Chancen für schwierige Pferde

5 Zeichen dafür, dass Dein Pferd Dir zu viel wird

Hast Du dir schon mal die Frage gestellt, ob Dein Pferd eine zu große Herausforderung für dich ist? Für Dich schreibe ich diesen Blogpost, denn obwohl ich glaube da war schon fast jeder Reiter einmal in seinem Leben, ist unser Leben eindeutig zu kurz dafür, uns mit einem gefährlichen Pferd den Tag zu verderben. Ich spreche auch darüber, wann es an der Zeit ist, den Kauf des eigenen Pferdes zu überdenken oder einfach nur dran zu bleiben.

Warnhinweise

Hier also die 5 Warnhinweise dafür, dass Dir Dein Pferd über den Kopf wächst in Reihenfolge der Dringlichkeit:

Übermäßige Sturheit Deines Pferdes

Dein Pferd reagiert immer gleich bei einem Problem und setzt sich damit durch. Es scheint Dich immer wieder herauszufordern.

Damit ist gemeint: Lästiges Verhalten wie Hufe scharren, schnappen nach dem Reiter beim Aufsatteln oder austreten bei der Arbeit, aber auch übermäßiges Feststarren an Objekten und Scheuen. Du bist unsicher, wie Du damit umgehen sollst. Du findest keinen Ausweg für das Problem und bist mit Deinem Latein am Ende.

Deine Vorfreude auf Dein Pferd ist weg

Du freust Dich nicht mehr so auf Dein Pferd wie früher.

Den ganzen Tag verfolgen Dich Gedanken wie: Was wird es heute aushecken?

Stress statt Entspannung und das am Feierabend. Dein Pferd kostet dich Nerven und Geld. Ständig und mehr als Dir lieb ist. Das kann mal eine Zeit lang so gehen, aber wenn daraus Wochen oder gar Monate werden, solltest Du die Reißleine ziehen.

Kontrollverlust über Dein Pferd

Bestimmte Verhaltenssequenzen werden unkontrollierbar. Das kann das Führen zur Weide sein, oder der Ausritt. Du vermeidest bewusst diese Situationen und warst schon ewig nicht mehr mit Deinem Pferd entspannt ausreiten.

Angst vor Deinem Pferd

Ein bisschen Respekt im Umgang mit einem Pferd ist okay. Aber wenn Dich Sorge beim Gedanken daran beschleicht, wenn es um die nächste Reiteinheit geht, läuft hier etwas schief. Reiten soll Spaß machen!

Dazu gehört auch:

  • Unwohlsein beim Aufsteigen,
  • Sorge beim Gedanken an bestimmte Situationen,
  • Vermeiden von Konflikten (Dursetzungsvermögen),
  • Ablongieren vor dem Reiten.

Erste Hinweise sind für mich, wenn Reiter Horrorszenarien in ihrem Kopf selber kreieren. Gedankenszenarien wie ein entgegen kommender Traktor auf einem engem Feldweg ohne Ausweichmöglichkeit, eine wild galoppierende Pferdeherde auf der Weide nebenan oder setze beliebige andere Gruselobjekte Deines Pferdes.

Diese Gedanken tauchen auf und lähmen dich, beziehungsweise halten dich davon ab Freude an Deinem Pferd zu haben. Du siehst bereits eine Eskalation des Verhaltens voraus. Aber das macht dich unentspannt und damit vermutlich auch schnell auch dein Pferd.

Du wirst von Deinem Pferd verletzt oder stürzt (mehrfach)

Jeder Reiter kann mal runter fallen, zum Beispiel wenn sein Pferd erschrickt. Aber wenn es regelmäßig wird, ist das auf jeden Fall Anlass zur Sorge. Niemand möchte in seiner Freizeit sein Leben riskieren.

Aber es kann natürlich auch sein, dass Dein Pferd nur für Dich ein Problem ist und für andere Menschen wunderbar geeignet. Das Verhalten Deines Pferde beurteilst Du schließlich ganz subjektiv. Daher weiter mit dem nächsten wichtigen Thema:

Was ist überhaupt ein Problempferd?

Ich höre öfter Reiter, die ihr Pferd als „Problempferd“ betiteln.

Das Verhalten des Pferdes ist zwar lästig, aber ich würde es oftmals nicht als Problem bezeichnen. Das hat eher mit falscher Erziehung zu tun, oder einem Mangel an Vertrauen. Jedenfalls sind die Ursachen mit dem richtigen Umgang in den Griff zu kriegen.

Wer hat hier ein Problem?

Was ich sagen möchte: Das Verhalten des Pferdes allein ist nicht entscheidend dafür, wann es als Problempferd wahrgenommen wird. Dazu muss es noch auf den falschen Besitzer/ Reiter treffen.

Ein Problempferd ist die Summe aller Fehler des Reiters. Die Probleme spiegeln sich zwischen den beiden. (siehe auch: Das Pferd als Spiegel)

Was sich Reiter oftmals nicht bewusst machen, ist wie sehr sie selbst zu dem Problem beitragen. Ich weiß, das hört niemand gern.

Ich höre aber so oft ein frustriertes „bei Dir macht er es gar nicht“, wenn ich die Handlung oder Zügel eines widersetzlichen Pferdes übernehme. Anstatt daraus zu schließen, dass nicht das Pferd, sondern der Reiter das Problem hat, machen Reiter gern das launische Pferd verantwortlich. So funktioniert das nicht.

Ist die moderne Pferdezucht schuld?

Viele behaupten, die heutigen Pferde wären alle Verbrecher. Pferde mit einem hohen Anteil von X*-Blut (*setze verhasste Zuchtlinie), sind alle gemeingefährlich. Kein Reiter kann sowas freiwillig wollen.

Die Sache ist die: Doch! Es gibt Reiter, die hoch reaktive Pferde sehr schätzen. Für mich persönlich ist es ein Graus, wenn ein Pferd so stumpf ist, dass es sich bei jeder Anfrage zwei Mal bitten lässt. Ich habe gerne die Variante, die schon zwei Handlungen vorschlägt, bevor ich überhaupt gefragt habe. Dem einen sein Schaukelpferd ist dem anderen sein Feuerstuhl. Es sollte sich jeder ein Pferd suchen, das ihm zwar Herausforderung ist, um zu wachsen, dem man aber gewachsen ist. (Siehe auch: Mein Faible für schwierige Pferde)

Sich einzugestehen, dass dies nicht der Fall ist, finde ich persönlich kein Beinbruch. Denn wer hat denn etwas davon, wenn ein Pferdebesitzer über Jahre Angst vor seinem eigenen Pferd hat? Aus dem falschen Gefühl der Unumkehrbarkeit und Verantwortung wird da an einem Zustand festgehalten, der keinem der Beiden gut tut. Das kann nicht das Ziel eines Hobbys sein!

Verhalten problematisieren

Weil ich weiß, dass meine positive Haltung gegenüber schwierigen Pferden oft Unverständnis auslöst, möchte ich gern provokativ fragen: Gibt es überhaupt ein Verhalten eines Pferdes, das kategorisch als „problematisch“ bezeichnet werden kann?

  • Beißen,
  • treten oder
  • steigen

würden vermutlich viele Reiter dazu zählen.

Ich finde diese Pauschalisierung aber problematisch. Denn in den allermeisten Fällen, wo das Pferd diese Verhaltensweisen zeigt, hat es lange davor seinem Besitzer bereits Warnsignale gezeigt. Die zumeist ignoriert wurden. Das kann einmal gewesen sein, das kann über Monate hinweg ständig gewesen sein. Das hängt von der Duldsamkeit des Pferdes ab. Irgendwann eskaliert also das Verhalten, weil das Pferd darin den einzigen Ausweg sieht.

Ist das jetzt wirklich problematisch, oder nicht vielmehr höchste Zeit, dem Problem oder den Bedürfnissen des Pferdes mehr Beachtung zu zeigen?

Es gibt immer zwei Seiten der Medaille.

Das Pferd hat sich nicht ausgesucht, mit uns unserem Hobby nachzugehen. Wir sollten daher Rücksicht auf seine Bedürfnisse nehmen. Natürlich ist mir bewusst, dass wenn 650 Kilo Pferd Beachtung fordern, dies für einen Menschen schnell gefährlich werden kann.

Fazit

Die wenigsten Reiter bringen sich freiwillig in diese missliche Situation mit ihrem Pferd. Offensichtlich haben sie selbst keinen Ausweg parat, sonst würden sie ihn gehen. Selbst ein Profi wie Michael Geitner beschreibt in seinem Buch, dass es für ihn Sinn gemacht hat, fremde Hilfe eines Profis heranzuziehen, wenn die Situation festgefahren ist. Ich glaube es hilft, kreativer in der Herangehensweise zu werden.

Deswegen kann es helfen mit einem Trainer oder einem anderen Pferd zu Überprüfen, wo das Problem herkommt und ob es auch mit anderen Pferden besteht. Das ist dann ein deutliches Signal, dass man an sich selbst arbeiten muss.

Bedenke: Das schwierige Pferd hat oft sehr viel Potential. Denn wenn es aufhört, gegen der Reiter zu arbeiten, kann es die selbe Energie in die Kooperation mit dem Reiter stecken. Daraus kann also richtig etwas werden.

PS: Falls Du Hilfe mit Deinem Pferd benötigst, wende Dich gerne an mich.

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Veröffentlicht von

Iris Wenzel

Iris Wenzel züchtet Springpferde für die Sportpferdezucht auf Basis von viel Vollblut, ist Fachbuchautorin und betreibt den Hippothesen Blog aus Freude an Texten, Fotografie und der Liebe zu den Pferden. Ziel ist der Erfolg mit dem Pferd, ohne auf Kosten des Pferdes zu arbeiten.

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