Meredith Michaels-Beerbaum

Rhythmus im Springparcours etablieren

Mehr Rhythmus bringt den Reiter im Springparcours auf ein ganz neues Level des Bewusstseins für gutes Reiten. Warum der Trick mit dem Rhythmus funktioniert und was man als Reiter dafür tun muss, dass es klappt. Ein paar Ideen für Alle, die weiter an ihrer Springtechnik feilen möchten.

Ich habe bereits in einem anderen Blog Post betont, wie wichtig die Qualität des Galopps für den Sprung ist (siehe auch: Galopp im Springsport erhalten). Ein weiteres ganz einfaches Mittel, dem Pferd wirklich zu helfen im Parcours, ist es seinen Rhythmus finden und beibehalten zu lassen.

Klingt leicht, macht aber kaum ein Reiter.

Denn Kollege Holzauge sieht die Distanz erst im letzten Augenblick und quetscht und würgt, um die Distanz passend zu reiten. Das alles in dem guten Glauben, es dem Pferd damit leicht zu machen. Denn eine passende Distanz hilft dem Pferd ja. Aber in Wahrheit macht das Rumgewürge auf den letzten Drücker dem Pferd die Sache mit dem Sprung nicht leichter, sondern schwerer. Erst recht, wenn es sich nicht um einen Einzelsprung handelt, sondern um einen ganzen Parcours.

Für einen typisch „deutschen“ Springstil, mit viel Kontrolle, ist das mit dem Freestyle natürlich nichts. Der möchte dem Pferd vorgeben, wo es losspringen soll.

Was ist mit Rhythmus anders?

Eine starke Galopp-Basis zu legen durch viel Rhythmus, macht es dem Pferd leichter den Parcours fehlerfrei zu absolvieren.

Wie sieht die Technik konkret aus?

Im Galopp soll das Pferd mehr Energie entwickeln. Den Rhythmus möchte der Reiter durch die Wendung zum Sprung mitnehmen, das Pferd wird vor dem Sprung geschlossen. Das Pferd kommt somit in Grundspannung zum Sprung und kann daraus den Sprung entwickeln.

Was ist anders? Energie und Impuls bleiben für das Pferd im Parcours immer gleich, dadurch entsteht Vorhersehbarkeit für das Pferd. Es muss abwarten und kann nicht zum Sprung noch mal die letzten Galoppsprünge unkontrolliert davonstürmen. Der Reiter kann und soll ruhig am Sprung bleiben, wohingegen sich das Pferd wie eine Sprungfeder gespannt vor dem Sprung aufnehmen und am Sprung entladen soll. Hierfür muss es vor dem Sprung minimal aufgenommen werden, um den Impuls im Galopp zu erhöhen. Der Takt bleibt gleich, nur die Größe des Galoppsprungs passt sich an. Das bringt Ruhe in den Ritt und System in den Parcours.

Wie erlebt das Pferd das?

Die Dinge bleiben für das Pferd gleich und damit vorhersehbar. Es muss sich nicht bei jedem Sprung neu einstellen, weil der Reiter den Sprung plötzlich anders anreitet, wenn er die Distanz sieht. Der Reiter hält eine leichte Verbindung zum Pferd und wird sein Pferd nicht vor dem Sprung mit neuer Einwirkung überfallen. Das Pferd muss den Eindruck haben, den Reiter in seinen Handlungen vorhersehen zu können und den Impuls aus dem Vorwärts entwickeln.

Wie erlebt der Reiter das?

Der Rhythmus muss beibehalten werden. Der Reiter fühlt sich bei den ersten Versuchen sicher sehr passiv. Aber er soll lernen, den Sprung auf sich zukommen lassen. Das Pferd soll für diese Technik mit viel Impuls vorwärts geritten werden. Das Tempo wird über den ganzen Parcours hinweg gleichmäßig beibehalten. Der Reiter sucht die Tendenz nach vorn und riskiert vorerst auch eine unpassende Distanz und muss das aushalten, bis der Rhythmus stimmt.

Warum funktioniert es?

Es gibt 3 wichtige Gründe:

  1. Zu viel reiterliche Einwirkung macht den Rhythmus kaputt. Denn Rhythmus hat mit Gleichgewicht und Balance zu tun.
  2. Rhythmus bringt Konsequenz in den Ritt und verhilft ängstlichen Pferden zu mehr Selbstvertrauen und das Gleichmaß gibt hektischen Pferden mehr Gelassenheit.
  3. Der Lerneffekt ist für das Pferd größer, wenn es selbst reagieren muss, als wenn es vom Reiter alles passend gemacht bekommt. Ein Pferd mit Qualität am Sprung kann enge oder weite Distanzen durch sein Springverhalten ausgleichen. Der Reiter muss dem Pferd vertrauen und diese Aufgabe bewusst übertragen.

Wer reitet so?

Reiterliche Vorbilder gibt es viele und jeder Reitstil hat seine eigenen Stärken und Schwächen. Es gibt sicher noch mehr Reiter, die diesen Stil zeigen, aber ich spreche mal von denen, die ich in öffentlichen Auftritten bzw. Unterrichten gesehen habe, dass sie diesen Stil aktiv propagieren. Hier fallen mir vor allem Meredith Michaels-Beerbaum und Andreas Kreuzer ein. Beide legen viel Wert auf diesen Baustein.

Fazit

Beim Reiter darf man sicher öfter mal etwas Neues ausprobieren. In wichtigen Fragen ist jedoch Beständigkeit für das Pferd besser. Das schafft zuverlässig Vertrauen und bessere Leistung.

Weiter mit einem ähnlichen Thema: Galopp im Springsport erhalten oder Wie kann ich mein Pferd zum Springen bewegen?

Veröffentlicht von

Iris Wenzel

Iris Wenzel züchtet Springpferde für die Sportpferdezucht auf Basis von viel Vollblut, ist Fachbuchautorin und betreibt den Hippothesen Blog aus Freude an Texten, Fotografie und der Liebe zu den Pferden. Ziel ist der Erfolg mit dem Pferd, ohne auf Kosten des Pferdes zu arbeiten.

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