Pferd zu dünn

Wann ist ein Pferd zu dünn?

Ehrlich gesagt staune ich immer wieder über rippige, schlecht bemuskelte Pferde, die von ihren Besitzern einfach mal als „zu Fett“ betitelt werden. Dabei denkt man ein dünnes Pferd ist doch schnell identifiziert. Denkste! Wann das Pferd zu dünn ist, soll hier erläutert werden.

Falsche Messwerte

Viele Reiter machen den Fehler, den Sattelgurt als Referenz für eine Körperfettanalyse zu wählen. Dabei ist klar: Die Fütterung des Pferdes hat erheblichen Einfluss auf den Umfang und die Form des Bauches. Das steht allerdings entgegen landläufiger Meinung mit Körperfett nicht in Korrelation. Wann ist das Pferd zu dünn?

Was der Umfang des Bauches aussagt

Gefüllter Verdauungstrakt

Steht das Pferd im Sommer auf der Weide, hat es vermutlich einen erheblichen Weidebauch. Der Umfang des Bauches zeigt, wie voll der Dickdarm mit unverdaulichem, voluminösen Futter gefüllt ist (= Weidebauch). Locker 50 Kilo Gras werden von einem Großpferd täglich in den Verdauungstrakt überführt. Der sagt aber mehr darüber aus, dass das Pferd gerade damit beschäftigt ist, große Mengen wenig verdaulicher Masse in Energie umzuwandeln und wenig darüber, wie viel Fett es einlagert. Das Pferd kann trotzdem zu dünn sein.

Zahnprobleme

Ein großer Umfang des Bauches kann auch mit mangelhafter Zahnpflege zusammenhängen. Wenn die Zähne das grobe Raufutter nicht mehr angemessen zerkleinern, dann kann der Bauch merkwürdig unförmig wirken. Ein Blick auf die Pferdeäppel verrät, ob die zu viel Struktur haben. Wenn die nur grob zerkleinert wirken, sollte der Zahnarzt die Zähne kontrollieren.

Bauchmuskulatur

Der hängende Bauch gibt Auskunft darüber, ob das Pferd eine schlaffe Bauchmuskulatur hat. Wenn das Bindegewebe nachlässt oder das Pferd wenig Bewegung hat, kann auch dies einen Hängebauch verursachen. Damit kann das Pferd unangemessen rundlich wirken, ohne über viele Fettdepots zu verfügen.

Wurmbefall

Oft genug ist das Pferd verwurmt, wenn es einen extrem prallen Bauch hat oder unspezifisch nicht optimal aussieht, obwohl es genügend Futter bekommt. Insbesondere Jungpferde sind hier anfällig, dies kann aber prinzipiell Pferde jeden Alters betreffen.

Vorsicht: Auch mehrfach jährliche Gabe einer Wurmkur und penible Weidehygiene sind keine Garantie für Wurmfreiheit! Nur die Untersuchung einer Kotprobe in einem Labor gibt zuverlässig Aufschluss über den Verwurmungsgrad und die Behandlungsmöglichkeiten.

Pferd zu dünn? Dies sind verlässlichere Anzeichen!

Sichtbare Rippenbögen

Der relevanteste Hinweis sind die Rippenbögen. Sieht man diese, ist das Pferd eindeutig zu dünn oder „rippig“, wie es treffenderweise heißt.

Aber auch da gibt es unterschiedliche Auffassungen davon, was als Optimum gewertet wird. Der Spruch „Man darf die Rippen nur fühlen aber nicht sehen!“ erscheint mir regelmäßig nicht besonders praxistauglich, auch wenn er wahr ist.

Am besten beurteilt der Laie den Bauch seines Pferdes ohnehin nicht von der Seite. Die frontale Betrachtung ist wesentlich weniger geeignet, das Auge zu täuschen als die klassische Bauchbeschau von der Seite. Denn wenn hier die Rippen ebenfalls sichtbar sind, ist auch egal wie breit der Bauch ist, dieses Pferd ist zu dünn.

Pferd zu dünn

Externe Hilfe

Unterstützung bei der Einschätzung kann angebracht sein, wenn man Sicherheit haben möchte. Oftmals sind Reiter bei ihren eigenen Pferden nicht objektiv.

Pferdewaage

Wer Klarheit will, der holt sich eine Pferdewaage auf den Hof oder sucht eine LKW-Waage auf, um zu erfahren, was das Pferd wiegt. Das sagt aber nichts darüber aus, ob das zu viel oder zu wenig ist.

Wo sind die Fettpolster?

Fett findet sich beim Pferd zu großen Teilen in der Oberlinie eingelagert, der dicke Bauch ist daher kein geeigneter Indikator für die Beurteilung des Futterzustandes. Besonders leicht ist dies bei Pferden mit Stoffwechsel-Störungen zu beobachten, weil die dazu neigen, umfangreiche Fettkämme zu bekommen. Da ist die Verfettung dann besonders ausgeprägt sichtbar.

Haflinger

Body Condition Score

Wer es ganz genau wissen möchte, kommt um den Body Condition Score (BCS) nicht herum. Hier werden 6 verschiedene Partien des Pferdes auf deren Fettdepots auf einer Skala von 1 – 10 (1 ist abgemagert, 10 ist verfettet) bewertet und deren Durchschnittswert gibt das Endergebnis. Das sollte bei einem Reitpferd bei einem optimalen Wert (5) liegen, eine Zuchtstute darf auch mäßig dick (6) sein.

Das nachfolgende Video gibt eine schöne Erklärung zu den wichtigsten Punkten zur Abgrenzung eines dünnen Pferdes.

Fazit

Was tun, wenn das Pferd zu dünn ist?

Es macht Sinn sich die Frage zu stellen, warum das Pferd zu dünn ist. An nächster Stelle muss aber der Pferdebesitzer aktiv werden. Diesen Zustand darf man nicht ignorieren. Denn das Pferd hat in diesem Zustand keine Chance dauerhaft gesund zu bleiben oder gar Muskulatur aufzubauen. Dafür ist schlicht keine Energie da. Wenn der Allgemeinzustand sich verschlechtert, ist eine Anpassung der Fütterung notwendig.

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Veröffentlicht von

Iris Wenzel

Iris Wenzel züchtet Springpferde für die Sportpferdezucht auf Basis von viel Vollblut, ist Fachbuchautorin und betreibt den Hippothesen Blog aus Freude an Texten, Fotografie und der Liebe zu den Pferden. Ziel ist der Erfolg mit dem Pferd, ohne auf Kosten des Pferdes zu arbeiten.

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