Reite besser, indem Du raus aus der Komfortzone kommst!

Die eigene Komfortzone zu verlassen, bringt einen reiterlich weiter. Stimmt wirklich. Das ist getestet und erprobt. Nachfolgend geht es darum, warum die meisten Leute mit ihrer Reiterei nicht weiterkommen. Und vor allem welche Zeichen darauf hinweisen, dass du dir mit deiner Weiterentwicklung vor allem selber im Weg stehst.

Was ist die Komfortzone und was macht sie mit mir?

Komfortzone bedeutet: Routine, Stress reduzieren, Sicherheit.

Das macht auch zum Teil Sinn, sich dorthin zu bewegen, um Erholung zu suchen, wenn es mal sehr stressig wird. Aber für Wachstum ist das nichts.

In der Komfortzone wird kein Risiko eingegangen, alles bleibt überschaubar, das fühlt sich zwar nicht besonders lohnend an, aber dafür stabil. Danach kommt die Zone der Angst, du fühlst dich sehr unsicher und herausgefordert, eine Umkehr in die Komfortzone scheint die rettende Lösung. Wenn du trotzig weitermachst, kommt die Zone, in der du lernst. Es fühlt sich erst mal ungewohnt an und du musst dich anpassen, um zu bestehen, aber du erkennst auch neue Dinge. Außerhalb dieser drei Zonen fängt aber erst das persönliche Wachstum an, wo man sich Gedanken über die eigene Rolle im Leben und die größeren Ziele macht und seine Bestimmung findet.

Klingt zu abgehoben? Na gut.

Wie wäre es so: Komfortzone klingt so positiv. Aber eigentlich handelt es sich um Gefühle von Angst und Begrenzung (Du bist nicht gut genug!). Wer dagegen Offenheit und Neugier zu seinem erklärten Motto macht, trifft andere Entscheidungen.

Übrigens: Je länger man sich in der Komfortzone aufhält, desto geringer die Wahrscheinlichkeit, dass man diese aus eigenem Antrieb wieder verlässt. Es macht also Sinn, sich regelmäßig die Frage zu stellen, ob man es sich schon zu lange bequem gemacht hat.

Der Scheitelpunkt

Ein bisschen Stress und Herausforderung ist nötig, um zu Lernen. Ein bisschen Komfortzone ist nötig nach Rückschlägen und Traumata.

Kennst du den Spruch: Ein Schiff ist im Hafen am sichersten, aber dafür ist es nicht gebaut worden.

Zurück zum sicheren Hafen ist ein Rückzug in den bekannten Raum. Aus der Komfortzone stetig auszubrechen und seinen Komfort außerhalb zu expandieren ist notwendig, für Weiterentwicklung seiner Fähigkeiten.

Es gibt immer einen Punkt, wo man sich denkt. Das hat früher gut geklappt, muss ich es wirklich anders machen? Das verhindert Lernerfolg und ist trotzdem absolut menschlich.

Es geht darum, sich nicht auf das zu konzentrieren, was alles schief gehen kann, sondern die Möglichkeiten, die entstehen.

Genug zur Theorie, nun weiter zur Reiterpraxis.

Die gläserne Decke

Ich habe mir so oft die Frage gestellt: Warum kommen 90% Reiter nie weiter als A oder L Niveau? (PS: An den Pferden liegt es nicht…) (siehe auch: Zuhause haben alle S-Pferde)

Wie kann es sein, dass Menschen freiwillig einer Sportart nachgehen, in der sie auch nach 10 oder 30 Jahren, ob nach 1 oder 10 Pferden immer noch nicht besser werden?

Diese Menschen sehen ihre natürliche Begrenzung und arbeiten nicht daran, sich weiter zu entwickeln. Deswegen passiert das auch nicht.

Wachstum passiert nämlich außerhalb der Komfortzone.

Wer Wachstum sehen will, der muss bereit sein, die Angst, Zweifel und nagende Unsicherheit auszuhalten. Sogar die Disziplin aufbringen, das regelmäßig zu tun. Und an der Stelle fragen sich viele Reiter offensichtlich: Warum eigentlich?

Denn Menschen haben ein Problem damit, mehr Energie in etwas zu stecken, von dem sie nicht glauben, dass es Erfolg haben wird. (siehe auch: Talent wird überschätzt)

Was sie aber dabei nicht erkennen: Ob du Erfolg haben wirst, bestimmst du zum Großteil selbst. Indem du Verantwortung für die Ziele und deren Erreichung übernimmst.

Kommen dir diese Aussagen bekannt vor?

  • Wenn ich mehr Zeit/ Geld habe, dann…
  • Ich bin zu alt, um …
  • Mein Pferd ist nicht dafür geeignet, weil…

Es handelt sich dabei um klassische Ausreden.

Diese limitierenden Glaubenssätze halten einen davon ab, es einfach zu tun.

Denn wenn man das Problem einfach angeht, indem man sich kleine Schritte überlegt, die zur Zielerreichung notwendig sind und diese Schritte wirklich geht, ist ziemlich viel möglich.

Ein Merksatz hierzu lautet: Wir überschätzen, was wir in einem Jahr erreichen können, aber wir unterschätzen, was wir in 10 Jahren schaffen. Eine Zielsetzung bringt dich auf Kurs. Von alleine passiert es nie.

Mein Beispiel

Mir wurde früher oft gesagt, ich bin zu nett zu den Pferden, ich hole beim Reiten nicht das Maximum aus ihnen heraus.

Dafür komme ich sehr gut mit schwierigen und sensiblen Pferden zurecht, weil ich ihnen Sicherheit vermittle, bevor ich dazu übergehe, schwierige Dinge von ihnen verlangen.

Ich kann jetzt glauben, ich bin nicht für die schweren Klassen des Reitsports geeignet, oder sagen ich bringe auch schwierige Pferde zum Ziel.

Wie sprichst Du mit dir?

Ist das Wortklauberei? Wie ich es formuliere hat doch keine Auswirkung? Denkste! Wie ich mit meinen inneren Stimmen und dem „inneren Kritiker“ umgehe (dem Teufelchen auf der Schulter, das mir einredet ich kann etwas nicht), hat einen riesigen Einfluss darauf, wie weit ich komme.

Denn entweder ich akzeptiere die Begrenzung, die ich mir da auferlege – oder ich stelle sie in Frage, weil ich eine Stärke in der vermeintlichen Schwäche sehe. Das liegt zu 100% an mir. Rate mal mit welcher Wahl ich glücklicher und zuversichtlicher durch das Leben gehe?

Zu erkennen, dass es an mir liegt, zu entscheiden, welcher Stimme ich glauben schenke, hat eine große Kraft. Ich bin nicht meine Gedanken. Ich kann sie zur Kenntnis nehmen, aber auch ganz klar sagen nein, so möchte ich nicht (über mich) denken.

Begrenzende Gedanken

Überlege doch nur mal, wie oft man sich sagt: Das geht nicht.

Das Problem ist, dieser Denkweise bist du dir a) nicht bewusst und b) limitiert sie dich.

Überprüfe die Stimmen in deinem Kopf: Wie sprichst du mit dir? Würdest du so mit anderen Menschen sprechen?

Und jetzt überlege mal, wie oft du zu einem Kind sagen würdest. Warum stellst du dich so dämlich an? Warum sollte man dann mit einem Pferd so reden? Egal ob in Gedanken oder real.

Neubeginn

Es liegt doch nur an uns, dies im Umgang mit dem Pferd zu einem Prinzip zu machen, immer erst einmal die Frage zu stellen: Verstehst Du wirklich, was ich von dir will? Wie kann ich es dir anders vermitteln? Ich würde immer versuchen, nach der Ursache zu forschen und Handlungsalternativen vorzuschlagen.

Und ja, du wirst vermutlich auch mal auf die Schnauze fallen mit deinen neuen Ideen und dich dafür verfluchen, nicht den einfachen Weg (zurück in die Komfortzone) genommen zu haben. So what?

Du fühlst dich zu Beginn begrenzt, skeptisch, negativ. Du hast keine Ahnung, wie es weitergehen soll?

Alles normal. Aber aufhören ist nicht der richtige Weg, sondern nach der Lösung zu suchen.

Beispiel Parareiter

Ich weiß nicht wie viele Reiter ich kenne, die mir erzählen „Ich kann das nicht, weil“:

  • Eins meiner Beine länger ist, als das andere
  • Das Pferd nun mal eine natürliche Schiefe hat und ich nie gut genug reite, diese zu korrigieren (warum also anfangen?)
  • Meine Koordination dafür reicht nicht/ Händigkeit zu stark ausgeprägt ist

Es werden also körperliche Probleme vorgeschoben, die das erfolgreiche Umsetzung verhindern.

Aber Fakt ist: Schau dir die Para-Reiter mal an! Die machen wesentlich mehr möglich mit wesentlich größeren Problemen. Wie sollte das gehen, wenn nicht mit großer Willenskraft?

Jetzt überlege noch einmal neu:

Was fordert dich reiterlich heraus?

Schwierige Pferde sind eine ständige Herausforderung. (siehe auch: Ein Faible für schwierige Pferde)

Ein Pferd, das einen herausfordert, bringt einen dazu, öfter die Komfortzone zu verlassen. Unfreiwillig zwar, aber es zwingt zum Umdenken, neue Lösungen finden, andere Sachen ausprobieren, sich in das Pferd hinein versetzen.

Ein paar Übungen zum Anfangen

Stell Dir mal in einer ruhigen Minute die nachfolgenden Fragen:

Was ist das Schlimmste was passieren kann? Also was macht mir Angst?

Überlege dir, was du tun würdest, wenn Geld keine Rolle spielt. Denn oft ist es gar nicht das Geld, das fehlt, sondern die klare Fokussierung auf das Ziel. Und jetzt überlege dir, wie du mit vollem Einsatz jetzt schon dorthin kommen kannst, wo du dich sehen möchtest.

Kleine Schritte, um deine Komfortzone zu verlassen, was kannst du konkret tun?

  • Besuche den Lehrgang/ reite das Turnier
  • Lass dich filmen/ mach Fotos, um Baustellen zu identifizieren
  • Investiere in deine Fortbildung
  • Ändere Deine Routine
  • Versuche, deine gefühlte Begrenzung in einem positiveren Licht zu sehen

Fazit

Wie wir über die Wahrscheinlichkeit unseres Erfolges denken, hat einen ziemlich großen Einfluss darauf, ob wir unser Ziel erreichen. Denn Talent ist nur die halbe Miete. (siehe: Talent wird überschätzt)

Für mich war die größte Herausforderung, die ich je angenommen habe, meine kleine Pferdezucht. Seit über 10 Jahren züchte ich auf Basis von viel Vollblut Springpferde für den gehobenen Sport.

Mir wurde gesagt, Springpferde züchten mit viel Vollblut (oder gar aus einem Vollblutstamm), das geht nicht!

Halbblüter als Fohlen verkaufen? Das geht nicht!

Rückblickend kann ich sagen: Doch, das geht! Wenn man es richtig macht.

Diesen Status Quo in Frage zu stellen, sich Wege zu suchen, die eben doch gehen, das ist der Weg zum Ziel. Ich muss ja nicht jeden Fehler wiederholen, den andere gemacht haben. Ich versuche zu lernen, was klappt. Zucke bei den Worten „das haben wir immer schon so gemacht“ automatisch zusammen und suche bessere Wege.

Das Geheimnis dabei? Herauszufinden, warum man es wirklich tut. Also der Grund, der einen antreibt und der einem keine Ruhe lässt. Denn Wachstum ist ein Marathon, auf den man sich da einlässt. Wenn man aus Gewohnheiten ausbrechen will, erfordert dies immer wieder eine bewusste Anstrengung raus aus der Komfortzone.

Aber es lohnt sich, denn Pferde (und Menschen) erkennen, ob du die Dinge nachmachst, von denen dir andere gesagt haben, sie funktionieren. Oder ob du Dinge tust, von denen du überzeugt bist. Sei ein Innovator!

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Veröffentlicht von

Iris Wenzel

Iris Wenzel züchtet Springpferde für die Sportpferdezucht auf Basis von viel Vollblut, ist Fachbuchautorin und betreibt den Hippothesen Blog aus Freude an Texten, Fotografie und der Liebe zu den Pferden. Ziel ist der Erfolg mit dem Pferd, ohne auf Kosten des Pferdes zu arbeiten.

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