Verweigerung

Wie kann ich mein Pferd zum Springen bewegen?

Ich bin gefragt worden, wie man ein Pferd zum Springen bringt. Auf pferdefreundliche Art und Weise versteht sich. Ich möchte dazu gern meine Gedanken festhalten, denn ich glaube die Verweigerung des Pferdes wird oft genug durch den Reiter verursacht. Es ist jedenfalls ein Thema, wo viel falsch läuft.

Manchmal habe ich den Eindruck, Reiter gehen davon aus, es ließe sich ein Pferd nur über mehr oder weniger starke Einwirkung (= Gewalt) zum Springen bringen. Das ist schade, denn dieser Annahme entgehen zwei wichtige Aspekte:

1. Ein Pferd kann gerne und freiwillig springen (siehe auch Artikel: Kein Pferd spring freiwillig)
2. Selbst wenn es das nicht von Anfang an tut, gibt es Mittel und Wege ihm das beizubringen.

Jetzt höre ich schon den Einwand „Das ist doch keine Freiwilligkeit, wenn man das Pferd erst dazu bringen muss!“

Naja, manche Erkenntnisse dürfen ruhig etwas reifen. Aber in meinen Augen ist es nur eine Frage der geschickten Vorgehensweise und Phantasie des Reiters.

Das Jungpferd zum Springen bringen

Ich fange mal mit einem Jungpferd an, das noch nie in seinem Leben gesprungen ist. Meine Prämisse ist: Das Pferd ist zu einem Sprung über einen Baumstamm körperlich in der Lage. Warum soll es daran nicht auch Spaß entwickeln? Wie manche Pferde auch an tollkühnen Bocksprüngen Spaß haben. Wer schon mal Fohlen beobachtet hat, der weiß diese sind sehr neugierig und testen regelmäßig ihre körperlichen Fähigkeiten mit großer Neugierde. Springen gehört dazu.

Die Frage, die ich in dem Zusammenhang regelmäßig höre ist: „Was machst du wenn das Pferd verweigert?“ Die Logik dahinter ist leicht durchschaubar; wenn das Pferd brav mitspielt, ist Freundlichkeit gegenüber dem Pferd leicht. Wie aber verhält sich ein Reiter, wenn das Pferd sich weigert seinen Forderungen nachzukommen? Eine durchaus berechtigte Frage.

Wenn das Pferd verweigert, ist man das Ganze falsch angegangen. Man muss für eine erfolgreiche Strategie bereits früher ansetzen. Es geht nicht darum, das Pferd zum Springen zu zwingen, sondern dem Pferd diese 3 Schritte zu vermitteln:

1. Initiative gefragt: Das Pferd darf sich nicht nur einbringen, sondern wird aktiv dazu aufgefordert. Ein Reiter muss mutige Entscheidungen belohnen, sei es die Annäherung an gruselige Gegenstände, natürliche Hindernisse, Traktoren oder bockende Kühe. Der Stallalltag bietet genug Herausforderungen. Diese gilt es als Reiter wahrzunehmen und jede Anstrengung des Pferdes zu loben. Das Pferd muss lernen, dass die Zusammenarbeit mit dem Reiter fair abläuft und Spaß macht.

2. Anspruch langsam steigern: Wer sein Pferd konsequent dazu erzieht, sein Bestes zu geben und Herausforderungen anzunehmen, der wird kein Problem mit einer Verweigerung bekommen. Ein neugieriges Jungpferd durch Wasser oder über Stangen am Boden zu schicken ist spielend leicht, wenn man es richtig aufbaut. Mit Lob kann man Pferde sehr wohl dazu bringen, dass sie merken ihr Reiter schätzt die Mitarbeit und sie motivieren sich ins Zeug legen. Der Reiter muss ein Gespür dafür entwickeln, was er seinem Pferd zumuten kann und konsequent nicht mehr verlangen.

3. Erfolgserlebnisse kultivieren. Ganz wichtig ist es dem jungen Pferd Fehler wie eine Verweigerung zuzugestehen. Das ist nicht schlimm. Aber wenn das Pferd es macht, hat der Reiter nicht aufgepasst oder die Ansprüche zu hoch angesetzt. Das Pferd sollte immer mit einem Erfolgserlebnis vom Platz gehen, . Verlange als Reiter nichts, was das Pferd überfordert, aber darauf muss man schon bestehen (sei es, indem man ein Führpferd vorweg über ein Hindernis schickt oder es so niedrig aufbaut, dass es überwunden werden kann).

Und das ältere Pferd? Es funktioniert im Grunde nach demselben Prinzip, nur dass man sich für „sauer“ gerittene Pferde manchmal mehr Zeit nehmen muss. Ein älteres Pferd versteht das Prinzip genauso und wird sich Mühe geben zu kooperieren, wenn es gelernt hat, Spaß an der Zusammenarbeit zu entwickeln.

Wo ist der Trick?

Eigentlich gar nicht so schwer, oder?

Das einzige Geheimnis besteht darin, sich der kleinen Schritte bewusst zu werden, die das Pferd zu der Erkenntnis verhelfen, dass die gemeinsame Arbeit und auch das Springen Spaß machen.

Es muss den Eindruck bekommen, dass alles was ich von ihm als Reiter verlange machbar ist. Dann wird es gar nicht anfangen zu hinterfragen. Die Verweigerung ist ein Produkt der Unsicherheit. Im Idealfall beginnt die Strategie gegen Verweigerungen noch vor dem Anreiten. Das Pferd schreitet über Baumstämme im Wald und Stangen an der Longe und wird für seinen Mut und seine Kooperation ausgiebig gelobt.

Ein so motiviertes Pferd wird förmlich nach der nächsten Gelegenheit suchen, wo es dem Reiter gefallen kann. Über frei in der Halle stehende Cavalettis hüpfen, warum auch nicht? Ein Pferd kann das körperlich und merkt, wie es seinen Körper zu neuen Leistungen formen kann.

Ich hatte noch nie ein Pferd, das zu zur Verweigerung geneigt hat und bin damit schon über 1,60m Maße im heimischen Parcours und durch ziemlich anspruchsvolles Jagd-Gelände gekommen. Tierquälerei fängt für mich nicht bei der Höhe der überwundenen Sprünge an, sondern da, wo der Reiter sich nicht mehr zu helfen weiß und deswegen zu unnötig groben Lösungen greift. Springen an sich ist das natürlichste der Welt für ein Pferd.

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