben.

Ich beobachte, dass Pferde ihre Zufriedenheit mehr aus dem sozialen Miteinander (Ruhe und Umgang in der Herde) ziehen, sowie aus der Möglichkeit der freien Entscheidung zu einer Handlung (Stehen oder bewegen) als über die Kilometer, die sie sich täglich bewegen.

Auch sehr energiegeladene Pferde verbringen meist nicht ihre Zeit damit umherzutoben. Das legt sich ohnehin oft, wenn die Pferde hierzu jederzeit die Möglichkeit haben und ist eher ein Zeichen von mangelnder Auslastung von Boxenpferden. Allerdings gibt es auch sehr verspielte Exemplare (nach meiner Beobachtung oft Wallache), die diesem Aspekt viel Zeit widmen. Bei Fohlen ist zu beobachten, dass Stuten eher zu Bewegungsspielen neigen und Hengste zu Raufereien.

Was kann man mit der Kamera entdecken?

Das geheime Leben der Pferde. Wenn sich Pferde unbeobachtet fühlen, wird man viele Verhaltensweisen erst zu Gesicht bekommen, denen Menschen mit Ablehnung gegenüberstehen.

Man kann zum Beispiel feststellen, dass sich zwei Boxennachbarn die ganze Nacht über anzicken und deswegen mürrisch und schlecht gelaunt sind, Rückenschmerzen haben vom ständigen Kopf hochreißen oder weil sie schlecht schlafen. (Was bedeutet, dass ein anderer Boxennachbar sinnvoller wäre.)

Man kann feststellen, dass ein Pferd die ganze Nacht ohne Unterlass damit zubringt, am Futterautomaten herumzurütteln, in der Hoffnung damit eine Mahlzeit auszulösen. (Was bedeutet, dass es sinnvoll wäre, den Automaten außerhalb des Zugriffs des Pferdes anzubringen.)

Die Handlungen unserer Pferde bleiben uns regelmäßig in großen Teilen verborgen und jede Einsicht in den Pferdealltag kann helfen zu beurteilen, wie eine bessere Haltungsform für dieses Pferd aussehen könnte.

Daraus eine perfekte Haltungsform abzuleiten und anzupreisen fällt mir jedoch schwer.

Verbreitete Haltungssysteme

Nachfolgend möchte ich ein paar der am weitesten verbreiteten Haltungsformen vorstellen und ihre Vor- und Nachteile kurz beleuchten.

Einzelbox

Wichtig: Das Tierschutzgesetz sieht vor, dass es eine Mindestfläche in einer Box für ein Pferd gibt. Die wird nach folgender Formel berechnet: doppelte Widerristhöhe zum Quadrat. Das heißt, dass bereits ein 1,70 Meter großes Pferd in einer Box stehen sollte, die eine Mindestgrundfläche von 12 Quadratmetern (also zum Beispiel 3 x 4 Meter) aufweist. Die oft noch in älteren Ställen anzutreffende Standard-Größe von 3 x 3,5 Metern ist daher nicht für größere Pferde geeignet.

Studien über Haltungsformen in Deutschland legen nahe, dass über 85-90% der Pferde in Einzelboxen gehalten werden. Dort verbringen sie oft genug 22-24 Stunden jeden Tag. Es muss eigentlich jedem Reiter klar sein: Das kann nicht im Sinne des Pferdes sein!

Es sind aber nicht nur Minuspunkte für die althergebrachte Boxenhaltung zu verzeichnen. Denn die Einzelhaltung ermöglicht individuelle Futterzuteilung und ist regelmäßig für schwerfuttrige Pferde eine sinnvolle Wahl.

Warum gehe ich nicht auf eine Paddock-Box ein?

Eine Paddock Box ist eine feine Sache, die ich gerne für meine Pferde in Anspruch nehme. Aber sie gibt dem Pferd – in meinen Augen- nicht ein mehr an Bewegung als eine normale Box. Ich sage dazu gerne der Paddock ergänzt die Box in etwa wie ein Balkon eine Großstadtwohnung. Der Paddock ist schön, um an die frische Luft zu kommen und das Umfeld zu beobachten. Aber ein echtes „rauskommen“ aus der Wohnung/ Box ersetzt es nicht.

Eine Paddockbox muss solide eingezäunt und die Höhe der Zaunelemente gut durchdacht sein, um kein Verletzungsrisiko darzustellen. Gerade verspielte Pferde balgen sich gerne mit dem Nachbarn durch den Zaun hindurch, was durchaus verletzungsanfällig sein kann.

Ob der Untergrund befestigt oder aus Naturboden sein sollte, hängt viel von den Möglichkeiten der Reinigung und dem Verhalten der Pferde ab. Ein Sandpaddock mag pflegeintensiver sein, aber die Pferde nutzen den Sandkasten gern zum ausgiebigen Hinlegen (dafür muss die Fläche groß genug sein!). Der feste Boden dagegen ist deutlich pflegeleichter, dafür verletzungsanfälliger, sofern kein Spezialbelag gewählt wird, der rutschfest und leicht nachgiebig ist.

Laufstall

Hierbei werden die Pferde in Gruppen von beliebig vielen in eine möglichst groß gestaltete Box gehalten. Eine gerade Anzahl von Pferden bringt meist mehr Ruhe in die Gruppe. Dies ist eine für Jungpferde bevorzugte Haltungsform, weil sie Sozialkontakte ermöglicht und den Pferden Sicherheit bietet.

Die Haltungsform ist grundsätzlich gut geeignet für soziale Pferde. Dies ersetzt aber nicht den Freilauf und oft sind die Luftwerte bei niedrigen Decken und vielen Pferden in der Praxis deutlich schlechter, als wenn die Pferde draußen wären.

Offenstall

Ein Offenstall bedeutet, dass das Pferd die Wahl hat zwischen einem überdachten Bereich und freien Flächen selbst zu wählen. Diese Haltungsform ist besonders beliebt bei Robustrassen. Das ist zwar keine zwingende Voraussetzung, denn auch Sportpferde fühlen sich hier wohl. Aber in der Praxis sind es oft durchsetzungsfreudige, leichtfuttrige Pferde, die von einer solchen Haltungsform profitieren.

In einem Offenstall ist es oft kaum möglich individuell zuzufüttern. Eine in Rasse und Größe gemischte Gruppe ist kaum gerecht zu werden, außer es stehen (teure) Futterautomaten oder Trennwände zur individuellen Zufütterung zur Verfügung. Maschinelle Varianten sind aber im Regelfall für das Gemeinschaftsgefüge der Herde hinderlich. Die soziale Komponente des gemeinsamen Futteraufnahme sollte nicht unterschätzt werden. Pferde, die mit einem Minimum an Kraftfutter auskommen, sind hier zufrieden.

Weidehaltung

Die Weidehaltung kommt dem Herdentier Pferd sehr entgegen und erfüllt viele seiner Grundbedürfnisse nach Bewegung, Licht und Luft optimal. Der stete Bewegungsanreiz und langsame Fortbewegung sind optimal für seinen Bewegungsapparat und trägt viel zur Gesunderhaltung bei.

Je nach Witterung und Insektenaufkommen macht es Sinn, auf der Weide Bäume als Schattenspender oder eine Weidehütte als Unterstand vorzusehen.

Es ist eine vergleichsweise günstige und weniger Zeitaufwändige Form der Haltung für den Landwirt. Oft müssen nur Wasser für die Pferde und Strom für den Zaun zur Verfügung gestellt werden.

Auch hier zeigt sich; wer es gut macht, der sollte etwas mehr Aufwand betreiben. Die penible Weidepflege erhält den Grasbewuchs, die Düngung erhält die Bodenqualität, Ausmähen der Geilstellen und Abäppeln der Flächen hält den Wurmdruck niedrig. (Und das sind nur die allernotwendigsten Maßnahmen und soll keine abschließende Darstellung sein.)

Weidehaltung ist in Deutschland perfekt für die Sommermonate geeignet. Die wenigsten Betriebe haben genug geeignete Flächen, um diese für eine winterliche Nutzung (oder eher Zerstörung) freizugeben. Sandige Böden, die Wasser durchlässig sind, erhalten trockene Füße und sorgen dafür, dass aus der Fläche kein Schlammloch wird.

Wichtig: Für kranke und rekonvaleszente Pferde kann ich regelmäßig nicht verstehen, warum so viele Reiter (und Tierärzte) den Pferden „Boxenruhe“ verschreiben statt Weideurlaub. Ich denke: Solange alle 4 Beine noch dran sind, gibt es kaum Krankheiten, die ein Pferd in der Box besser auskurieren kann. Oder vielmehr; die Folgen eines Boxenarrests auf den gesamten Organismus und die Psyche des Pferdes sind verheerend und um jeden Preis zu vermeiden.

Paddock Trail

Die Idee hinter dem System ist es, dem Pferd größtmögliche Freiräume in seiner Tagesgestaltung zu geben und durch weite Strecken zwischen neuralgischen Punkten das Pferd dazu anzuregen sich zu bewegen. Haltungssysteme wie der Paddock Trail greifen den Gedanken des Wildpferdes auf und sorgen für breite Wanderwege, die das Pferd in Bewegung setzen. Diese Bewegungsanreize können Futterstellen oder besonders bequeme Liegeplätze sein, Unterstände oder Minerallecksteine. Der Phantasie sind keine Grenzen gesetzt. Auch schmalere Stellen laden zum Beschleunigen ein (können aber Stress in der Herde auslösen). Unterschiedliche Bodenbeschaffenheiten (Holzschnitzel, Kies, Sand,) und Hindernisse (liegende Baumstämme) lassen das Pferd über seine Bewegung nachdenken.

Ich habe die Erfahrung gemacht, dass Pferde, die solch eine Haltung genießen, oft mental sehr ausgeglichen sind und bis ins hohe Alter sehr gesund. Die ständige Bewegung hält gerade auch ältere Pferde fit, deren zum Beispiel arthritische Beschwerden durch Stehen nur verschlechtert werden.

Denn die häufig anzutreffende Konstellation von kleinen Flächen mit guter Versorgungslage nimmt dem Pferd jeden Bewegungsanreiz. Wenn die Pferde nun tendenziell mit Energie in Form von Futter überversorgt werden und herumstehen, so führt dies zu Wohlstandskrankheiten und Stoffwechselproblemen.

Die schleichenden Schäden durch die Haltungssysteme am Pferd

Leider sind die häufig anzutreffenden Haltungsformen eher auf die praktischen Wünsche des Reiters ausgerichtet, als an die Bedürfnisse des Pferdes. Denn Dinge wie Reitplatz und Solarium, Stübchen und Toiletten dienen eher dem menschlichen Wohlbefinden.

Viele Reiter wissen nicht, dass diese „normalen“ Haltungsformen für einen Schaden am Pferd anrichten. Machen ja alle so.

Ein Blick auf die häufigsten Beschwerden der Pferde in Deutschland zeigt aber gleich, wie starkt dies mit unseren Haltungssystem zusammenhängt.

Verdauungsapparat

Der Zusammenhang zwischen übermäßig langer Stehzeiten in der Box und Koliken konnte wissenschaftlich bewiesen werden. Weniger Störungen des Bewegungsapparates stet in Zusammenhang mit der längeren Dauer der Weidezeit. Jeder große Betrieb mit ausschließlicher Weidehaltung wird bestätigen, wie wenig Koliken sie im Vergleich zu Betrieben mit Boxenhaltung bei gleicher Pferdezahl haben.

Atmungsapparat

In Ländern wie Australien, wo die Pferde ganzjährig draußen auf Weiden stehen, sind Erkrankungen der Atemwege des Pferdes so gut wie unbekannt. Jede Studie zeigt, dass insbesondere Stallarbeiten, während die Pferde in der Box sind, sich verheerend auf die Staubbelastung im Stallgebäude und somit auf die Atemwege der Pferde auswirken. Heufütterung, Misten und einstreuen der Box sollten prinzipiell immer erst dann stattfinden, wenn alle Pferde ihre Box verlassen haben.

Bewegungsapparat

Das Stehen beeinträchtigt schon die jungen Pferde ganz erheblich in ihrer körperlichen Entwicklung. Der Unterschied zwischen 12Std Weide/ 12 Stunden Box und 24 Stunden Weide lässt sich wissenschaftlich nachweisen. Das sollte nachdenklich machen!

Die „grüne Wiese“ heilt das Pferd nicht nur sprichwörtlich.

Praktische Aspekte für die Wahl der geeigneten Haltungsform

Es gibt Pferde, die in Gruppen Ruhemöglichkeiten gern wahrnehmen und Pferde, die erst in einer Einzelbox genügend Schlaf finden. Meist sind es rangniedrige Tiere, die von einem separaten Rückzugsort profitieren. Hier sind sehr weitläufige Offenställe mit wenigen, gut verträglichen Tieren sinnvoll oder eine zumindest stundenweise Einzelbox.

Die Gruppenhaltung dagegen ermöglicht ein breites Spektrum an Komfort- und Sozialverhalten (Fell kraulen, gemeinsame Futteraufnahme). Nicht jedes Pferd kann in dieser Konstellation seinem Ruhebedürfnis ausreichend nachkommen.

Herden mit homogenen (einheitlichem) Futterbedarf sind leichter zuzufüttern. Dadurch, dass die Herde vom Menschen zusammengestellt wird und meist zu wenige Ausweichmöglichkeiten für rangniedrige Pferde vorhanden sind, ist dies nicht immer eine pferdefreundliche Haltungsform. Futter und Liegeplätze lassen Konkurrenzdruck entstehen. Viele perfekte Ställe sind zwar gut konzipiert aber für deutlich weniger Pferde ausgelegt, als dort wirklich leben. Je mehr Pferde auf engen Raum zusammenkommen, desto höher das Risiko von Streit und Dauerstress, deren natürliche Folge Verletzungen sind.

Pferdegruppen sind oft vertrauter untereinander und ruhiger als Ganzes, wenn sie 24 Stunden zusammen verbringen und sich nicht für eine stundenweise Zusammenführung neu zusammenraufen müssen. Weniger Fluktuation ist daher bei einer harmonischen Gruppe sinnvoll.

Wer Herden zusammenstellt, wird feststellen, dass diese regelmäßig Wochen bis Monate brauchen, um sich zusammenzufinden und als Ganzes zu agieren. Manche Pferde haben dies gar komplett verlernt und sind nicht in der Lage, sich sozialkonform zu verhalten.

Fazit

Das eine beste Haltungssystem existiert nicht, sondern nur die richtige Wahl für das individuelle Pferd. Dennoch gibt es einige Punkte zu berücksichtigen bei der Wahl der richtigen Haltungsform, denn Studien können Auskunft darüber geben, dass bestimmte Haltungsformen echten Schaden am Pferd anrichten.

Dennoch kann festgehalten werden, dass 24 Stunden freie Möglichkeit der Bewegung und Sozialkontakte zu Artgenossen für das Pferd wichtig sind.

Weiter mit einem ähnlichen Thema: Hatte Ihr Pferd eine gesunde Aufzucht? oder Zusammenhang zwischen Haltungsbedingungen und Krankheit

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Veröffentlicht von

Iris Wenzel

Iris Wenzel züchtet Springpferde für die Sportpferdezucht auf Basis von viel Vollblut, ist Fachbuchautorin und betreibt den Hippothesen Blog aus Freude an Texten, Fotografie und der Liebe zu den Pferden. Ziel ist der Erfolg mit dem Pferd, ohne auf Kosten des Pferdes zu arbeiten.

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